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FUSSBALL: FCL trauert um Meistertrainer Friedel Rausch

Friedel Rausch ist tot: Der ehemalige Trainer des FC Luzern erliegt nach langer Krankheit am Samstagmorgen unerwartet einem Herzversagen. Rausch hinterlässt seine Frau Marlies, seine Söhne Ingo und Mark sowie vier Enkelkinder.
Friedel Rausch (links) mit Ottmar Hitzfeld, dem damaligen Schweizer Nationaltrainer. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (Basel, 5. September 2009))

Friedel Rausch (links) mit Ottmar Hitzfeld, dem damaligen Schweizer Nationaltrainer. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (Basel, 5. September 2009))

Friedel Rausch erlebte eine ereignisreiche Karriere als Spieler und Trainer. Den FC Luzern hat er in der Saison 1988/89 zum bisher einzigen Meistertitel in der Vereinsgeschichte geführt und damals eine unvergleichliche Euphorie entfacht. Legendär, wie er in der Nacht auf den Sonntag, 11. Juni zusammen mit Präsident Romano Simioni und einigen Spielern die riesige Meisterzigarre genoss. Noch heute schwärmen die damaligen Fans von der Feier im eigens dafür hergerichteten Festzelt auf der Allmend, nachdem Servette vor 24 000 Zuschauern 1:0 bezwungen wurde. Rausch feierte 1992 mit dem Cupsieg gleich noch einen Titel, stieg allerdings im selben Jahr in die NLB ab.

In seiner Zeit beim FC Luzern hat Rausch die Herzen der Fans im Schnellzugstempo erobert. Mit seiner offenen, sympathischen und vor allem kommunikativen Art kam er an: Er gab jedem im Verein, ob Platzanweiser oder Materialwart das Gefühl, die wichtigste Person zu sein. Ein anderes Beispiel gefällig? Nie zuvor waren bei den FCL-Trainings auf der Allmend so viele Zuschauer dabei wie zu seiner Zeit. Er unterhielt sich mit jedem, er spasste mit den Fans vom Behindertenzentrum Brändi – und vor allem stachelte er seine Spieler zu Höchstleistungen an. Rausch sorgte dafür, dass neben der notwendigen Disziplin der Spass am Fussball nie zu kurz kam. Ja, es wurde damals in den Trainings viel gelacht.

Charismatischer Kommunikator

Auch für die Journalisten war der redegewandte Deutsche ein Segen. Er lieferte den damals drei Luzerner Tageszeitungen Story an Story. Immer darauf bedacht, dass keine zu kurz kam. Er sprach seine Sätze druckreif, er verstand, wie die Medien funktionierten. In all dem wirkte Rausch authentisch, er spielte niemanden was vor, er war eine ehrliche Haut. Und er hatte Charisma, dem man sich nicht entziehen konnte. Eine kleine Anekdote mag verdeutlichen wie er als Trainer funktionierte, denn er war nicht nur ein hervorragender Kommunikator, sondern vor allem ein aussergewöhnlicher Motivator. Als sein Team in einem Heimspiel zu Hause mit 0:1 hinten lag, befahl er seinen Spielern in der Pausenansprache, in der zweiten Halbzeit ein Pressing aufzuziehen. Nur: Wie das funktionieren sollte, war niemanden so richtig klar. Machte nichts: Der FCL gewann die Partie schliesslich doch noch. «Alle Vereine müssen mal berühmt gemacht werden», sagte Rausch nach dem Gewinn der Meisterschaft.

Rausch hat sich selber mal als «Kind der Bundesliga» bezeichnet, weil er 1962 mit Schalke 04 die erste Saison dieser Erfolgsgeschichte im deutschen Fussball bestritt. 1971, nach 195 Bundesliga-Einsätzen mit Schalke, beendete der rustikale Abwehrspieler seine Karriere. Es folgten 12 Stationen als Trainer, mit Abstand am längsten (1985 bis 1992) blieb er beim FC Luzern. Neben schönen Erfolgen musste er auch einige Entlassungen wegstecken (Schalke 04, Kaiserslautern, Mönchengladbach). «Gefeiert und gefeuert» titelte einst das Fachmagazin «kicker». Der Konter des Deutschen: «Überall, wo ich weg bin, bin ich im Guten gegangen.»

Unvergesslicher Hundebiss

Unvergesslich bleibt die Szene vom 6. September 1969 im Ruhrpott-Klassiker gegen Borussia Dortmund. Nach dem Schalker Führungstreffer stürmten die euphorischen Schalke-Fans den Platz. Den Ordnungskräften blieb nichts anderes übrig, als ihre Hunden loszulassen, um damit wieder für Ruhe zu sorgen. Gebissen wurde schliesslich Friedel Rausch – und zwar in den Allerwertesten. Nach einer Tetanusspritze durch den Mannschaftsarzt spielte der Abwehr-Haudegen die Partie dennoch zu Ende. Auf dieses Ereignis wurde er später immer wieder angesprochen. So zum Beispiel im ZDF-Sportstudio vor 40 Jahren. Moderator Dieter Kürten fragte Rausch, was denn passiert wäre, wenn der Hund ihn von vorne gebissen hätte. «Dann hätte der Schäferhund alle seine Zähne verloren», konterte Rausch und bewies schon damals seine Schlagfertigkeit.

Dass der Deutsche nach dem Ende seiner langen Karriere bis zu seinem Tod in Luzern blieb, unterstreicht die Verbundenheit zu unserer Region, die er so liebte und genoss. Der FC Luzern und die Innerschweiz verlieren mit Friedel Rausch eine aussergewöhnliche Persönlichkeit. Friedel Rausch geht als erfolgreichster FCL-Trainer in die Geschichte ein.

«Ein wertvoller Weggefährte, ein Mensch mit Charakter»

Reaktionen Der ehemalige FCL-Präsident Romano Simioni (82) sagt zum Tod von Friedel Rausch: «Ich trauere sehr. Friedels Tod ist nicht nur ein Verlust für den FCL und für den Fussball, sondern ein Verlust für unsere ganze Region. Friedel war ein wertvoller Weggefährte, ein Mensch mit Charakter. Als wir gemeinsam für den FCL tätig waren, mussten wir gar nicht viel diskutieren, so gut haben wir uns verstanden. Ja, er hat mit dem Gewinn des einzigen Meistertitels und mit dem Cupsieg eine enorme Leistung für den FC Luzern vollbracht. Aber Friedel bleibt mir auch als guter Mensch neben dem Fussballplatz in Erinnerung.»

Der frühere Luzern-Mittelfeldspieler Hansi Burri (53) war gerade in Spanien gelandet, als er vom Hinschied Rauschs hörte. «Obwohl ich wusste, dass Friedel schon länger krank war, ist sein Tod für mich ein Schock!» Der Familie wünscht der FCL-Meisterspieler von 1989, der wegen seines Sprints mit dem «Kübel» über den Allmend-Rasen bis heute Kultstatus geniesst, «viel Kraft in dieser schweren Zeit». Für Burri ist klar: «Friedel Rausch ist genau der richtige Trainer gewesen, der zu uns in Luzern passte.» Er schätzte ihn als «tollen Menschen» und «als Coach, der fast alles mit Motivation und Spass gemacht hat».

Für Roger Wehrli (61), den Captain des einzigen FCL-Meisterteams, ist Rausch «ein sensationeller Trainer» gewesen. «Nur der legendäre Hennes Weisweiler bei GC stand noch etwas über Friedel.» Am grossen Erfolg der Luzerner «hatte Rausch einen grossen Anteil», betont Ex-Libero Wehrli. «Stark war, dass er uns Spieler hat machen lassen.» Zwischenzeitlich hatten sich Wehrli und Rausch nichts mehr zu sagen, der Captain musste von Bord, ehe Luzern 1992 Cupsieger wurde, aber gleichzeitig abstieg. «Zum Glück haben Friedel und ich später Frieden geschlossen», ist Wehrli jetzt, nach dem Tod des früheren Trainers, froh.

Genialer Spielmacher des FCL-Meisterteams war der Deutsche Jürgen Mohr (59). Via Sky hat er von Rauschs Tod erfahren. «Ich bin tief berührt, habe Tränen vergossen. Wir hatten in Luzern eine wunderbare Zeit zusammen erlebt.» Auch wenn Mohr bis heute nicht weiss, warum ihn Rausch nach dem Titel 1989 nicht behalten wollte, sagt er: «Ich habe Friedel trotzdem sehr gern gehabt, er war wie ein Vater für mich.»

Urs «Longo» Schönenberger (58) ist sehr traurig über den Tod des früheren Trainers. Der einstige FCL-Verteidiger schwelgt aber sogleich in Erinnerungen an Rausch: «Mit Friedel haben wir alles erlebt: Meistertitel, Cupsieg und Abstieg!» Er sei ein guter Mensch gewesen: «Direkt, ehrlich und ein grosser Motivator, so wie man früher die deutschen Trainer gekannt hat.» (tbu./dw)

Friedel Rausch

Stationen als Spieler:

1957-1962 Meidericher SV.
1962-1971 Schalke 04 (1:2-Niederlage 1969 im Cupfinal gegen Bayern München).

Stationen als Trainer:

1971-1976 Schalke 04 (Jugend- und Co-Trainer).
1976-1977 Schalke 04 (Vizemeister).
1979-1980 Eintracht Frankfurt (Uefa-Cupsieger 1980).
1980-1982 Fenerbahçe Istanbul.
1982-1983. MVV Maastricht.
1983-1984 Iraklis Saloniki.
1985-1992 FC Luzern (Meister 1989, Cupsieger 1992).
1992-1993 FC Basel.
1993-1996 1. FC Kaiserslautern (Vizemeister 1994).
1996-1997 Linzer ASK. 1998 Borussia Mönchengladbach.
1998-2000 1. FC Nürnberg.
2001 Eintracht Frankfurt.
2004-2006 FC Luzern (Teamchef).

Albert Krütli

Ex-FCL Trainer Friedel Rausch ist verstorben. (Bild: Philipp Schmidli)

Ex-FCL Trainer Friedel Rausch ist verstorben. (Bild: Philipp Schmidli)

Die FCL-Meistermacher: Trainer Friedel Rausch (links) und Präsident Romano Simioni. (Bild: Archiv/Neue LZ (Luzern, 11. Juni 1989))

Die FCL-Meistermacher: Trainer Friedel Rausch (links) und Präsident Romano Simioni. (Bild: Archiv/Neue LZ (Luzern, 11. Juni 1989))

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