FUSSBALL: «FCL-Defizit ist klar unter 2 Millionen»

Geld ist auch im FCL-Trainingslager in Marbella ein Thema: Viele Profis und Staff-Leute wissen, dass sie nur bei Erhalt der Liga bleiben können. Präsident Ruedi Stäger (57) erklärt die Situation.

Interview Daniel Wyrsch, Marbella
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«Im Sommer steht die nächste Kaderreduktion bevor», so der FCL-Präsident Ruedi Stäger. Hier links neben Sportchef Rolf Fringer während eines Trainings der 1. Mannschaft. (Bild: Keysteone)

«Im Sommer steht die nächste Kaderreduktion bevor», so der FCL-Präsident Ruedi Stäger. Hier links neben Sportchef Rolf Fringer während eines Trainings der 1. Mannschaft. (Bild: Keysteone)

Ruedi Stäger, Sie sind seit einigen Tagen nahe bei der Mannschaft, bei den Trainern und dem Staff. Was haben Sie im Camp beobachtet?

Ruedi Stäger: Das ganze Team ist näher zusammengerückt. Die Stimmung ist gut. Der Ernst der Lage ist allen bewusst. Es wird sehr intensiv gearbeitet, die Bedingungen auf den Plätzen und hier im Hotel sind gut, das Wetter spielt mit.

Letztes Jahr waren Sie am gleichen Ort, der FCL war Zweiter. Alle inklusive der mitgereisten Journalisten liessen sich durch den Fleiss und die Stimmung einlullen. Dann kam dieser völlig misslungene Rückrundenstart.

Stäger: Die Erwartungen müssen wir heuer anders aufbauen, schliesslich sind wir Letzter. Tatsächlich war der Start gegen GC (1:3-Heimniederlage; Anm. der Red.) vor Jahresfrist eine enorme Enttäuschung, nachdem wir hier gegen Steaua Bukarest noch so gut dagegenhielten und 1:0 siegten. Die Ausgangslage am 7. Februar zu Hause gegen YB wird eine andere sein: Wir haben andere Trainer, körperlich und mental werden wir parat sein. Eine solche Darbietung zum Start sollte uns nicht mehr widerfahren.

Beim FC Luzern ist seit der Trennung von Sportchef Alex Frei viel passiert. Sie und die Investoren Walter Stierli und Josef Burri fanden bald in der Person von Rolf Fringer einen Nachfolger. Der neue Sportchef hat Co-Trainer Roland Vrabec sowie die Rückkehrer Tomislav Puljic und Cristian Ianu ebenfalls schnell geholt.

Stäger: Für Rolf Fringer hat die erste Mannschaft im Moment Priorität. Er hat die Sache zielstrebig angepackt und mit Roland Vrabec als Assistenztrainer ein wohlüberlegtes Zeichen gesetzt. Er ist der Vertrauensmann von Cheftrainer Markus Babbel. Mit Ianu und Puljic hat der Sportchef zwei Ex-Spieler geholt, die Akzente setzen und einen Ruck im Team auslösen.

Andererseits muss das Kader reduziert werden. Claudio Holenstein, der nach Wohlen ausgeliehen wurde, und Andrés Lamas, der nach Ecuador zurückkehrte zu Barcelona Guayaquil, sind nur die Ersten.

Stäger: Das ist so. Im Sommer, wenn wir hoffentlich den Klassenerhalt geschafft haben, steht die nächste Kaderreduktion bevor. Wir möchten dann auf 18 Profis und 4 Spieler aus dem eigenen Nachwuchs setzen. Unsere eigenen Jungen müssen bessere Chancen erhalten, um in der Super League Fuss zu fassen.

Immer wieder hörte man beim FCL in der Vorrunde, das Team werde sich im Frühling dann schon durchsetzen. Hat sich diese Einstellung seit dem Engagement von Fringer verändert?

Stäger: Rolf Fringer tut uns sicher gut, er redet hier im Trainingslager mit jedem Spieler, sagt den Profis klar, welche Verantwortung sie für den Verein tragen. Er unterstützt damit den Coach. Ich bleibe bei meiner Meinung: Diese Mannschaft kann mehr, der Siegeswille muss stimmen.

Es kursieren immer wieder hohe Verlustzahlen rund um den FCL. Können Sie uns schon eine Prognose machen, wie das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2014 aussehen wird?

Stäger: Aufgrund des sportlichen Misserfolgs werden die Ergebnisse in allen Budgetpositionen unter den Erwartungen liegen; das betrifft die Ticketeinnahmen, die verkaufte Werbung und die Belegung im Hospitality-Bereich. Aufgrund der neuen Situation bei der Stiftung Fussballakademie Zentralschweiz haben wir ausserordentliche Gelder und Zuwendungen erhalten. Diese decken einen Teil unserer Kosten im Nachwuchsbereich. Wir sprechen hier von deutlich über 2 Millionen Franken, die wir jährlich für unsere Juniorenabteilung refinanzieren müssen. Durch die erwähnten Zuwendungen von Geldgebern, die lieber den Nachwuchs als die Profis unterstützen, gibt es eine spürbare Entlastung des Gesamtergebnisses.

Wie hoch wird das Defizit trotzdem noch sein?

Stäger: Das Ergebnis ist und bleibt um einiges schlechter als budgetiert, aber es wird immerhin deutlich unter 2 Millionen Franken sein. Ausserdem mussten wir für Ex-Trainer Carlos Bernegger bereits Ausgaben für die nächsten 1,5 Jahre verbuchen, falls er bis Vertragsende keine neue Stelle findet. Doch Carlos will sich möglichst bald wieder beweisen und sobald er bei einem neuen Verein unter Vertrag steht, wird aus diesen Lohnausgaben ein ausserordentlicher Ertrag.

Wie sieht es für den Erhalt der neuen Spiellizenz für die nächste Saison aus?

Stäger: Wir haben bis Ende Februar Zeit, unser Lizenzgesuch vorzubereiten. Anfang März muss es bei der Swiss Football League sein. Ich bin zuversichtlich. Dank mehreren Investoren, die solidarisch sind und zum FCL stehen, haben wir nach wie vor eine gute Ausgangslage. Aber selbstverständlich müssen wir früher oder später sportlich genügend erfolgreich sein, um schwarze Zahlen zu schreiben.

Für den Fall der Fälle: Müssen Sie auch eine Lizenz für die Challenge League beantragen?

Stäger: Das ist pro forma nötig, doch wir wollen von einer Lizenz ausserhalb der Super League keinen Gebrauch machen.

Ehrenpräsident Walter Stierli kündigte im Herbst an, dass er sich per Ende 2014 aus der Holding zurückziehen wolle. Wie ist der Stand der Dinge?

Stäger: Ich kann dazu nichts sagen.

Wirklich nichts? Keine Tendenz?

Stäger: (schmunzelt) Nein, Luzern ist weit mehr als 1000 km von hier entfernt.