FUSSBALL: FCL physisch stärker, mental stabiler

Der FC Luzern hat in Marbella Moral für den Kampf um den Ligaerhalt geholt. Trotzdem: Am 7. Februar muss das in Spanien Gezeigte gegen YB umgesetzt werden.

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Der FCL gestern im Testpiel gegen Union Berlin. (Bild: Martin Meienberger / FC Luzern)

Der FCL gestern im Testpiel gegen Union Berlin. (Bild: Martin Meienberger / FC Luzern)

daniel wyrsch

Tomislav Puljic (31) hat sich in Südspanien über seine gelungene Rückkehr zum FC Luzern gefreut. Doch der Kroate, der das letzte halbe Jahr mehrere Angebote ablehnte, um das Comeback bei seinem bevorzugten Klub in der Lieblingsstadt zu geben, hat kurz vor der heutigen Heimreise in die Schweiz nicht nur an seine im Vergleich zum Vorjahr extrem gestiegene Anerkennung innerhalb des FCL gedacht. «Ich bin auch glücklich für Dario Lezcano. Er hat einen Schritt nach vorn gemacht.» Der Stürmer aus Südamerika, der in der Vorrunde manch hochkarätige Chance ausgelassen hatte, ist auf einmal effizient. Bei allen drei Testspielsiegen gegen die Zweitbundesligisten Ingolstadt (Tabellenerster), Eintracht Braunschweig (4.) und Union Berlin (10.) erzielte er je ein Tor (Matchbericht von FCL gegen Union siehe Box unten).

Für Puljic ist es kein Zufall, dass Lezcano, Jahmir Hyka, Adrian Winter und Co. beim Tabellenletzten in Schwung gekommen sind. «Von den Verantwortlichen erhalten wir viel Vertrauen.»

Mit Willen Müdigkeit überwunden

Das wirkte sich auch physisch in den Testpartien aus, wie Puljic erklärt. «Normalerweise wären wir müde nach den vielen Laufübungen und Krafttrainings, aber unser Siegeswille hilft uns sehr.»

Im athletischen Bereich haben die Luzerner klar mehr Einheiten gemacht als zwölf Monate zuvor am selben Ort, im gleichen Kleinstadion von San Pedro de Alcantara. Chefkonditionstrainer Christian Schmidt und sein Assistent Norbert Fischer waren omnipräsent.

Cheftrainer Markus Babbel und Co-Trainer Roland Vrabec trainierten fleissig; bei spielerischen und taktischen Übungen, und sie führten Gespräche.

Fringers positives Denken

Sportchef Rolf Fringer sprach gar mit jedem der 25 Profis einzeln. Beeindruckend war, wie der 57-Jährige in jeder Situation die Übersicht behielt. Als Lorenzo Bucchi am zweiten Tag im Training François Affolter einen Faustschlag versetzte und eine teaminterne Eskalation drohte, blieb der Schweiz-Österreicher cool. Seine Erfahrung und positive Einstellung half ebenso am Montag vor dem Testspiel gegen Braunschweig in Los Barrios, nahe bei Gibraltar und in Sichtweite des afrikanischen Kontinents. Ein aufgebrachter Journalist meinte über das vom Regen durchnässte, glitschige Terrain des lokalen spanischen Drittligisten: «Auf diesem Acker ist es gefährlich, Fussball zu spielen. Da könnten sich die Spieler schwer verletzen.» Fringer entgegnete seelenruhig: «Hier passiert nichts. Im Februar werden wir in der Schweiz auch auf tiefen Böden oder Schnee und Eis kicken müssen.»

Atmosphäre gut, Druck bleibt

Dank dem neuen Sportchef, der weiss, was er wann zu sagen hat, ist die Atmosphäre entspannter als auch schon. Fringer ist zufrieden mit seinen Leuten: «Die Zuschauer müssen sehen, dass die Mannschaft bereit ist, die Suppe auszulöffeln, die sie sich eingebrockt hat. Im Trainingslager hat das ganze Team gezeigt, dass es dazu bereit ist.»

Jetzt müssen beim FCL alle dranbleiben. Zwei Wochen sind es noch bis zum Rückrundenstart gegen YB am 7. Februar. Fringer weiss: «Jeder Match wird knallhart. In Marbella haben wir erlebt, dass wir das Glück erzwingen können.»