FUSSBALL: FCL droht Schneuwly mit Tribünenplatz

Für den Tabellendritten Luzern wäre derzeit alles wunderbar, wenn da nicht Sions Angebot für Marco Schneuwly wäre. Darum zeigt man sich beim FCL aufgeregt.

Daniel Wyrsch
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In der abgelaufenen Saison sangen sie beim FCL noch ein Hohelied auf den klubintern besten Torjäger, nun geht er wenig später wegen eines Angebots von Sion durch schwere Zeiten in Luzern: Marco Schneuwly. (Bild Martin Meienberger)

In der abgelaufenen Saison sangen sie beim FCL noch ein Hohelied auf den klubintern besten Torjäger, nun geht er wenig später wegen eines Angebots von Sion durch schwere Zeiten in Luzern: Marco Schneuwly. (Bild Martin Meienberger)

Daniel Wyrsch

Luzerns Sportchef Rolf Fringer sieht rot, wenn er auf das Transfergebaren von Sion-Präsident Christian Constantin angesprochen wird. Vor allem, wenn es um den FCL-Stürmer Marco Schneuwly (30) geht. Nach dem Meisterschaftsspiel am Samstag in Lugano war es für Fringer Zeit, die nächste Breitseite abzufeuern. Doch wetterte der gebürtige Adliswiler für einmal nicht gegen seinen Intimfeind Constantin. Fringer erklärte nicht nur, warum Schneuwly zu sehr an sich und das Geld denke und deshalb kein Wettkampfglück mehr habe, sondern drohte gar seinem letztjährigen Topskorer (17 Tore, 8 Assists): «Wenn sich einer aus dem Vertrag jammert und für ein Butterbrot weg will, dann bin ich eher dafür, dass er auf die Tribüne verbannt wird.» Diese brisante Aussage machte Fringer im Interview mit «Teleclub». Um seinen Worten noch mehr Gewicht zu geben, ergänzte er, dass die Leute im Verwaltungsrat auch seiner Meinung seien.

Unsere Zeitung konfrontierte Fringer nach Spielschluss mit den Aussagen. Er bestätigte, Schneuwly nicht zu einem Spottpreis nach Sion ziehen zu lassen. «Eher setzen wir ihn auf die Tribüne, dann kann er den Vertrag aussitzen.»

Gemeinsame FCL-Strategie

Wir fragten bei Holding-Präsident Philipp Studhalter nach, ob er als Vertreter des mächtigen FCL-Hauptaktionärs Bernhard Alpstaeg diese resolute Vorgehensweise des Sportchefs tatsächlich unterstützen würde. Studhalter verwies auf die Zuständigkeit des geschäftsführenden FCL-Präsidenten Ruedi Stäger. Dieser gab die Bestätigung für eine gemeinsame Vorgehensweise mit den Klubbesitzern aus dem Verwaltungsrat: «Wir haben eine klare Strategie und ein gemeinsames Vorgehen im Fall Marco Schneuwly/FC Sion.»

Offiziell hat Constantin bis dato noch immer nicht mehr als 500 000 Franken für den erfolgreichsten FCL-Torschützen der letzten Saison geboten, obwohl Schneuwly in Luzern einen gültigen Vertrag bis Sommer 2017 hat. Demgegenüber steht die Offerte an den Stürmer, für einen hoch dotierten Sechsjahresvertrag zu Sion zu wechseln. Stäger erklärt, wie er die Sachlage aus seiner Optik sieht: «Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass Christian Constantin eine bessere Offerte bringt.» Für Stäger sei das Thema erst erledigt, «wenn sich Marco Schneuwly zu uns bekennt oder das Angebot von Sion stimmt». Stimmt das Finanzielle (mindestens 1 Million Franken), dann könnte der Freiburger ins Wallis ziehen.

Doch Stäger gibt zu spüren, dass es ihm viel lieber wäre, wenn Schneuwly im FCL-Dress zu alter Stärke zurückfinden würde. «Ich hoffe, dass Marco den Knopf auftut und seine Leistungen wieder bringt», sagt der Präsident.

Ähnlich tönt es aus dem Mund von Trainer Markus Babbel: «Solche Spieler wie Marco Schneuwly findet man nicht schnell.» Auf die Frage, ob die Drohung mit dem Tribünenplatz für ihn als Trainer eine schwierige Situation sei, zwischen dem Sportchef und dem Profi zu stehen, antwortet Babbel: «Das ist eine Sache zwischen Verein und Spieler, für mich ist Marco nach wie vor mein Spieler.» Wiederholt stellt sich der Cheftrainer hinter Schneuwly: «Marco kann ich weder im Training noch im Gespräch etwas vorwerfen. Er ist fleissig, versucht die Vorgaben zu 100 Prozent umzusetzen und verhält sich in der Gruppe sehr gut. Da gibts nichts einzuwenden.» Babbel stellte allerdings letzte Woche fest, dass Schneuwly im Spiel den Kopf nicht frei habe. Der Coach zeigt zudem Verständnis für das Vorgehen des Klubs. «Das Angebot aus Sion muss stimmen, es kann nicht sein, dass Marco gehen kann und wir in die Röhre schauen.»

Berbatovs Entschluss entscheidend

Doch vielleicht hat Sion das Interesse an Schneuwly schon verloren. Bekanntlich machte Constantin dem bulgarischen Altstar Dimitar Berbatov (34) Sion schmackhaft und hofft nun auf die Zusage und dessen Verpflichtung vor dem Schliessen des internationalen Transferfensters heute um 18 Uhr.

Klar ist: Geht Berbatov ins Wallis, bleibt Schneuwly in der Innerschweiz.

Babbel: «Die verbesserte Physis tut Lezcano gut»

dw. Die FCL-Profis haben nach dem dritten Saisonsieg zwei Tage frei bekommen. Erholung war nach dem 1:0 in Lugano angebracht. Tomislav Puljic (32), der in diesem Match Captain war, sagt: «Es war extrem heiss, sehr hart, um Fussball zu spielen.» Trainer Markus Babbel (im Bild) musste erneut feststellen, dass seine Mannschaft grosse Mühe mit der Hitze hat. Zu Beginn der 14-tägigen Länderspielpause erklärt er, wieso Torschützenleader Dario Lezcano so aufgeblüht ist.

Markus Babbel, der FCL hat in den ersten sieben Runden von den sieben Toren Dario Lezcanos gelebt. Was haben Sie mit dem Paraguayer gemacht, dass er seit Ende April in 14 Ligaspielen 13 Treffer erzielt hat?
Markus Babbel:
Mir ist sofort aufgefallen, dass er unglaublich viel Qualität hat. Wie andere im Team ist er aber nicht 100-prozentig fit gewesen. Gerade für einen wie Dario, der einen enormen Aufwand betreibt und viel nach hinten arbeitet, war das ein grosser Nachteil. So fehlte ihm die Konzentration für einen sauberen Abschluss. Die verbesserte Physis tut ihm extrem gut, und mit den Erfolgserlebnissen hat er Selbstvertrauen getankt. Mittlerweile besitzt er die Leichtigkeit, um die Chancen zu verwerten.

Nach dem nicht unbedingt verdienten 1:0-Sieg gegen ein phasenweise entfesselt angreifendes Lugano stellt sich die Frage: War Luzern schlecht oder lag es am Gegner, der bis vor das gegnerische Tor stark aufspielte?
Babbel:
Die Luganesi spielten schon sehr gut, weil wir nicht alles richtig machten. Dabei hatten wir die Spieler akribisch auf den Gegner eingestellt, ihnen erklärt, dass sie die Pässe in die Tiefe unterbinden müssen. Das schafften wir nicht, hatten aber das Quäntchen Glück auf unserer Seite und blieben vor Gegentoren verschont.

Lag es an der Hitze oder am Platz?
Babbel: Mit den Platzverhältnissen hat es nichts zu tun gehabt, das Terrain war bespielbar. Ich will es nicht als Ausrede benutzen, aber es ist auffallend, wie wir in der Hitze grosse Probleme haben. Schon vor dem Spiel gab es bei uns Leute, die Kopfschmerzen hatten. Als Trainer versucht man, die Spieler zu pushen. Trotz aller Schwierigkeiten haben sie erfolgreich dagegengehalten. Wenn alle zwei, drei Schritte mehr machen, dann läuft es der ganzen Mannschaft spürbar besser.

In der ersten halben Stunde der zweiten Halbzeit gelang dies dem Team, warum nicht bis zum Schluss?
Babbel:
Wir sind wieder in die Situation gekommen, wo wir nicht agiert, sondern nur noch reagiert haben.

Was wollen Sie nun in der Länderspielpause verbessern?
Babbel:
Wir müssen an der Trainingsintensität dranbleiben. Nach zwei freien Tagen geht es am Dienstag wieder los. Das Gros der Mannschaft ist hier, wir können zwei Wochen sehr gut arbeiten.

Am nächsten Freitag um 17.30 Uhr bestreitet der FCL in Sursee ein Testspiel gegen Kaiserslautern aus der 2. Bundesliga. Nicht dabei ist Neuling Migjen Basha, der mit Albaniens Nationalteam in der EM-Qualifikation spielt. Schade, weil ihm doch noch etwas die Spielpraxis mit Luzern fehlt.
Babbel:
Klar fehlt ihm etwas der Rhythmus, immerhin brachte er Ruhe in unser Spiel – und Gott sei Dank hat Migjen einen längerfristigen Vertrag bei uns. Ich bin froh, haben wir so einen erfahrenen Spieler im Verein. Migjen Basha erhöht den Konkurrenzkampf, das ist wichtig.

Für die Talente Nicolas Haas und João Oliveira wird es aber schwierig.
Babbel:
Grundsätzlich gilt, dass wir jetzt nicht mit blindem Aktionismus auf die Jungen setzen können. Sie müssen sich auch dem Konkurrenzkampf stellen und lernen, damit umzugehen. Es ist ein Prozess, dass sie sich festbeissen können.

Hekuran Kryeziu und Jakob Jantscher sind nach vier Verwarnungen am Sonntag in einer Woche gegen GC gesperrt. Wird es so schwer gegen die zweitplatzierten Zürcher?
Babbel:
Weil es zwei wichtige Spieler sind, ist es nicht ideal. Leider haben sie schon nach wenigen Spielen Sperren, das ist vor allem beim Offensivspieler verwunderlich, aber es beweist die Aggressivität von Jakob Jantscher. Ausfälle und Sperren gehören dazu, weil wir ein grosses Kader haben, ist es eine Chance für andere. Mit GC kommt ein guter Gegner, wir sind gewarnt und müssen bereit sein.

Im Gegensatz zur Auswärtsbilanz mit zehn Punkten aus vier Spielen sind die Zahlen zu Hause mit nur einem Zähler aus drei Partien ernüchternd. Stört Sie das?
Babbel:
Es ist mir extrem wichtig, dass wir zu Hause mit unserem tollen Publikum im Rücken guten und erfolgreichen Fussball zeigen können.