FUSSBALL: FCL steckt in der Ergebniskrise

Gut gespielt, viel Aufwand betrieben, aber die besten Chancen ungenutzt gelassen: Der FCL verliert im Direktduell um Platz 4 in Sion 0:2 – und hat bereits weitere Konkurrenten im Nacken.

Daniel Wyrsch, Sion
Drucken
Teilen
Kein Durchkommen für Rückkehrer Dario Lezcano (am Ball). Mit Vilmos Vanczak (von links), Reto Ziegler, Vero Salatic und Vincent Rüfli bedrängen ihn gleich vier Walliser. (Bild: EQ/Pascal Müller)

Kein Durchkommen für Rückkehrer Dario Lezcano (am Ball). Mit Vilmos Vanczak (von links), Reto Ziegler, Vero Salatic und Vincent Rüfli bedrängen ihn gleich vier Walliser. (Bild: EQ/Pascal Müller)

Die Miene von Markus Babbel verriet dessen Ärger. Für den FC Luzern ist es gestern in Sion äusserst unglücklich gelaufen. Der Trainer musste von aussen machtlos zuschauen, wie seine Spieler fast ein halbes Dutzend hochkarätige Chancen vergaben. Als Rückkehrer Dario Lezcano beim Spielstand von 0:2 in der 72. Minute allein auf Sion-Goalie Andris Vanins zulief, stolperte und auf den Rasen fiel, da spürte der FCL-Coach: «Der ausgerutschte Dario, das war symp­tomatisch für unseren Match.» Der Anschlusstreffer hätte noch einmal Kräfte mobilisiert, aber der am Boden liegende neunfache Saisontorschütze deutete die zweite aufeinanderfolgende Niederlage mit einem Ausrufezeichen an.

Dabei hatte die Begegnung beim erfolgreichen Europa-League-Teilnehmer für die Luzerner gut begonnen. Babbel hatte seine Mannschaft im Gegensatz zur 0:1-Niederlage acht Tage zuvor in St. Gallen hervorragend eingestellt. Mit frühem Attackieren versuchte der FCL, die Walliser zu Fehlern im Spielaufbau zu zwingen. Das gelang vor allem während der ersten Halbzeit. Doch Marco Schneuwly wirkte bereits bei seiner ersten Topmöglichkeit in der 3. Minute glücklos: Allein vor Vanins sprang dem Mittelstürmer der Ball ans Schienbein – vorbei war die Chance zur frühen Führung. In der 19. Minute schoss Lezcano, von Remo Freuler steil angespielt, aus guter Position übers Tor.

Carlitos stellt das Spiel auf den Kopf

Viel besser noch war Schneuwlys Gelegenheit in der 32. Minute: Captain Lustenberger passte von der Grundlinie gekonnt zurück, doch der fünffache Saisonschütze Schneuwly drosch den Ball hoch übers Tor in die Sion-Fans. Diese mussten nicht mehr lange auf den ersten Torjubel warten: Nur 48 Sekunden nach Schneuwlys Fehlschuss zeigte der 33-jährige portugiesische Supertechniker Carlitos, was immer noch in seinen Füssen steckt. Aus 30 Metern konnte er – zu wenig vehement von Jérôme Thiesson und Remo Freuler gestört – abziehen: Der Ball landete, die Latte leicht berührend, zum 1:0 in der hohen Ecke. Damit war der Match nach etwas mehr als einer halben Stunde auf den Kopf gestellt. Babbel meinte anerkennend: «Ein fantastischer Treffer, den wir da zu allem Übel hinnehmen mussten.»

Für die Luzerner spricht, dass sie nach dem Rückstand sofort den Ausgleich suchten. Lezcano blieb in der 35. Minute nach einem tollen Durchspiel aber am starken Keeper Vanins hängen.

Novum in der Ära Babbel

In der 62. Minute wurde es für die Innerschweizer noch bitterer: Edimilson Fernandes nutzte bei einem Konter seine Freiheiten, passte zur Mitte, wo Ebenezer Assifuah ungedeckt von François Affolter das 2:0 markieren konnte. Babbel stellte zu Recht fest, dass Sion aus drei Chancen zwei Tore erzielte. Einzig den Carlitos-Kopfball (10.) konnte FCL-Goalie David Zibung abwehren. «Man muss seine Chancen nutzen, wenn man gegen diesen guten Gegner bestehen will», meinte der Luzern-Trainer.

Nachdem der FCL nun Platz 4 an Sion abtreten musste und nach zuletzt fünf sieglosen Spielen hintereinander mit nur zwei geholten Punkten stecken Trainer und Spieler in einer veritablen Ergebniskrise. Fünf Partien ohne Sieg hat es in der 13-monatigen Wirkenszeit von Babbel in Luzern gar noch nie gegeben.

Happiges Restprogramm

Der FCL steht nun mit 20 Punkten auf Platz 5, die Konkurrenten aus St. Gallen (19) und Thun (17) sitzen ihm im Nacken. Das Restprogramm der Vorrunde lässt nicht unbedingt auf viele zusätzliche Zähler hoffen: In zwei Wochen spielen die Luzerner zu Hause gegen Thun, anschliessend in Basel und daheim gegen YB. Was ist zu tun, um nicht noch vor Weihnachten in der Tabelle weiter nach hinten durchgereicht zu werden, Markus Babbel? «Wir müssen konzentriert weiterarbeiten, nicht in Selbstmitleid verfallen und unsere Chancen künftig nutzen.»

Hinweis

Mehr Super-League-Fussball auf Seite 26.