FUSSBALL: FCL profitiert von Neulingen

Der FC Luzern weist nach einem Drittel der Saison eine positive Bilanz auf: Er belegt Platz 3, besitzt 19 Punkte aus 12 Spielen. Obwohl es daheim zuletzt weniger rund lief, herrscht fast überall Ruhe.

Daniel Wyrsch
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Luzerns junge Attraktion Mahmoud Kahraba (links) beschäftigt hier mit Steve von Bergen (Mitte) und Thomas Fekete gleich zwei YB-Verteidiger. (Bild Philipp Schmidli)

Luzerns junge Attraktion Mahmoud Kahraba (links) beschäftigt hier mit Steve von Bergen (Mitte) und Thomas Fekete gleich zwei YB-Verteidiger. (Bild Philipp Schmidli)

Eine Saison ist wie eine lange Reise. Es läuft längst nicht immer reibungslos, mit Rückschlägen müssen Spieler, Trainer und Klubleitung umgehen können. Der FC Luzern hat in den letzten vier Spielen zu Hause «unten durch» müssen. Vor eigenem Publikum errang die Mannschaft keinen Sieg mehr, holte nur drei Punkte. Dabei waren die Innerschweizer mit drei Vollerfolgen in die Saison gestartet, es machte den Anschein, dass der FCL wieder eine Heimmacht wird, wie es Sportchef Alex Frei bei seiner Ankunft am 15. April ankündigte.

FCL-Spieler Michel Renggli (links) im Duell mit Alexander Gerndt von YB. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
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Mahmoud Kahraba schiesst den FCL in Front. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
Mahmoud Kahraba vom FCL jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
Mahmoud Kahraba holt sich nach seinem Treffer eine ägyptische Flagge. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
Kahraba betet, nachdem er seinen Club 1:0 in Führung gebracht hat. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
Moreno Costanzo (links) von YB legt sich mit Oliver Bozanic (Mitte) und Michel Renggli (rechts) an. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
YBs Gonzalo Zarate scheitert an FCL-Goalie David Zibung. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
YB-Fans zünden Pyros. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
Michael Frey (links) jubelt nach dem Ausgleich mit Florent Hadergjonaj. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
Xavier Hochstrasser, Alain Wiss und Tomislav Puljic (von links) müssen zusehen, wie Frey FCL-Goalie Zibung bezwingt. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
FCL-Trainer Carlos Bernegger ist nachdenklich. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
YB-Trainer Uli Forte dirigiert seine Mannschaft. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
Michael Frey (vorne) gegen Michael Renggli (links) und Alain Wiss. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)

FCL-Spieler Michel Renggli (links) im Duell mit Alexander Gerndt von YB. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)

Nach der spielerisch ernüchternden Darbietung beim 1:1 zu Hause gegen ein überlegenes YB am Sonntag sagte Trainer Carlos Bernegger: «Wir müssen wissen, wo wir herkommen. Anfang April waren wir an einem ganz anderen Ort.» Beinahe schon vergessen: Luzern hatte zu Beginn seiner Tätigkeit gegen den Abstieg gekämpft.

Jetzt sieht es viel freundlicher aus, das zeigt ein Blick auf die Tabelle nach einem Drittel der Meisterschaft. Der FCL belegt mit 19 Punkten aus 12 Spielen Platz 3. Er hat damit klar die offizielle Zielsetzung von Sportchef Frei übertroffen, der zu Saisonbeginn formuliert hatte, dass alles, was besser als im Vorjahr (Platz 8) ist, in Ordnung sei. Insgeheim visiert der FCL die Europa League (Platz 4, vielleicht reicht Platz 5) an.

An Fussballsachverstand zugelegt

Auf jeden Fall ist das Team derzeit im Soll. Gewiss hat es von den Neulingen profitiert. Namentlich vom 19-jährigen Ägypter Mahmoud Kahraba, der gegen YB in seinem zweiten Match von Anfang an sein zweites Tor erzielte. Ebenfalls überzeugt hat bisher der Australier Oliver Bozanic (24), daran ändert der verschossene Penalty gegen YB-Goalie Marco Wölfli nichts. Der fünffache Torschütze ist für einen Discountpreis von weit unter 50 000 Franken vom australischen Meister Central Coast Mariners gekommen. «Selbst wenn er keinen Topmatch zeigt, ist er ein überdurchschnittlicher Super-League-Spieler», stellt Frei zu Recht fest. Zu den erfreulichen Neulingen zählt seit seinem soliden Debüt in der Anfangsformation gegen YB auch der U-19-Nationalspieler Ferid Matri (19). Er könnte das Format eines Innenverteidigers der Zukunft entwickeln. Gleiches gilt für den eigenen Haxhi Neziraj (20) als Mittelfeldspieler.

Diese Neulinge sind kein Zufall, der FCL hat an Fussballsachverstand massiv zugelegt. Es herrscht fast überall im Verein ungewohnte Ruhe.

Sportchef

Alex Frei (34) macht seinen Job, wie die Beispiele Kahraba, Bozanic, Matri und Neziraj zeigen, bislang gut. Der Ex-Profi ist nach einem halben Jahr im Amt so motiviert und mit Feuer im Einsatz wie am ersten Tag. Frei will Luzern zur konstanten Liga-Grösse machen.

Trainer

Carlos Bernegger (44) hat mit Luzern nach total 22 Spielen einen guten Schnitt von 1,77 Punkten. Doch will er mehr als nur an den Resultaten gemessen werden. Die Mannschaft soll auch spielerisch überzeugen. Er ist ein fordernder Trainer, intelligent, mit Tiefgang. Zuweilen kommt sein argentinisches Blut schnell in Wallung. Darum sollte er sich vor ungeduldigen Zuschauern und der stets kritischen Journaille besser abgrenzen, um sich nicht zu verheizen.

Torhüter

David Zibung spielt in dieser Saison bis dato hoch konzentriert. Nur beim Freistosstor von Caio gegen GC (0:2) sah er schlecht aus. Hinter Zibung steht mit Lorenzo Bucchi ein guter Ersatzgoalie. Auch ihn holte Frei.

Abwehr

Die Innenverteidigung mit Tomislav Puljic und Florian Stahel hat einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Linksverteidiger Claudio Lustenberger liess sich von Zuzug Yassin Mikari bisher nicht verdrängen. Rechtsverteidiger Jérôme Thiesson und Sally Sarr sind verletzt. Hekuran Kryeziu holt Spielpraxis.

Mittelfeld

Uneingeschränkt überzeugt hat das Aufbauzentrum nie. Captain Michel Renggli scheint nun endlich auf der Höhe zu sein. Alain Wiss ist enorm präsent, aber gegen kompakte Defensiven findet er noch zu selten eine Lösung. Bozanic agiert clever und gradlinig, das Spiel schnell oder langsam machen kann auch er nicht. Xavier Hochstrasser ist derzeit ein guter Einwechselspieler. Linksaussen Jahmir Hyka hat beim Trainer schlechte Karten, Mikari hat sich auch am Flügel bislang nicht durchgesetzt. Rechts hat Kahraba Adrian Winter wahrscheinlich den Rang abgelaufen.

Sturm

Dario Lezcano wäre ein kompletter Stürmer, nur fehlt ihm oft der letzte Biss. Dimitar Rangelov schoss bereits drei Tore, holte aber total fünf Spielsperren. Daniel Gygax ist ein Langzeitverletzter.