FUSSBALL: FCL hat einen «Schleifer» mit Charme

Christian Schmidt (42) ist beim FC Luzern der heimliche Star. Fordernd wie der Cheftrainer lässt er die Spieler laufen und erhält viel Lob. Speziell vom Sportchef.

Daniel Wyrsch, Marbella
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Konditionstrainer Christian Schmidt (Bildmitte) überwacht auch auf dem Trainingsplatz in Marbella, ob die Spieler die Übungen richtig ausführen. (Bild Martin Meienberger)

Konditionstrainer Christian Schmidt (Bildmitte) überwacht auch auf dem Trainingsplatz in Marbella, ob die Spieler die Übungen richtig ausführen. (Bild Martin Meienberger)

Bevor FCL-Sportdirektor Alex Frei (34) am Donnerstag aus privaten Gründen das Trainingslager in Marbella verliess und nach Hause reiste, hatte er den Konditionstrainer in den höchsten Tönen gelobt. «Christian Schmidt wie Assistenztrainer Thomas Wyss sind unsere wichtigsten Transfers dieser Saison.» Selbstverständlich freut sich der 42-jährige Franzose Schmidt über diese grosse Wertschätzung seines Chefs. Doch Schmidt ist ein im wahrsten Sinn des Wortes bodenständiger Mensch. Wie ein emsiger Bauer, der über sein Feld schreitet, stampft er in Marbella über den Platz zu den Spielern, zeigt ihnen Übungen vor und verlangt alles von ihnen ab.

Grosse Worte will er nicht verlieren. «Mit Journalisten spricht er nicht gerne», lässt er via Medienchef René Baumann ausrichten. Für den grossen, kräftigen Mann aus Korsika zählt die Arbeit mit den Sportlern.

Kein einziger muskulär Verletzter

Frei hat Schmidt während seiner dreieinhalb Profijahre bei Stade Rennes kennen gelernt. Damals machte der früher ebenfalls für Nice, Monaco und das tunesische Nationalteam tätige Konditionstrainer den Schweizer Goalgetter fit. Heute werden die Luzerner Fussballer auf Vordermann getrimmt – und diese sind begeistert vom «Schleifer». «Seit seiner Ankunft im Sommer macht Christian einen ausgezeichneten Job hier. Er stellt für jeden Spieler individuelle Trainingspläne zusammen», sagt Alain Wiss (23). Der Mittelfeldspieler weist darauf hin, dass ausser dem gestern heimgereisten Dimitar Rangelov (30) alle Kaderspieler fit sind. Doch beim bulgarischen Nationalstürmer handelt es sich nicht um eine muskuläre Verletzung, sondern um einen Meniskusanriss.

Wiss ist nur einer der zahlreichen Spieler, die Schmidt über den grünen Klee lobt. Verteidiger Tomislav Puljic (30): «Er weiss, was er tut. Ich fühle mich sehr gut vorbereitet.» Rangelov sagte im Herbst, er habe sein gute Form in der Hinrunde zu einem beachtlichen Teil dem Konditionstrainer zu verdanken. Die Lektionen von Schmidt seien anstrengend, meint Vize-Captain Wiss, «aber wir sind in der Rückrunde natürlich froh, wenn wir 90 Minuten durchmarschieren können».

Für Assistenztrainer Thomas Wyss (47) ist klar, weshalb Schmidt bei den Spielern derart gut ankommt: «Er ist einerseits ein harter Hund, der sein Programm voll durchzieht. Auf der anderen Seite besitzt er einen französischen Charme und ist jung geblieben.»

Wyss spricht von Welten zwischen der Arbeitsweise des Konditionstrainers und den Fitmachern aus seiner Aktivzeit. «Christian ist in diesem Beruf seit 15 Jahren international tätig, er macht das auf eine präzise, wissenschaftliche Weise. Dafür hätte er einen Doktortitel verdient.»

Alle Kaderspieler im Auge

Er habe nicht nur die ersten elf Spieler genau im Auge, sondern alle Profis im Kader. «Sein oberstes Ziel ist, alle fit zu machen und gesund zu behalten sowie Verletzte richtig aufzubauen.» Zudem passe Schmidt sehr gut in den Trainer­staff. «Er stellt sich in den Dienst von Carlos Bernegger, harmoniert mit ihm, Goalietrainer Daniel Böbner und mir.»

Der FCL profitiert nicht zuletzt von einem homogenen Trainerquartett, das aus zielorientierten Persönlichkeiten besteht. Neben dem impulsiven Cheftrainer Bernegger ist Schmidt die auffälligste Figur. Ohne zu übertreiben ist er ein heimlicher Star dieser bis anhin so erfolgreichen Luzerner Mannschaft. Einer, der wohltuenderweise nicht das Rampenlicht sucht.