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FUSSBALL: FCL-Trainer Babbel: «Wir sind in der Lage, jeden zu schlagen»

Markus Babbel startet nächsten Samstag (17.45, Swissporarena) mit dem FC Luzern gegen Cupsieger FC Sion in die Saison. Der FCL-Trainer sagt, wie er funktioniert, und gibt Einblicke in sein Denken und Handeln.
Daniel Wyrsch
Den Ball flach halten? FCL-Trainer Markus Babbel jongliert auf dem Sonnenberg in Richtung Himmelrich, hinter ihm der Ausblick auf die Swissporarena. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ))

Den Ball flach halten? FCL-Trainer Markus Babbel jongliert auf dem Sonnenberg in Richtung Himmelrich, hinter ihm der Ausblick auf die Swissporarena. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ))

Daniel Wyrsch

Mit Markus Babbel (42) sind wir am Donnerstagmittag hoch hinaus gegangen. Im «Himmelrich» ob Kriens unterhielten wir uns mit dem FCL-Trainer aus Bayern. Dazwischen gab es zwei Fotosessions. Beim atemberaubenden Ausblick auf die Innerschweizer Berge und den Vierwaldstättersee meinte Babbel spontan zur Fotografin: «Eines dieser Bilder müssen Sie mir bitte geben. Das Panorama ist einzigartig.»

Etwas weiter unten spielt Babbel den zugeworfenen Fussball volley zurück. Problemlos. Der Europameister von 1996 mit Deutschland kann es noch immer beidfüssig. Der Ex-Bayern-Profi erzählt: «Mit Trainer Giovanni Trapattoni musste ich nach den Trainings stundenlang mit dem schwächeren linken Fuss üben, bis ich damit besser als rechts flankte.»

Babbel hat Luzern letzte Saison aus akuter Abstiegsgefahr ins Tabellenmittelfeld geführt von Platz 10 auf 5. In der Rückrunde war der FCL hinter Serienmeister Basel die zweitbeste Mannschaft der Super League.

Am nächsten Samstag beginnt die neue Meisterschaft.

Ausgangslage

«Die Ausgangslage ist definitiv besser als bei meinem Start in Luzern. Alle Mannschaften fangen bei null an. Jetzt liegt es an uns, ob wir den Weg so gierig weitergehen, wie wir die letzte Saison abgeschlossen haben, oder ob wir erst wieder eine Notsituation brauchen, um aufzuwachen.»

Ziele

«Wir wollen jede Woche die maximale Leistung zeigen. Ich tue mich immer schwer, irgendwelche Plätze vorzugeben. Fakt ist natürlich, dass Basel, die Young Boys, Zürich, Sion und St. Gallen finanziell andere Optionen als der FCL haben. Aber wir wollen aus unseren Möglichkeiten alles herausholen.»

Meisterprämie

«Ich weiss nicht, was der Verein ausgeben will ... Das ist für mich zweitrangig, denn man muss realistisch sein. Doch für den Fall der Fälle ist selbstverständlich eine Meisterprämie vertraglich festgeschrieben, schliesslich bin ich Profi.»

Verstärkungen

«Clemens Fandrich ist genauso wie Nico Brandenburger ein hoch talentierter Spieler. Es wird auch für mich spannend zu beobachten sein, wie schnell sie sich zurechtfinden und uns weiterhelfen können. Mit den vier jungen Spielern Yannick Schmid, Olivier Kleiner, Joao De Oliveira und Remo Arnold haben wir weitere sehr begabte Spieler, die wir sukzessive für Einsätze in der Super League aufbauen. Darüber hinaus haben wir mit den Rückkehrern Hekuran Kryeziu und Haxhi Neziraj zwei Profis, die grosse Chancen haben, es im zweiten Anlauf zu schaffen. Beide haben viel Talent, ich kann nur ihre jetzige Leistung beurteilen die ist sehr gut, sie sind voll dabei. Ich erhoffe mir, dass wir mit all diesen jungen Spielern eine Dynamik in die Mannschaft bringen. Über allem steht, dass die Spieler hungrig sind, hier etwas erreichen wollen.»

FC Alemannia Luzern

«Sie sprechen die drei deutschen Zuzüge Fandrich, Brandenburger und Sebastian Schachten an? Wir hatten zuerst den Schweizer Markt sondiert; es ist äusserst schwierig, Schweizer Spieler ablösefrei hierherzubekommen. Grund: Ein bestandener Spieler kann bei Basel, YB, Zürich, Sion und St. Gallen mehr verdienen. Wir sind kein Verein, bei dem überragende finanzielle Verhältnisse herrschen. Wir holen Spieler, die den Klub als Sprungbrett sehen oder sich hier etablieren wollen. Mein Co-Trainer Roland Vrabec und ich kennen den deutschen Markt sehr gut, und mir war es wichtig, deutschsprachige Spieler zu bekommen und nicht zu viele Profis im Kader zu haben, welche die Sprache nicht verstehen. Dann kommt man eben auf diese Spieler, die ablösefrei waren und die Luzern als grosse Chance sehen.»

Assistent

«Ich habe das grosse Glück, mit Roland Vrabec einen Mann an meiner Seite zu haben, der eine unglaubliche Fachkompetenz hat. Da kann ich enorm profitieren, aber auch die Mannschaft und der Verein profitieren sehr von ihm. Ich bin den Verantwortlichen sehr dankbar, dass sie mir die Chance gegeben haben, ihn dazuzuholen. Dankbar bin ich Roland Vrabec, dass er den Spass hat, sich weiterhin so engagiert einzubringen.»

Sportchef

«Mit Rolf Fringer ist Gott sei Dank ein Mann mit sehr viel Erfahrung zu uns gekommen. Er steht uns tatkräftig zur Seite. Wir arbeiten sehr gut zusammen. Wenn jemand neu dazustösst, muss man zuerst herausfinden, wie der andere tickt und arbeitet, aber wir haben relativ schnell zusammengefunden.»

Zuschauer

«Natürlich sind unsere Anhänger sehr wichtig. Wir hoffen selbstverständlich, dass sie mehr Heimsiege sehen, denn letzte Saison hatten wir es in der Vorrunde bekanntlich geschafft, kein einziges Heimspiel zu gewinnen. Wir müssen es erreichen, unser tolles Stadion mit den fantastischen Zuschauern wieder zu einer Festung zu machen. Dass die Leute gerne hinkommen und wissen, da ist eine Mannschaft auf dem Platz, die sich für den Verein zerreisst.»

Cup

«Für meine Wenigkeit wäre es natürlich ein Traum, möglichst weit zu kommen. Als Trainer habe ich es in diesem Wettbewerb noch nie geschafft. Im Cup habe ich eine katastrophale Bilanz, mehr als die dritte Runde habe ich mit meinen Mannschaften nicht erreicht. Da gilt es, möglichst schnell besser zu sein.»

Super League

«Das Schöne an dieser Liga ist, dass jeder jeden schlagen kann, da sie sehr ausgeglichen ist. Die Rückrunde hat eindrücklich gezeigt: Mit einer 100-prozentigen Leistungsbereitschaft ist es wahnsinnig schwierig, uns zu bezwingen. Wir sind in der Lage, jeden zu schlagen. Aber uns muss definitiv bewusst sein, dass wir keine Mannschaft sind, die ohne maximalen Einsatz ein Spiel gewinnen kann. Wir müssen den Willen und die Hartnäckigkeit haben, unbedingt siegen zu wollen.»

Luzern

«Eine fantastische Stadt und Region mit hoher Lebensqualität, da gibt es ausgesprochen freundliche Menschen. Es ist sehr angenehm, hier zu leben. Einziger negativer Punkt sind für mich die bemerkenswert hohen Preise in der Schweiz. Aber wie in München kann ich hier in der Altstadt zur Wohnung hinausgehen, ohne von den Leuten bedrängt zu werden. Das ist für mich hohe Lebensqualität, denn man muss auch abschalten und private Dinge geniessen können statt permanent angesprochen zu werden. Ich bin kein Jürgen Klinsmann oder Lothar Matthäus, bei denen dürfte es wahrscheinlich viel extremer sein, bei mir hält sich das Interesse der Leute in Grenzen. Noch immer bitten mich überall Bayern-Fans um ein Autogramm, aber das empfinde ich als schön. Sie wünschen mir mit dem FC Luzern viel Erfolg, das schafft eine Gemeinsamkeit.»

Familie

«Sie hält immer zu mir, egal, ob es gut oder weniger gut läuft. Wenn ich da nur an meine Eltern denke, bei ihnen bin ich jederzeit willkommen. Es ist für mich extrem wichtig, dass beide noch da sind. Meine Mama war übrigens einst die treibende Kraft in meiner frühen Fussballkarriere, sie hat die täglich mehrstündige Fahrt hin und zurück von unserem Zuhause nach München zum FC Bayern auf sich genommen und mich immer begleitet. Mama machte für die gesamte Jugendmannschaft Tee und schnitt Zitronenschnitze, damit es den Jungs und mir gut ging. Da es meinem 76-jährigen Vater derzeit gesundheitlich leider nicht so gut geht, ist er nicht in der Lage, mich in Luzern zu besuchen. Aber wir hoffen, dass es ihm bald wieder besser geht und er meine Partnerin und mich besuchen kommen kann. Falls es in den nächsten Monaten nicht möglich ist, wird meine Mutter zuerst einmal allein vorbeikommen.»

Bundesliga

«Das ist eine tolle Liga, die sich meiner Meinung nach in den letzten Jahren am meisten weiterentwickelt hat. Die Bundesliga ist wie die Super League sehr ausgeglichen, es ist enorm schwierig, dort zu bestehen. Falsche Einschätzungen der Lage oder Fehleinkäufe auf dem Transfermarkt können schnell dazu führen, dass die Klubs in den Abstiegsstrudel geraten. Selbst grosse Traditionsvereine sind davor nicht gefeit. Trotzdem muss festgehalten werden, wie viele Schweizer sich dort durchgesetzt haben und zu wichtigen Spielern geworden sind. Ich finde, das sollte für unsere Spieler ein grosser Anreiz sein, vielleicht auch einmal die Bundesliga als Aktiver erleben zu wollen.»

Bundesliga-rückkehr

«Der Vorteil ist, dass ich die Bundesliga schon erlebt habe. Im Moment fühle ich mich hier pudelwohl. Das habe ich schon öfter erwähnt, und ich lege Wert darauf, es nicht einfach so daherzusagen. Wichtig ist, dass ich Spass und Freude an der Arbeit habe. Ich stehe jeden Morgen gerne auf, weil ich Lust habe, mit den Jungs zu arbeiten. Ich kann es jetzt nicht kategorisch sagen, die Bundesliga ist für mich nichts mehr. Doch was in der Zukunft passiert, weiss ich nicht. Vielleicht sagen eines Tages Luzerns Klubverantwortliche, dass sie nicht mehr mit Markus Babbel zusammenarbeiten wollen. Dann müsste man wieder eine neue Lösung finden. Wer weiss, dann käme vielleicht aus der Bundesliga ein Angebot. Aber im Moment ist es gut, wie es ist.»

Langzeit-engagement

«Irgendwie wünschte ich mir, einmal mehrere Jahre bei einem Klub tätig zu sein. Fünf bis zehn Jahre dann wüsste man sicher, man hat nicht alles verkehrt gemacht. Ist ein Verein bereit, so lange mit einem Trainer zu arbeiten, dann hat dieser sicher mehr Erfolg als Misserfolg gehabt. Das ist natürlich schon ein Traum, wenn ich Jürgen Klopp sehe, der sieben Jahre bei Borussia Dortmund arbeitete. Das ist ja nicht irgendein Verein. Genauso bewundere ich Otto Rehhagel und Volker Finke für ihre langjährigen Engagements bei Werder Bremen und dem SC Freiburg. 14 oder 15 Jahre bei einem Klub beschäftigt zu sein, das ist schon grossartig. Man muss ja auch Träume haben. Ich weiss nicht, ob es hier in Luzern beim FCL möglich ist, das hängt ja nicht nur von mir ab, weil mehrere Faktoren dazugehören. Seis der Verein oder das Drumherum, ob die Leute einen noch sehen wollen oder lieber nicht. Im Fussball kann man realistisch betrachtet unglaublich schwer voraussehen und planen, wie es längerfristig läuft.»

Realismus

«Ich sage mir: Was soll ich mir in die Tasche lügen? Ich versuche das ganze Fussballgeschäft sehr nüchtern und neutral zu betrachten. Genauso wie ich die Spiele nüchtern und neutral analysiere, denn es bringt uns ja nicht weiter, wenn ich die Jungs anlüge. Sie müssen schon erfahren, wie ich das Ganze sehe und einschätze. So ist es auch bei Interviews, da probiere ich möglichst sachlich und klar die Dinge rüberzubringen. Schliesslich lesen es die Leute und dementsprechend wirst du an den Worten gemessen. Deshalb versuche ich sehr nüchtern zu bleiben. Ich weiss, da kann ich teilweise kühl rüberkommen. Trotzdem – da wiederhole ich mich gerne – macht es mir hier in Luzern wirklich Spass.»

Rausch

«Friedel Rausch ich weiss, dass es ihm nicht so gut geht, ich wünsche ihm alles erdenklich Gute in der schweren Zeit. Nicht nur ihm, sondern der ganzen Familie. Friedel ist hier natürlich eine Legende. Ich habe ihn persönlich kennen gelernt, er ist ein fantastischer Mensch, eine sehr angenehme Person. Er ist eben auch einer, der die Sachen sehr klar und nüchtern sieht. Trotzdem hat er einen tollen Humor. Es wäre sehr schön, wenn wir ihn wieder im Stadion sehen würden. Was er hier gleistet hat, ist bis jetzt einzigartig. Friedel hat mit Luzern den einzigen Meistertitel sowie einen Cupsieg geholt, und der erste Cuptriumph wurde mit Rudi Gutendorf ebenfalls von einem deutschen Trainer eingespielt. Ich würde mich nicht wehren, die Historie fortzusetzen, aber ich weiss, wie schwierig es ist. Wir sind nicht die Einzigen, die ehrgeizig sind, die Ziele haben. Klar, im Cup kann man relativ schnell etwas gewinnen. Siehe FC Sion, da hat auch keiner gedacht, dass das so eine klare Sache im Final gegen den FC Basel wird. Die Walliser waren gierig und willig, das sollte für uns Motivation sein.»

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