FUSSBALL: FCL braucht neuen Verteidiger

Die Innenverteidigung war schon letzte Saison die grosse Schwachstelle des FC Luzern. Zuzug Kaja Rogulj spielt bisher solide, doch sein Partner François Affolter fällt gegen Sion negativ auf.

Jonas von Flüe
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Für dieses Foul an Sions Carlitos wird FCL-Verteidiger François Affolter (rechts) in der 23. Minute von Schiedsrichter Alain Bieri verwarnt. Später kommt er in einer ähnlichen Szene um die gelb-rote Karte herum. (Bild Philipp Schmidli)

Für dieses Foul an Sions Carlitos wird FCL-Verteidiger François Affolter (rechts) in der 23. Minute von Schiedsrichter Alain Bieri verwarnt. Später kommt er in einer ähnlichen Szene um die gelb-rote Karte herum. (Bild Philipp Schmidli)

Carlos Bernegger zuckt mit den Schultern und lächelt verlegen. Auf die Frage, wen er aufstellen würde, wenn sich einer der beiden Innenverteidiger in der Startformation des FC Luzern verletzen würde, kann oder will er nicht konkret antworten. Mit Ferid Matri steht nur noch ein gelernter Innenverteidiger im Kader der Luzerner – doch der 20-Jährige sass auch gestern beim 1:1 gegen Sion wie schon am Donnerstag gegen St. Johnstone (1:1) nur auf der Tribüne. In seinem ersten FCL-Jahr kam er nur zu zwei Einsätzen in der Super League.

Bernegger würde wohl Alain Wiss vom Mittelfeld in die Innenverteidigung beordern, wo der Littauer schon mehrmals ausgeholfen hat. Ein «ordentlicher Konkurrenzkampf im Team», wie ihn Sportchef Alex Frei gerne sehen würde, findet auf der Position des Innenverteidigers nicht statt. Ähnlich wie in der Vorrunde der letzten Saison, als Florian Stahel und Tomislav Puljic gesetzt, aber die Schwachstellen der Mannschaft waren.

Lustenberger lobt Neuling

Das Duo ist beim FCL Geschichte: Stahel spielt mittlerweile bei Vaduz, Puljic hat noch keinen neuen Klub gefunden. Mit Kaja Rogulj (28) wurde ein Mann verpflichtet, der in den ersten beiden Spielen solide agierte. «Kaja ist sehr sicher und strahlt Ruhe aus», lobt ihn Captain Claudio Lustenberger.

Doch Rogulj und sein Partner in der Innenverteidigung, François Affolter (23), brauchen noch Zeit, bis «die Automatismen so funktionieren, wie wir es gerne hätten», sagt Affolter, der im Winter als neuer Abwehrchef verpflichtet und mit einem Viereinhalbjahresvertrag ausgestattet wurde. Während Rogulj einen guten ersten Eindruck hinterlassen hat, fällt Affolter vor allem mit Aktionen auf, in denen er eine unglückliche Figur macht, in denen er zu spät kommt oder nicht nahe genug beim Gegner steht. Gegen St. Johnstone verlor er vor dem einzigen Treffer der Schotten den Zweikampf gegen Torschütze Steven MacLean. Gestern unterschätzte er in der ersten Hälfte eine Flanke, sodass Léo gefährlich zum Kopfball kam, und beging das entscheidende Foul an Carlitos, in dessen Folge das 1:1 vor der Pause fiel. Der Bieler hatte in dieser Szene gar noch Glück, dass Schiedsrichter Alain Bieri ihm nicht die zweite gelbe Karte zeigte und er den Platz nicht vorzeitig verlassen musste. «Der Schiedsrichter war schlau und hat das Spiel nicht unnötig kaputtgemacht», kommentiert er die Szene. Trainer Bernegger sagt: «Da ging François zu übermütig in den Zweikampf.»

Affolter übt Selbstkritik

Bereits nach dem Spiel gegen St. Johnstone wurde Kritik an Affolter laut, seit gestern sehen sich die Kritiker bestätigt. Affolter kontert sie mit Selbstkritik, sagt, dass er die Konzentration unbedingt über 90 Minuten hochhalten müsse. Geht ihm die Kritik nicht nahe? «Ich beurteile meine Leistungen selbst und lasse mir mein Selbstvertrauen nicht nehmen», antwortet er. Immerhin: Affolter steigerte sich in der zweiten Halbzeit. Er zeige den Willen, sich zu verbessern, und man unterstütze ihn, wo es nur gehe, sagt Carlos Bernegger.

Der FCL-Trainer weiss, dass die Situation unbefriedigend ist. Denn die bisherigen Spiele zeigen: Der FCL braucht einen weiteren Verteidiger – nur schon um den Konkurrenzkampf anzuheizen.

Sportchef Frei will sich zu einzelnen Personalien nicht äussern, sagt aber, dass er die Mannschaft verstärken werde, falls sich eine Option anbiete. Für die Stärkung der Innenverteidigung wäre ein weiterer Transfer bitter nötig.