FUSSBALL: FCL verschläft Abstiegskampf

Das kann doch nicht wahr sein: Der FC Luzern verpasst wieder die erste Halbzeit, verliert beim harmlosen GC 0:1. Heute droht die Rückkehr auf den letzten Platz.

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Die 40. Minute im Letzigrund-Stadion: Der Brasilianer Caio schiesst das 1:0 für die Grasshoppers. (Bild: EQ/Marc Schumacher)

Die 40. Minute im Letzigrund-Stadion: Der Brasilianer Caio schiesst das 1:0 für die Grasshoppers. (Bild: EQ/Marc Schumacher)

DANIEL WYRSCH, ZÜRICH

FCL-Innenverteidiger Tomislav Puljic lief nach Spielschluss wutentbrannt in die Katakomben des Letzigrundstadions. Die unnötige 0:1-Niederlage hatte dem besten Spieler der Verlierermannschaft zugesetzt. Der Kroate Puljic nahm vor den versammelten Journalisten kein Blatt vor den Mund und verschonte seine Mitspieler nicht mit Spott: «Ich weiss nicht, was unsere Leute vor dem Match eingenommen haben? Ich vermute, es waren Beruhigungstabletten.»

Sieben Tage nach dem schwachen Auftritt in der ersten Halbzeit von Sion (2:2) schafften es die Luzerner in Zürich, sich noch schlechter zu präsentieren; die ersten 45 Minuten gegen GC waren noch schläfriger. Viel passiver geht auf diesem Niveau nicht mehr. Dabei befindet sich der FCL mitten im Abstiegskampf! Ein unwissender Beobachter wäre bis zur Pause nicht darauf gekommen, dass da eine Mannschaft spielt, die um das Überleben in der höchsten Liga kämpft. Luzerns Trainer Markus Babbel: «Eigentlich geht man davon aus, dass unsere Mannschaft nach dem positiven Rückrundenstart selbstbewusst ist. Doch GC war bis zur Pause kämpferisch einen Tick überlegen.»

Tami bedankt sich bei Fans

Dabei waren die insgesamt harmlosen Zürcher nach nur einem Punkt aus vier Ligaspielen sowie dem Cup-Aus unter dem neuen Trainer Pierluigi Tami ex-trem unter Druck gestanden. «Doch 150 GC-Fans waren heute vor unserem Hotel und sorgten für positive Energie», bedankte sich Tami in der Medienkonferenz nach seinem ersten Sieg mit GC bei den Anhängern.

Unterdessen regte Babbel sich auf: «Das ist eine unnötige Niederlage, in der ersten Halbzeit war es ein zerfahrenes Spiel, wir praktizierten unnötige Ballverluste.»

Zum 0:1 in der 40. Minute, das zugleich das Schlussresultat und die erste Luzerner Niederlage im Jahr 2015 bedeutete, meinte Babbel: «Das ist ein bitteres Gegentor und symptomatisch.» FCL-Goalie David Zibung hatte mit einem Auswurf in die Mitte Adrian Winter in Verlegenheit gebracht, Caio und Matteo Fedele nahmen ihm und Remo Freuler den Ball ab, Caio bekam die Kugel wieder und schoss sie aus spitzem Winkel an Zibung vorbei ins Tor. Babbel nahm seinen Torhüter in Schutz: «David wollte das Spiel schnell machen, einige unserer Spieler waren noch nicht so weit, weil sie vom Kopf her zu träge waren. Doch es hätte danach noch die Möglichkeit gegeben, die Situation zu bereinigen.»

Drei gute Ausgleichschancen

Wie schon letzten Sonntag in Sion, wo der FCL einen 0:2-Rückstand wettmachen konnte, kamen die Zentralschweizer nach der Pause deutlich besser ins Spiel. «Mit der zweiten Halbzeit kann ich leben, da zeigten wir, was wir uns vorgenommen hatten», meinte Babbel. Drei gute Chancen zum Ausgleich spielten sich die Luzerner heraus: Jahmir Hyka schoss nach einer Direktkombination mit Dario Lezcano ins Aussennetz (58.); GC-Mittelfeldspieler Amir Abrashi prüfte seinen Goalie Vaso Vasic, der den Kopfball nicht ersichtlich auf der Linie oder dahinter behändigen konnte (64.); der eingewechselte FCL-Mittelfeldspieler Oliver Bozanic traf nur die Latte (86.).

Doch irgendwie verdiente sich der FCL das Remis nach diesen schwachen ersten 45 Minuten nicht mehr. Gewinnt heute Aarau zu Hause gegen St. Gallen, fällt Luzern sogar wieder auf den letzten Tabellenplatz zurück.

Hinweis

Mehr zur Super League auf Seite 26.