FUSSBALL: FCL kriselt und gibt Rätsel auf

Luzern verliert gegen Absteiger Lausanne 3:4 (1:2). Es ist für die Luzerner fast alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann. In dieser Verfassung hat der FCL im Europacup nichts zu suchen.

Daniel Wyrsch
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Die späte Entscheidung: Lausannes Pascal Feindouno hat soeben eine Hereingabe zum 3:4 verwertet, FCL-Goalie David Zibung hat das Nachsehen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die späte Entscheidung: Lausannes Pascal Feindouno hat soeben eine Hereingabe zum 3:4 verwertet, FCL-Goalie David Zibung hat das Nachsehen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Was ist mit diesem FC Luzern los? Schlechter spielen als gegen den Absteiger Lausanne geht auf diesem Niveau nicht mehr. Dabei geht es für die Luzerner um Platz 4, der für die Qualifikation zur Europa League berechtigt. Jetzt, im Schlussspurt der Meisterschaft, leisten sie sich die dritte aufeinanderfolgende Niederlage. Notabene gegen eine Waadtländer Equipe, die seit einer Woche als Absteiger feststeht.

Viel Zündstoff: Alain Wiss (rechts) spricht mit seinen Teamkollegen Dimitar Rangelov, Alain Winter und Jahmir Hyka. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
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Enttäuschung bei Luzerns Jahmir Hyka. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Luzerns Florian Stahel (links) diskutiert mit Lausannes Pascal Feindouno. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Luzerns Dimitar Rangelov trifft zum 1:1 per Penalty. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
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Luzerns Dimitar Rangelov (rechts) gegen Lausannes Mickaël Facchinetti. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Luzerns Sally Sarr (rechts) gegen Lausannes Mickaël Facchinetti. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ
Luzerns Sally Sarr (rechts) gegen Lausannes Yoric Ravet. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Luzerns Jérôme Thiesson (mitte) und Tomislav Puljic (rechts) gegen Lausannes Pascal Feindouno. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Lausannes Yoric Ravet (mitte) erzielt das 3:1 für Lausanne. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Lausannes Yoric Ravet (links) trifft zum 2:1 gegen Luzerns David Zibung (mitte). Tomislav Puljic und Florian Stahel (rechts) können nicht mehr eingreifen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Luzerns Alain Wiss (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Auf der Tribüne: Luzerns Xavier Hochstrasser. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Lausanner Guillaume Katz (Mitte) schiesst den Treffer zum 0:1, völlig unbehelligt von Alain Wiss (links). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Luzerner Remo Freuler strauchelt (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Lausanner Yoric Ravet (links) schiesst das 1:2 gegen den Luzerner Torhueter David Zibung. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Lausanner Mickael Facchinetti (links) versucht dem Luzerner Dimitar Rangelov (rechts) den Ball abzunehmen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Lausanner Yoric Ravet (links) schiesst das 1:3 gegen Luzerner Torhueter David Zibung. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Lausanner Pascal Feindouno (links) und Yoric Ravet (rechts) klatschen ab zum 1:3. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Lausanner Guillaume Katz (rechts) und Abdelouahed Chakhsi (links) feiern ihren Treffer zum 0:1. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Lausanne Spieler feiern den Treffer zum 1:2. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Viel Zündstoff: Alain Wiss (rechts) spricht mit seinen Teamkollegen Dimitar Rangelov, Alain Winter und Jahmir Hyka. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Zu vieles stimmt nicht mehr

Für die Zentralschweizer ist das 3:4 die zehnte Niederlage einer enttäuschenden Rückrunde, nachdem sie in der Hinrunde nur viermal den Kürzeren gezogen hatten. Gegen die zwei letzten Teams der Tabelle (Lausanne und Sion) verloren sie jeweils beide Spiele in diesem Frühjahr, von zwölf möglichen Punkten gegen diese «Kellerkinder» haben sie keinen Punkt geholt. Es ist nicht einfach Zufall oder Schicksal, dass es dem FCL nicht mehr läuft. Zu vieles hat in den letzten Monaten nicht mehr gestimmt. Die Mannschaft gibt Rätsel auf. Ist der von Sportdirektor Alex Frei (34) vorangetriebene Umbruch zu radikal? Sind die atmosphärischen Störungen bei den Spielern aufgrund dieser Situation zu gross? Hemmt sie die 100-prozentige Leistungsbereitschaft?

Der tagelang zögernde Carlos Bernegger (45), der trotz seiner bisher stets auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Karriereplanung einen schnellen Abgang zu 1860 München ernsthaft geprüft hatte, deutet auf für ihn schwierige Verhältnisse in der Swissporarena hin.

Captain Alain Wiss (23) hatte zwar am Freitag nach der Absage Berneggers an 1860 beteuert, dass wegen der Verhandlungen des Trainers mit dem Traditionsklub aus der 2. Bundesliga keine Unruhe aufgekommen sei. Etwas haften geblieben ist aber sicher, die meisten Profis machten sich ihre Gedanken.

Bernegger zeigte sich gestern nach dieser unerwarteten wie unglaublichen Niederlage ruhig, als er vor die Medien trat. Doch fiel es ihm nicht leicht, die Gründe für diesen harten Rückschlag auf dem Weg zum geforderten europäischen Ticket zu finden. «Es ist sehr schwer, ein solches Spiel vernünftig zu analysieren.» Tatsächlich hatten sich die Ereignisse in der Schlussphase überschlagen. Die Lausanner, die seit der 61. Minute durch Doppeltorschütze Yoric Ravet mit zwei Toren in Führung gelegen waren, mussten durch Treffer der eingewechselten Dario Lezcano (81.) und Yassin Mikari (88.) das 2:3 und den 3:3-Ausgleich hinnehmen. Für eine Aufholjagd dieser Art braucht es ein Minimum an positivem Glauben und – wenn die spielerischen Mittel fehlen – ein paar Fehler der Gegner (Banana, Feltscher, Signori). Der FCL durfte jubeln, er schien mit einem blauen Auge davonzukommen.

Der Trainer geht das Risiko ein

Nach dem 3:3 stand Luzerns Innenverteidiger Tomislav Puljic in der Platzmitte und gestikulierte in Richtung Coach. Soll ich weiter stürmen? Oder muss ich wieder zurück in die Abwehr? Bernegger machte eine Handbewegung in Richtung des Tors des Lausanne-Goalies Antonio Signori (19). Der FCL-Trainer mag keine Unentschieden, besonders wenn gegen den künftigen Challenge-Ligisten ein Vollerfolg gefordert war. Seine Risikobereitschaft ist zu loben. Ein Sieg hätte den FCL in klaren Vorteil gegenüber dem nun immer noch punktgleichen FC Thun gebracht, der in Sion mit 1:3 unterlag. Doch hin und wieder kostet das Alles-oder-nichts-Spielen den Südamerikaner Punkte aus realistisch möglichen Unentschieden. Wie in dieser Rückrunde in Sion (2:3), in Lausanne (0:1) oder gestern gegen dasselbe Team. Total drei Punkte weg. Andererseits holte der FCL mit der Bernegger-Taktik in dieser Saison mindestens fünfmal zwei Punkte durch Siege in den Schlussminuten. Sie hätten darauf gehofft, dass die Lausanner am Ende seien, den Ball verlieren – «und wir das 4:3 machen», erklärte Bernegger. Umgekehrt ist es gekommen: Schon im Gegenangriff schob Pascal Feindouno einen Pass von Yannis Tafer in der 89. Minute zum 4:3-Coup ein. Bernegger: «Das ist sehr bitter.» Besonders, weil der eine Punkt mehr gegenüber Thun für das finale Direktduell ums europäische Geschäft am nächsten Sonntag (16.00) gegen die vom Torverhältnis her besseren Berner Oberländer wertvoll hätte sein können.

Unfassbar schwache Defensive

Die FCL-Abwehr hatte sich bei allen vier Gegentoren unfassbar schwach präsentiert. Wie bereits am Mittwoch in Basel (1:3) mangelte es an der Unterstützung durch das Mittelfeld. Dort machte erneut Jérôme Thiesson einen überforderten Eindruck als Sechser. Bernegger muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dort wieder auf den 26-jährigen Zürcher gesetzt zu haben. An drei Gegentoren war Thiesson beteiligt. So liess er schon in der 9. Minute Guillaume Katz aus 25 Metern zum 0:1 einschiessen. Dimitar Rangelov (19.) glich zwischenzeitlich aus mit einem Foulpenalty, den Jahmir Hyka glücklich zugesprochen erhielt.

Goalie David Zibung sah es richtig: «So haben wir in der Europa League nichts zu suchen.» Die Frage sei erlaubt: Wollen einige beim FCL gar nicht dahin?