FUSSBALL: FC Luzern tritt gegen Ex-Sportchef Rolf Fringer nach

Der FC Luzern befindet sich im sportlichen Hoch, doch offenbar findet der Verein immer einen Weg, für Unruhe zu sorgen: Im neusten Matchmagazin hat der FCL seine Klublegende Rolf Fringer entwürdigt.

Daniel Wyrsch
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Ex-Sportchef Rolf Fringer (links) muss immer noch einstecken, Präsident Philipp Studhalter (rechts) will sich entschuldigen. (Bilder: Urs Flüeler/Keystone/Martin Meienberger/Freshfocus)

Ex-Sportchef Rolf Fringer (links) muss immer noch einstecken, Präsident Philipp Studhalter (rechts) will sich entschuldigen. (Bilder: Urs Flüeler/Keystone/Martin Meienberger/Freshfocus)

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Rund 12 200 Zuschauer waren am Samstag in der Swissporarena, um den FC Luzern beim 3:0-Heimsieg gegen das Tabellenschlusslicht aus Vaduz zu unterstützen. Eine tolle Kulisse gegen den bescheidenen Gegner. Doch viel Publikum zog der FCL in dieser letzten Heimpartie des Jahres an, weil er nun 16 Punkte aus den letzten 6 Partien geholt hat und vor dem Vorrundenabschluss am nächsten Sonntag (13.45) in Sion auf Platz 3 steht.

Vor dem Duell Luzern gegen Vaduz konnten sich die Stadionbesucher im FCL-Magazin, der sogenannten «Matchzytig», ­einen Jahresrückblick mit Bildern und kurzen Texten zu Gemüt führen. Gleich unter dem ersten Foto mit dem zerknirschten Ex-Sportchef stand: «Der Abgang von Rolf Fringer bescherte uns ein erfolgreiches Jahr.»

Die Verantwortlichen der «Matchzytig», die von FCL-Angestellten hergestellt wird, leisteten sich ein verbales Nachtreten gegen den 59-jährigen Fringer, der am 7. Januar 2016 freigestellt worden war. Das ist ein kommunikatives No-Go für einen professionell geführten Fussballklub.

FCL-Präsident Studhalter will einen Brief schreiben

Unsere Zeitung hat am Sonntagvormittag FCL-Präsident Philipp Studhalter (40) mit dieser Verbalattacke gegen Fringer konfrontiert. Er antwortete mit eindeutigen Aussagen: «Als Präsident muss ich diesen Fehler verantworten. Das Bild gehört zum Rückblick, das ist o. k., aber der Text ist daneben.»

Studhalter will nichts beschönigen, nimmt diesen unverzeihlichen Fauxpas auf seine Kappe. Dabei kann von einem Präsidenten nicht erwartet werden, dass er neben seinen vielen Aufgaben auch noch das «Gut zum Druck» für das Spielmagazin geben muss. Der seit sechs Monaten als Verwaltungsratspräsident der FC Luzern-Innerschweiz AG vorstehende Studhalter muss den Angestellten vertrauen können – das weiss der Anwalt natürlich selbst.

Studhalter verriet unserer Zeitung, dass er Fringer einen Brief zustellen wolle. «Die Zeit ist vorbei, und wir schauen nach vorne. Rolf Fringer ist Teil des FCL», meinte der oberste operative Chef versöhnlich. Nicht zum ersten Mal zeigt Studhalter gegenüber Fringer Respekt und Wertschätzung. Das sind Dinge, die andere im FCL gegenüber dem langjährigen Trainer und Ex-Sportchef vermissen lassen. Im schnelllebigen Fussballgeschäft sind Erfolge von gestern oft bald vergessen. Dabei hat Fringer den FCL in den letzten acht Jahren zweimal aus einer sehr ungemütlichen Lage zur Rettung der Klasse geführt.

Fringer feierte mit dem FCL bedeutende Erfolge

In der Saison 2008/09 stand Luzern nach zwölf Runden mit nur zwei Punkten vor dem Abstieg. Fringer übernahm das Traineramt vom inzwischen verstorbenen Roberto Morinini, der bereits auf Ciriaco Sforza gefolgt war. Fringer führte den FCL auf Platz 9 und gewann mit dem Team das legendäre Barrage-Rückspiel gegen Lugano 5:0 bei der Allmend-Derniere. In der Folgesaison wurde Luzern mit ihm Vierter, spielte erstmals nach 13 Jahren europäisch. In der dritten Saison unter Fringer wurde der FCL Wintermeister, ehe sein unfreiwilliger Abgang mit der beschlossenen Ablösung durch Murat Yakin beschleunigt wurde.

Nachdem Luzern unter Sportchef Alex Frei Ende 2014 nicht vom Fleck kam, mit nur 13 Punkten aus 18 Partien Letzter war, folgte an seiner Stelle Fringer. Mit klar verbesserter Stimmung holte der FC Luzern 34 Punkte in der Rückrunde und wurde Fünfter.

Ende 2015 schlug Fringer Co-Trainer Roland Vrabec als Nachfolger von Markus Babbel vor. Fringer und Vrabec mussten gehen.

Fringer wollte zur Attacke in der «Matchzytig» nichts sagen.