FUSSBALL: FCL ist Neumayrs letzte Chance

Markus Neumayr (29) startete seine Karriere bei Manchester United. Heute ist der Mittelfeldspieler froh, dass er aus Vaduz zum FC Luzern wechseln kann.

Daniel Wyrsch
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Markus Neumayr (Bild: Keystone)

Markus Neumayr (Bild: Keystone)

Daniel Wyrsch

Markus Neumayr (29) wechselt per sofort zum FC Luzern. Darüber sind sich sein bisheriger Klub, der FC Vaduz, und der FCL einig. Der zentrale Mittelfeldspieler mit der schrillen Frisur und den vielen Tätowierungen wird am Freitag in Luzern zum medizinischen Test erwartet. Anschliessend soll er den Vertrag mit dem FCL unterschreiben.Voraussichtlich wird Neumayr aus dem Trainingslager der Liechtensteiner im südtürkischen Belek direkt in die Innerschweiz reisen. Vaduz-Trainer Giorgio Contini bestätigte gestern Abend gegenüber dem Liechtensteiner Radio L: «Reisende soll man nicht aufhalten. Wir hatten eine gute Zeit mit Markus Neumayr. Er hat das Gefühl, nun den nächsten Schritt machen zu müssen.»

Wie im Fall von Christian Schneuwly (siehe Interview unten) versuchten die Luzerner Neumayr bereits im vergangenen Jahr zu verpflichten. Statt zum Saisonstart kommt der Deutsche nun erst Mitte der Saison zum FCL. Weil sein Vertrag mit Vaduz nur noch ein halbes Jahr gelaufen wäre, beträgt die Ablösesumme lediglich um die 100 000 Franken. Derzeit besitzt der Spieler einen geschätzten Marktwert von 800 000 Franken.

Sebastian Schachten trifft zum 2:1 im Testspiel gegen Dynamo Kiev. (Bild: Martin Meienberger)
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Jahmir Hyka wird von Aleksandar Dragovic gefoult. (Bild: Martin Meienberger)
Sebastian Schachten im Testspiel in Marbella. (Bild: Martin Meienberger)
Jahmir Hyka im Zweikampf. (Bild: Martin Meienberger)
Christian Schneuwly gegen Vitali Buyalskii. (Bild: Martin Meienberger)
Serhiy Rybalka gegen Francois Affolter. (Bild: Martin Meienberger)
Jakob Jantscher während des Testspiels. (Bild: Martin Meienberger)
Francois Affolter in action. (Bild: Martin Meienberger)
Sie haben beim Fussballtennis am Dienstag gesiegt (von links): Hekuran Kryeziu, Marco Schneuwly, Joao Pedro Abreu de Oliveira, Samed Yesil, Luka Sliskovic. (Bild: Martin Meienberger)
Die Spieler holen die Tore auf den Platz. (Bild: Martin Meienberger)
Sie betreuen den FC Luzern in Medizinfragen (von links): Sportphysiotherapeut Eric Schoenfeld, Teamarzt Siegfried Reichenbach und die Sportphysiotherapeuten Paul Menalda und Michael Gut. (Bild: Martin Meienberger)
Sebastian Schachten posiert mit einem Fan. Die junge Frau ist extra angereist. (Bild: Martin Meienberger)
Am Dienstag stand Fussballtennis auf dem Trainingsplan des FCL. (Bild: Martin Meienberger)
Torhüter Simon Enzler und Torhütertrainer Daniel Böbner. (Bild: Martin Meienberger)
Olivier Kleiner, Migjen Basha und Kaja Rogulj sprinten gegen das elastische Band an. (Bild: Martin Meienberger)
Francois Jacques Affolter. (Bild: Martin Meienberger)
Nicolas Haas. (Bild: Martin Meienberger)
Konditionstrainer Norbert Fischer und Sportphysiotherapeut Paul Menalda. (Bild: Martin Meienberger)
Christian Schneuwly bei seinem ersten Einsatz im FCL-Trikot. (Bild: Martin Meienberger)
Jerome Thiesson, Luka Sliskovic, Christian Schneuwly und Torschütze Clemens Fandrich bejubeln den Treffer gegen den SC Freiburg. (Bild: Martin Meienberger)
Yannick Schmid im Testspiel gegen Freiburg. (Bild: Martin Meienberger)
Hekuran Kryeziu gegen Caleb Stanko (Freiburg). (Bild: Martin Meienberger)
Christian Schneuwly im ersten Training mit dem FC Luzern. (Bild: Martin Meienberger)
Christian Schneuwly und Assistenztrainer Roland Vrabec. (Bild: Martin Meienberger)
Konditionstrainer Christian Schmidt und Claudio Lustenberger. (Bild: Martin Meienberger)
Sally Sarr hat sichtlich Spass in Marbella. (Bild: Martin Meienberger)
Gemeinsam für den FCL: die Schneuwly-Brüder Christian (links) und Marco am 17. Januar in Marbella. (Bild: Martin Meienberger)
Marco Schneuwly (Luzern) gegen George Davies (Fürth). (Bild: Martin Meienberger)
Claudio Lustenberger (Luzern) gegen Tim Bodenroeder (Fürth). (Bild: Martin Meienberger)
Migjen Basha (Luzern) gegen Sebastian Freis (Fürth). (Bild: Martin Meienberger)
Marco Schneuwly (Luzern) trifft zum 1:0. (Bild: Martin Meienberger)
Stefan Maderer (mitte, Fürth) wird von Marco Schneuwly (rechts, Luzern) an den Hosen gepackt. (Bild: Martin Meienberger)
Das Testspiel - FC Luzern - Greuther Fürth am Samstag: Marco Caligiuri (Fürth) gegen Nicolas Haas (rechts, Luzern). (Bild: Martin Meienberger)
Torhüter Lorenzo Bucchi fängt den Ball. (Bild: Martin Meienberger)
Samed Yesil jongliert den Ball. (Bild: Martin Meienberger)
Torhüter David Zibung beim Training. (Bild: Martin Meienberger)
Assistenztrainer Roland Vrabec (rechts) spricht zu den Spielern. (Bild: Martin Meienberger)
Laufen gehört dazu: Remo Freuler (v. links), Frane Cirjak, Francois Jacques Affolter und Sebastian Schachten. (Bild: Martin Meienberger)
Auf den Ball fokussiert: Remo Freuler. (Bild: Martin Meienberger)
1. Trainingseinheit am Freitag nach der Ankunft in Marbella: Cheftrainer Markus Babbel spricht zur Mannschaft. (Bild: Martin Meienberger)
Mit Spass bei der Arbeit: Konditionstrainer Norbert Fischer. (Bild: Martin Meienberger)
Spass nach dem Training: Yannick Schmid, Nico Brandenburger und Sally Sarr (von links). (Bild: Martin Meienberger)
Ankunft im Gran Hotel Guadalpin in Banus / Marbella. Mit dabei ist auch FCL-Spieler Remo Freuler. (Bild: Martin Meienberger)
Präsident Ruedi Stäger (rechts) und Cheftrainer Markus Babbel unterhalten sich in der Lobby des Trainingshotels in Marbella. (Bild: Martin Meienberger)
Gut gelaunt am Flughafen von Malaga (von links): Samed Yesil, Remo Arnold, Jahmir Hyka, Luka Sliskovic, Hekuran Kryeziu, Nico Brandenburger (Bild: Martin Meienberger)
Auch sie checken in Zürich ein: Yannick Schmid, Claudio Lustenberger und Clemens Fandrich (von links). (Bild: Martin Meienberger)

Sebastian Schachten trifft zum 2:1 im Testspiel gegen Dynamo Kiev. (Bild: Martin Meienberger)

Mit Weltstar Piqué befreundet

Neumayr gehörte in der frühen Jugend zu den hoffnungsvollsten deutschen Fussballern. Der junge Mann aus Hösbach im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg in Bayern wechselte im zarten Alter von 16 Jahren zu seinem Lieblingsklub Manchester United. Schon früh verletzt, trainierte er später mit Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo und Gerard Piqué. Mit dem heutigen Barcelona-Star Piqué lebte Neumayr bei einer englischen Gastfamilie. Die Freundschaft mit dem Ehemann der Sängerin Shakira hält bis heute. Piqué ist der Götti von Neumayrs sechsjähriger Tochter.

Doch trotz der tollen Beziehungen zum spanischen Welt-, Europameister und Champions-League-Sieger hat Neumayr die ungemein hohen Erwartungen nicht erfüllen können. Statt in die übergrossen Fussstapfen von David Beckham zu treten, brachte er es bei ManU bloss zum Captain der Reserven.

In die 4. Liga gefallen

Nach drei Jahren bei den Red Devils legte Sir Alex Ferguson dem knapp 20-Jährigen einen Wechsel nahe. Statt im Theater der Träume, wie das Old Trafford in Manchester auch genannt wird, landete er in der ungeschminkten Realität des Ruhrpotts. Doch in Duisburg waren die Erwartungen immer noch zu gross. Es folgte ein Zwischenstopp beim belgischen Klub Zulte-Waregem und schliesslich der Fall in die Niederungen der 4. Liga Deutschlands zu Rot-Weiss Essen. Nach einem Gastspiel bei Wacker Burghausen, wo er mit Promi-Trainer Mario Basler nicht klar kam, folgte 2011 der Wechsel in die Schweiz zum FC Thun. Von dort aus ging es weiter nach Bellinzona. Im Tessin erlebte er den Konkurs der AC Bellinzona hautnah mit.

Der Übertritt zum FC Vaduz vor zweieinhalb Jahren rettete Neumayrs Karriere. Die Liechtensteiner boten ihm endlich das, was er braucht: Zeit und Ruhe, um zu gedeihen. Unter Trainer Contini schaffte er mit Vaduz auf Anhieb den Aufstieg in die Super League und ein Jahr später den Ligaerhalt. Der Offensivmann hat für Vaduz in 46 Spielen der Super League 7 Tore geschossen und 13 Assists gegeben. Neumayr war der Spielmacher und das Herz der Liechtensteiner. Sein Weggang ist ein schwerer Verlust für das Schlusslicht.

Manchester hinter sich gelassen

Neumayr wird am 26. März 30 Jahre alt. Luzern ist seine letzte Chance, bei einem ambitionierten Klub erfolgreich zu sein und vielleicht sogar Titel zu feiern. Der FCL ist Vierter und hat am 2. März im Cup-Halbfinal zu Hause gegen Lugano die Chance, in den Cupfinal einzuziehen.

Aus Neumayr ist im Verlauf seiner Karriere ein Realist geworden. Manchester hat er längst hinter sich gelassen. «Ich baue keine Luftschlösser mehr», hat er kürzlich der «Aargauer Zeitung» gesagt.

Das heisst aber nicht, dass er keinen Hunger mehr auf grosse Siege hat.

Abgänge

Dario Lezcano (25, Ingolstadt/De).

Remo Freuler (23, Atalanta Bergamo/It).

Zuzüge

Christian Schneuwly (27, Zürich).

Markus Neumayr (29, Vaduz).

«Mein Bruder erleichtert mir die Integration»

Christian Schneuwly (27) und sein Bruder Marco Schneuwly (30) sind seit Sonntag wieder im gleichen Klub tätig. Nach YB und Thun ist der FCL ihr dritter gemeinsamer Arbeitgeber in der Super League.

Christian Schneuwly, der Einstand im 1:1 ausgegangenen Testspiel gegen den SC Freiburg ist Ihnen mit einem Assist gelungen. Wie geht es Ihnen in Marbella?
Christian Schneuwly:
Danke, bestens. Es ist mir sofort ganz gut gelaufen. Ich reiste am letzten Sonntag an, am Montagmorgen trainierte ich erstmals mit der Mannschaft und am Nachmittag durfte ich bereits eine Halbzeit im Testmatch bestreiten. Mit einer Torvorlage anzufangen, ist natürlich cool.

Sie sind seit ein paar Tagen bei der Mannschaft, haben erste Eindrücke von den Mitspielern und vom Staff bekommen. Wie wird im FCL-Trainingslager gearbeitet?
Schneuwly:
Alles ist sehr positiv. Die Stimmung ist bestens, der Staff arbeitet gut. Die meisten Spieler habe ich aus der Super League schon gekannt. Da man in der Super League viermal pro Saison gegeneinander spielt, ist das Verhältnis unter den Profis enger als in anderen Ligen. Jetzt lerne ich die einzelnen FCL-Spieler noch persönlicher kennen. Mein Bruder Marco erleichtert mir die Integration zusätzlich.

Schon vor etwas mehr als einem Jahr, als Sie noch für Thun spielten, hatten Sie ein Angebot von Luzern. Warum zogen Sie damals den FC Zürich vor?
Schneuwly:
Das war eine schwierige Si-tuation. Luzern war damals Tabellenletzter, Zürich stand auf Platz 2. Ich machte es mir nicht leicht, entschied mich schliesslich für den FCZ. Es war ein gutes Jahr für mich in Zürich, ich konnte neue Erfahrungen sammeln. Jetzt bin ich froh, dass ich zum FCL gewechselt habe.

Sie haben beim FCL einen Vertrag bis 2018 erhalten. War Ihr Bruder Marco der wichtigste Faktor für den Wechsel?
Schneuwly:
Ausschlaggebend waren für mich mein Bruder und das sehr gut funktionierende Team. Ausserdem hatte ich beim neuen Zürich-Trainer (Sami Hyypiä; Anmerkung der Redaktion) nicht mehr so viele Einsätze wie unter dessen Vorgänger Urs Meier.

Sie sind als Ersatz für Remo Freuler gekommen. Freuler spielt neu für Atalanta Bergamo und war ein Führungsspieler in Luzern. Ist das ein schweres Erbe für Sie?
Schneuwly:
Ich will mich nicht mit Remo Freuler vergleichen. Er ist ein junger Spieler, ich bin erfahrener. Wir befinden uns in unterschiedlichen Situationen der Karriere. Ich habe viele Spiele von Luzern gesehen, Remo hat wirklich sehr gut gespielt. Ich muss auf dem Platz beweisen, dass mein Zuzug für den FCL richtig war.

In einem Fernsehporträt von Tele 1 aus Marbella bezeichneten Sie den neuen Arbeitgeber als bodenständig und ehrlich. Hand aufs Herz, haben Sie dabei wirklich den immer wieder von internen Machtkämpfen erschütterten FCL gemeint?
Schneuwly:
Es ist tatsächlich meine Meinung, die sich auf die Mannschaft bezieht. Das Team ist sehr bodenständig. Keiner findet, er sei ein Star. Es ist nicht an mir, alles andere im Klub zu beurteilen. Der Job von uns Spielern ist es, erfolgreich auf dem Rasen zu sein. Dafür müssen wir unsere ganze Energie einsetzen. Wir sind bescheidene Schweizer und geben Gas, das passt zu mir.

Luzern steht auf Platz 4 und im Cup-Halbfinal gegen Lugano. Durch die Freistellung von Ex-Sportchef Rolf Fringer lastet in der Rückrunde ein riesiger öffentlicher Druck auf Präsident Ruedi Stäger und auf dem Verwaltungsrat. Wurde darüber mit Ihnen als Neuling gesprochen?
Schneuwly:
Solche Dinge sind in den Gesprächen gar nicht thematisiert worden. Jeder Klub muss erfolgreich sein. Ich bin es gewohnt von YB – und auch in Thun war es nicht anders. Mir macht es Spass, diese Herausforderung anzunehmen. Fussball ist immer unberechenbar. Darum heisst meine Devise: immer Gas geben! Abgerechnet wird am Schluss der Saison.

Hinweis
Testspiel in Marbella, 16.00: FC Luzern - Dynamo Kiew.