Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FUSSBALL: FCL: Babbel und Rahmen müssen gehen – Seoane übernimmt

Ereignisreicher Tag beim FC Luzern: Zuerst werden Cheftrainer Markus Babbel und Assistent Patrick Rahmen, dann Medienchef Max Fischer per sofort freigestellt. Vorerst übernimmt U21-Coach Gerardo Seoane die Mannschaft.
Daniel Wyrsch
Angeschlagene Klubführung: FCL-CEO Marcel Kälin (links) und Präsident Philipp Studhalter an der Medienkonferenz. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 5. Januar 2018))

Angeschlagene Klubführung: FCL-CEO Marcel Kälin (links) und Präsident Philipp Studhalter an der Medienkonferenz. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 5. Januar 2018))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Zuerst die gute Nachricht: Der FC Luzern lebt. Obwohl in den letzten Tagen Exponenten des Vereins alles andere als nett miteinander umgegangen sind, gibt es doch Dinge, die für die Zukunft des gebeutelten Klubs positiv stimmen.

So war das Interesse an der Medienkonferenz vom Freitag enorm. Rund 50 Journalisten berichteten, es gab eine TV- und Internet-Liveübertragung. Letztmals war die Beachtung für den FCL derart gross, als Markus Babbel am 13. Oktober 2014 als neuer Trainer vorgestellt wurde. Dieser Markus Babbel hat sich nach seiner sofortigen Freistellung per Video an die Anhänger gewendet – und die Mitarbeiter des am Freitag ebenfalls freigestellten Medienchefs Max Fischer (61) hatten die Grösse, diese Botschaft auf die Klub-Homepage zu stellen. Der 45-jährige Babbel schwärmte von seiner «grandiosen Zeit», die nun nach über drei Jahren zu Ende gegangen ist. Er dankte den Fans für die grossartige Unterstützung, sprach dem Team, dem Verein und der lokalen Journaille seinen Dank für die Zusammenarbeit aus. «Ich habe Luzern als Tattoo auf meinem Arm, und den Klub werde ich immer in meinem Herzen tragen», sagte Babbel.

Abschied fällt Babbel und Rahmen nicht leicht

Auch wenn Babbel als hervorragender Redner und Verkäufer bekannt ist: Der Abschied aus Luzern fällt ihm nicht leicht. Das war schon beim alles auslösenden Interview am Mittwoch beim Trainingsstart aufgefallen. Völlig unerwartet hatte Babbel angekündigt, dass er nur noch den auslaufenden Vertrag bis Sommer erfülle, um dann auf ungewohnt emotionale Weise diverse nicht zu leugnende Missstände beim FCL anzuprangern. Auch Patrick Rahmen (48) tut sich nicht leicht damit, Luzern zu verlassen. Knapp zwei Jahre war der Basler Co-Trainer an der Seite von Babbel. Der FCL sei für ihn etwas Besonderes. Schon als Bub war er oft im alten Allmendstadion, als sein Vater Bruno Rahmen hier spielte und zwischen 1983 und 1985 Trainer war. Er selbst wäre gerne Chefcoach geworden. «Ich wäre bereit gewesen. Die Freistellung ist eine grosse Enttäuschung, aber das gehört dazu. Wir sind in dieser Saison selber in diese ungemütliche Situation gekommen», stellte Rahmen selbstkritisch fest. Für ihn spricht sicher, dass er sich immer loyal gegenüber Babbel und dem FCL verhalten hat.

Sportkoordinator Remo Meyer (36) erklärte, warum Rahmen ebenfalls gehen musste: «Für mich waren Babbel/Rahmen ein Trainerduo, sie haben zusammengehört. Wir wollen mit einem neuen Coach neues Feuer entfachen.» Meyer kritisierte Babbels Vorgehen. Er sei enttäuscht von ihm, auch weil er zuerst die Medien informiert habe.

Aus der Mannschaft äusserte sich Routinier Christian Schwegler (33) zur Entlassung des Trainers. Der Ettiswiler stellte ehrlich fest: «Die Schlammschlacht war zu gross.» Er sprach damit an, dass Babbel nach seiner Kritik am Klub die Retourkutsche vom 72-jährigen Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg in Form von Schlagzeilen im «Blick» («Babbel ist ein Birchermüesli-Trainer») und in «20 Minuten» («Ohne Babbel wird es nur besser») in äusserst deftiger Form erhalten hat. «Verhöhnt und gefeuert», titelten deutsche Online-Medien wie «T-online» zu dieser Art der Entlassung des Ex-Bayern-Profis und Europameisters von 1996.

Gerade wegen der erwähnten medialen Schlammschlacht kam gemäss Schwegler die Trainer-Freistellung wenig überraschend für die Mannschaft. «Trotzdem war es ein gewisser Schock. Wir stehen nun in der Verantwortung, zu tun gibt es für uns genug.»

Tatsächlich: Das nach 19 von 36 Runden mit 20 Punkten an vorletzter Position stehende Team muss in der Rückrunde den Abstieg verhindern. Der Vorsprung auf Schlusslicht Sion beträgt drei Punkte. Das nächste Spiel findet am 3. Februar zu Hause gegen Lausanne statt. Am Samstag übernimmt interimistisch U21-Trainer Gerardo Seoane die Mannschaft, um 10 und 15 Uhr ist Training.

Offen ist, warum Seoane offenbar das Angebot als Cheftrainer nicht angenommen hat. Gemunkelt wird, dass der 39-Jährige bis dato nur einen Vertrag bis Sommer angeboten bekam, er aber einen Kontrakt bis mindestens Mitte 2019 will. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, Meyer wollte sich dazu ebenfalls nicht äussern. Bis zum Beginn des Trainingslagers am 12. Januar soll feststehen, ob Seoane oder ein anderer Trainer den FCL in der Rückrunde führt.

CEO Kälin und der Vier- oder Fünf-Jahres-Plan

Auf dem Podium an der Medienkonferenz sassen neben Meyer auch Präsident Philipp Studhalter und CEO Marcel Kälin. Der Geschäftsführer bestätigte, dass er in 15 Monaten beim FCL noch keinen neuen Sponsor finden konnte. Er brauche mehr Zeit, einen Vier- oder Fünf-Jahres-Plan habe er beim Verwaltungsrat beantragt. Studhalter: «Die Stimmung auf der Geschäftsstelle ist nicht perfekt», aber wegen Kälin seien nicht zwölf Mitarbeiter gegangen. Und: «Der Verwaltungsrat steht hinter Marcel Kälin.»

Allerdings hatte Alpstaeg vor einigen Wochen auch noch gesagt, dass eine Entlassung von Babbel kein Thema sei. Jetzt ist der Bayer weg – und der FCL-Hauptaktionär macht gerade eine Analyse über das bisherige Schaffen des CEO Kälin.

So lief die Medienkonferenz:

Gerardo Seoane hat bisher das Luzerner U21-Team betreut. (Bild: Keystone (Sion, 6. April 2013))

Gerardo Seoane hat bisher das Luzerner U21-Team betreut. (Bild: Keystone (Sion, 6. April 2013))

Sie informierten an der Medienkonferenz: CEO Marcel Kälin, Präsident Philipp Studhalter und Sportchef Remo Meyer. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 5. Januar 2018))

Sie informierten an der Medienkonferenz: CEO Marcel Kälin, Präsident Philipp Studhalter und Sportchef Remo Meyer. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 5. Januar 2018))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.