FUSSBALL: FCL leidet unter seiner Transferpolitik

Beim FC Luzern lagen keine Verstärkungen unter dem Christbaum. Dafür erstaunt, wer massgeblich beim Flop-Transfer von Dimitar Rangelov mitgewirkt hat.

Daniel Wyrsch
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Vom vermeintlichen Torjäger zum gelegentlichen Ersatzspieler: Dimitar Rangelov ist einer jener Spieler, den der FCL im Januar verkaufen würde. (Bild Philipp Schmidli)

Vom vermeintlichen Torjäger zum gelegentlichen Ersatzspieler: Dimitar Rangelov ist einer jener Spieler, den der FCL im Januar verkaufen würde. (Bild Philipp Schmidli)

Tote Hose auf dem Spielermarkt. Beim FC Luzern gab es kein Weihnachtsgeschenk in Form einer sich abzeichnenden Verstärkung. Trainer Ryszard Komornicki (53) forderte vergeblich einen neuen Stürmer und einen Linksfuss im Angriff auf der Aussenbahn. «Bevor wir neue Spieler kaufen könnten, müssten wir Spieler verkaufen können», klärt FCL-Präsident Mike Hauser (41) über die finanziell angespannte Lage auf.

Im defensiven Mittelfeld des FCL herrscht ein Überangebot. Neben dem gesetzten einheimischen U-21-Nationalspieler Alain Wiss (22) taten sich in der Vorrunde Philipp Muntwiler (25) und Xavier Hochstrasser (24) schwer. Beide haben wie die ebenfalls kritisierten Offensivspieler Jahmir Hyka (24) und Daniel Gygax (31) noch mehrere Jahre laufende Verträge. Dem FCL sind darum die Hände gebunden. Hauser: «Wir können uns in der Winterpause nicht verstärken.»

Eine kleine Hoffnung lässt der Klubchef seinem Trainer Komornicki immerhin offen: «Ausser wir finden einen valablen Ersatz für Dario Lezcano, der noch einige Monate verletzt ausfällt.»

Schnäppchen mit grossem Namen

Dafür müsste Sportchef Heinz Hermann (54) aber auf der Schnäppchenjagd erfolgreich sein und einen preiswerten Spieler wie den Argentinier David Distéfano (25) holen. Der Linksfuss mit dem Nachnamen eines ganz Grossen der Fussballgeschichte – Alfredo Di Stéfano von Real Madrid – spielt bei Astra Giurgiu, dem Tabellenzweiten der rumänischen Eliteliga hinter Leader Steaua Bukarest, und hat in 17 Spielen 3 Tore geschossen und 7 Vorlagen gegeben. Er gilt als Standardspezialist und gehört dem chilenischen Klub Union San Felipe, der ihn günstig bis Ende Saison ausleihen würde mit der Option auf eine definitive Übernahme.

Ob allerdings Hermann über die Kompetenz verfügt und vor allem das notwendige Durchsetzungsvermögen besitzt, um einen solchen oder ähnlichen Transfer durchzuführen, muss bezweifelt werden. Denn wie immer mehr durchsickert, war Luzerns Sportchef weder bei der Wahl von Coach Komornicki noch beim wichtigsten Transfer dieser Saison, jenem des vermeintlichen Goalgetters Dimitar Rangelov (19 Pflichtspiele, 2 Tore) die verantwortliche Person. Dabei war der Rekordinternationale im Mai als sportliches Gewissen beim FC Luzern installiert worden. Besonders überrascht, dass CEO Thomas Schönberger den Deal dank seiner Nähe zu den Beratern von Rangelov, Maik Barthel und Cezary Kucharski, die übrigens auch Dortmund-Star Robert Lewandowski unter Vertrag haben, abgewickelt hat. Unsere Zeitung konfrontierte FCL-Präsident Hauser mit der Frage, ob Geschäftsführer Schönberger und nicht wie vom Verein bekannt gegeben Sportchef Hermann für den Flop-Transfer von Rangelov verantwortlich zeichnete. Hauser: «Thomas Schönberger kennt Rangelovs Berater Maik Barthel schon seit längerer Zeit, weshalb Thomas den ersten Kontakt herstellte. Heinz Hermann und der damalige Trainer Murat Yakin haben das Einverständnis für den Kauf von Rangelov gegeben. Es gibt keinen einzelnen Verantwortlichen für diesen Transfer.»

Trotzdem Platz 5 als Ziel

Obwohl es Hauser in der Öffentlichkeit nicht sagt, ist offensichtlich, dass der FCL froh wäre, den 29-jährigen bulgarischen Nationalstürmer im Transfermonat Januar verkaufen zu können. Die verfehlte Transferpolitik der letzten Jahre macht den Klubverantwortlichen das Leben schwer. Rangelov fällt in die Amtsperiode der aktuellen Führung wie Stephan Andrist (10 Spiele, 4 Tore). Beim Leihspieler des FC Basel liegt der Fall allerdings gerade umgekehrt: Den 25-jährigen Berner Oberländer möchte der FCL definitiv übernehmen.

Obwohl Komornicki am 3. Januar mit einem unveränderten Kader in die Vorbereitung auf die Rückrunde starten muss, legt Hauser trotz der enttäuschenden Vorrunde (Platz 7, 18 Spiele, 18 Punkte) die Messlatte hoch: «Unser Ziel ist ein Vorstoss auf Platz 5.» Das sei nicht unrealistisch, und auf diesem Rang wäre bei einem Cupfinal zwischen zwei Mannschaften aus den Top 4 sogar ein Qualifikationsplatz für die Europa League möglich. Dem Präsidenten ist aber auch bewusst, dass der Rückrundenstart am 9. Februar bei YB schon wegweisend sein wird. Die Berner belegen derzeit den fünften Tabellenplatz mit sechs Punkten Vorsprung auf Luzern. Eine Woche später ist der FC Zürich in der Swissporarena zu Gast, danach muss der FCL nach St. Gallen. Ein delikates Startprogramm.

Hauser weiss aus den Erfahrungen der letzten Monate nur zu gut, dass ein erfolgreicher Start die zwingende Voraussetzung für mehr Ruhe innerhalb des Vereins ist. Also dürfte ein guter Auftakt in die Rückrunde bei seinen persönlichen Neujahrswünschen ganz oben auf der Liste stehen.