FUSSBALL: FCL wird jünger und hungriger

Luzern hat Claudio Holenstein (23) für die neue Saison verpflichtet. Damit ist die Planung in der Offensive abgeschlossen – ausser Angreifer verlassen den FCL.

Daniel Wyrsch
Drucken
Teilen
Claudio Holenstein in Action; hier gegen Servette-Goalie Roland Müller im September 2013. (Bild: Keystone)

Claudio Holenstein in Action; hier gegen Servette-Goalie Roland Müller im September 2013. (Bild: Keystone)

Die FCL-Profis sind für den vierten Sieg in der Rückrunde belohnt worden. Nicht nur in der Tabelle, wo sie nun auf Platz 4 mit bloss einem Punkt Rückstand auf das drittplatzierte YB stehen, sondern auch in Form von Freizeit. Drei freie Tage hat ihnen Trainer Carlos Bernegger über Ostern gegeben, übermorgen Montag stehen die nächsten zwei Trainings auf dem Programm.

Hinter den Kulissen wird derweil fleissig weitergearbeitet. Sportdirektor Alex Frei und Chefscout Remo Gaugler bereiten die nächsten Transfers vor. Nachdem der FC Luzern am Donnerstag den von unserer Zeitung mehrmals als mögliche Verstärkung angekündigten Claudio Holenstein (23) vom FC Wil als neusten Zuzug per nächste Saison bekannt gegeben hatte, sagte Sportchef Frei: «Die Personalplanungen in der Offensive sind damit abgeschlossen.»

Effizienter Offensivspieler

Holenstein stammt aus der Nachwuchsabteilung des FC Wil und debütierte Ende August 2008 als 17-Jähriger sogleich mit einem Torerfolg gegen Schaffhausen in der Challenge League. Die Saison 2009/10 bestritt der St. Galler beim Kantonsrivalen Gossau. Die letzten vier Saisons hat der polyvalent einsetzbare Offensivspieler wieder beim Stammverein Wil absolviert. Der frühere Nachwuchsinternationale (U 16 bis U 19) erzielte in insgesamt 145 Einsätzen in der zweithöchsten Klasse und im Cup 31 Tore und trug 15 Assists bei. In der laufenden Saison war Holenstein in 28 Ligapartien an 18 Treffern (8 Tore, 10 Assists) beteiligt. Alex Frei über die Verpflichtung Holensteins ab nächster Saison bis Sommer 2017: «Claudio gibt uns weitere Optionen in der Offensive, da er auf beiden Flügelpositionen einsetzbar ist. Er ist hungrig und möchte die Chance sowie die Perspektive beim FCL nutzen.»

Holenstein ist Freis sechster Zuzug im Hinblick auf die nächste Saison. François Affolter (YB), Remo Freuler (Winterthur) und Fidan Aliti (eigene U 21/Old Boys Basel) sind schon in Luzern, Marco Schneuwly (Thun), Ridge Mobulu (Le Mont) und eben Holenstein stossen im Sommer dazu. Da Mobulu wie Holen­stein ein Rechtsaussen ist, der auch am linken Flügel spielen kann, stellt sich die Frage, ob der Kongolese wirklich kommt. Frei erklärt: «Sie sind unterschiedliche Spieler. Sollten die letzten medizinischen Untersuchungen gut sein, wird auch Mobulu kommen.»

Zuffi wird wahrscheinlich absagen

Somit bleiben dem FCL noch zwei zentrale Positionen in der Defensive zu besetzen. Es sieht wohl eher schlecht aus, dass Frei und Bernegger die Chance haben, den auch von GC, Basel und St. Gallen umworbenen Luca Zuffi (24) vom FC Thun zu verpflichten. Der Linksfuss mit Vertrag bis 2015 hat sich in dieser Saison als zentraler Mittelfeldspieler stark weiterentwickelt. In Luzern wird die enorm wichtige Sechserposition als Schaltstation zwischen Abwehr und Angriff nach dem Rücktritt von Michel Renggli frei. Für Zuffi bestünde die Chance, beim FCL den Schritt zu einem im Ausland begehrten Spieler zu machen. Falls der Sohn des früheren YB- und Basel-Stürmers Dario Zuffi (49) dem FCL absagt, bekommt mit Remo Freuler ein anderer in Winterthur ausgebildeter Profi die Chance als Sechser.

Noch weiter hinten, im Zentrum der Abwehr, sucht der FCL an der Seite von Affolter (23) einen kompromisslosen Innenverteidiger. Michael Dingsdag könnte die Lösung sein. Mit seinen 31 Jahren passt der Holländer eigentlich überhaupt nicht zum Konzept einer jungen, hungrigen neuen Mannschaft. Doch wie heisst es so schön: keine Regel ohne Ausnahme. Aber statt des früheren Cupsiegers mit Sion gibt es auch noch jüngere Alternativen. Aus den eigenen Reihen wären dies Aliti und der derzeit verletzte Ferid Matri (beide 20).

Weitere Wechsel sind möglich

Der Umbruch im Luzerner Kader wird im Sommer sicher gross sein. Vergleicht man die Situation mit jener zum Rückrundenstart, werden fünf bis acht Spieler nicht mehr dabei und acht bis zehn Profis neu an Bord sein. Denn neben den bereits bekannten Abgängen und Zuzügen (siehe Auflistung rechts oben) könnte es noch zu weiteren Mutationen kommen. Selbst im Angriff. Sportchef Alex Frei hat zwar erklärt, die Planung in der Offensive sei mit Holensteins Transfer abgeschlossen, er hat dazu aber auch viel sagend ergänzt: «Ausser wir verzeichnen Abgänge.»

Ohne dass Sportchef Frei Namen genannt hätte, kann man sich leicht vorstellen, dass sich der FCL von Adrian Winter, Dario Lezcano oder Jahmir Hyka trotz weiterlaufenden Verträgen trennen könnte, falls andere Klubs sie wollen. Zuletzt haben Hyka und Lezcano Werbung in eigener Sache gemacht. Aber auch Xavier Hochstrasser gehört in die Kategorie von FCL-Profis, die den Verein im Sommer verlassen könnten. Es kann beim FCL in der Transferzeit noch viel passieren.