FUSSBALL: FCL – alle gemeinsam zum Sieg

Der FC Luzern kann heute (19.45) sich und seine Fans glücklich machen: Servette besiegen und sich von den grössten Abstiegssorgen befreien.

Daniel Wyrsch
Drucken
Teilen
Die Fans forderten am letzten Samstag gegen Thun mit einer Choreo die Rückkehr des (Bild Roman Beer)

Die Fans forderten am letzten Samstag gegen Thun mit einer Choreo die Rückkehr des (Bild Roman Beer)

Ich weiss noch, wie sich ein Sieg anfühlt», meint Claudio Lustenberger lächelnd. Dabei sind 112 Tage oder dreieinhalb Monate vergangen, seit der FC Luzern das letzte Mal gewonnen hat. Eine mittlere Ewigkeit im Fussball. Am 17. November 2012 besiegten die Innerschweizer den FC Zürich im Letzigrund durch Tore von Alain Wiss und Stephan Andrist mit 2:0. Captain Lustenberger ist sich bewusst, wie oft die Mannschaft inzwischen erfolglos blieb. «Sieben Spiele lang, das ist keine schöne Statistik.» In dieser Spielreihenfolge resultierten für den FCL zuletzt nur vier Punkte: St. Gallen (1:1), YB (1:2), Lausanne (0:0), YB (2:3), Zürich (1:1), St. Gallen (0:4) und Thun (0:0). Doch der 26-jährige Krienser ist ein Kämpfer, der mit Luzern schon Höhen und Tiefen erlebt hat, er lässt sich durch diese Serie nicht unterkriegen. «Wir können das Negative in einem Match ins Positive umwandeln. Gegen Servette haben wir die Riesenchance, mit einem Vollerfolg den Vorsprung auf acht Punkte auszubauen.» Luzern könnte sich mit dem fünften Saisonsieg im Direktduell gegen den Tabellenletzten von den grössten Abstiegssorgen befreien. «Wir waren in den letzten Spielen oft nahe dran. Gegen Servette finden wir zur Winnermentalität zurück», verspricht der laufstarke linke Aussenverteidiger.

«Jeder kämpft um seine Zukunft»

Lustenberger widerspricht Beobachtern, die behaupten, die Mannschaft sei statt einer Einheit eine Ansammlung von verschiedenen Gruppen. «Die Mannschaft ist intakt», sagt Lustenberger. Natürlich würde in dieser angespannten Situation das eine oder andere laute Wort untereinander fallen, «aber jeder weiss, um was es jetzt geht». Der Mann, der sich seit seiner Matura auf den Fussball fokussiert, spricht von Existenziellem: «Es geht um die Zukunft jedes Einzelnen im Spitzensport. Uns allen ist bekannt, dass wir nur zusammen erfolgreich sein können.»

Damit dieses Miteinander ausserhalb des Platzes gefördert wird, ordnete FCL-Trainer Ryszard Komornicki am Mittwochnachmittag ein Spezialtraining an, das unter der Leitung von Captain Lustenberger und anderen Führungsspielern durchgeführt wurde. Nach einem gemeinsamen Mittagessen spielten die Luzerner Profis Häuserkampf in der Paintball-Arena in Kriens. Ein Erlebnis, das offenbar für einige lustige Szenen gesorgt hat. «Wir mussten noch tags darauf in der Kabine lachen», erzählt Lustenberger. «Dieser Teamevent hat uns zusammengeschweisst, das gibt Kitt. Ein solcher Anlass passt auch, wenn es läuft. Das ist eine gute Sache, um den Kopf durchzulüften.»

Erst Geduld, dann Spass-Fussball

Entspannt und mit Spass haben die Luzerner denn auch gestern das Abschlusstraining bestritten. Erstmals in diesem Kalenderjahr durften sie in der Swissporarena trainieren. Es war eine Freude, den Profis zuzusehen. Entschlossen gingen sie ans Werk, die Zweikämpfe intensiv führend, Dribblings und Doppelpässe eine Augenweide, ganz zu schweigen von den präzisen Flanken und gelungenen Direktabnahmen. Das Innerschweizer Fussball-Aushängeschild, wie es sich die zahlreichen Anhänger wünschen. Die FCL-Legende Kudi Müller (64) schnalzte oben in der Blue Box mit der Zunge. Dort im Stadion, wo er heute rund um den Match 80 VIP-Gäste mit seinem Insiderwissen, zahlreichen Anekdoten und einer Prise Humor unterhält. «Es ist wichtig, dass unsere Fans den FCL in diesem wegweisenden Match unterstützen. Alle miteinander», appelliert der frühere Nationalspieler an den Zusammenhalt.

Ein Goalgetter, wie es einst Kudi Müller war, gibts in Luzerns aktuellem Team nicht. Trotzdem wissen auch Adrian Winter, Pajtim Kasami, Daniel Gygax, Jahmir Hyka, Alain Wiss und Co., wo das Servette-Tor steht. FCL-Trainer Komornicki setzt gegen Servette zuerst auf defensive Stabilität und Geduld. «Kopflos ins offene Messer laufen dürfen wir nicht», sagt der Pole. Defensiv müsse das Team gut arbeiten und vorne die Chancen nützen, «erst dann können wir Spass-Fussball zeigen».

Darauf hofft heute Abend die ganze Fussball-Innerschweiz.