FUSSBALL: FCL wird überrascht und besiegt

Die Luzerner Serie der Ungeschlagenheit unter Trainer Gerardo Seoane reisst im neunten Spiel: Thun hat eine einzige Topchance, nutzt diese durch Ex-FCL-Stürmer Dejan Sorgic und siegt 1:0.

Daniel Wyrsch, Thun
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Beim letzten Angriff des Spiels schaltet sich auch FCL-Goalie Jonas Omlin (in Hellblau) ein. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Thun, 7. April 2018))

Beim letzten Angriff des Spiels schaltet sich auch FCL-Goalie Jonas Omlin (in Hellblau) ein. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Thun, 7. April 2018))

Daniel Wyrsch, Thun

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Dejan Sorgic konnte sich bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss von den Thuner Fans in der Stockhorn-Arena feiern lassen. Für den früheren FCL-Junior mit mehreren Einsätzen für das Super-League-Team aus der Innerschweiz müssen die Ovationen des begeisterten Publikums eine Genugtuung gewesen sein. Als der 28-jährige Serbe, der im Kanton Zug aufwuchs, die TV-Interviews gegeben hatte und vor die Presse trat, war er allerdings schon wieder der ruhige und überlegte Dejan Sorgic, wie man ihn kennt. Er wollte nichts davon wissen, den FC Luzern in diesem Spiel «gekillt» zu haben.

«Meine Luzerner Zeit ist schon ein paar Jahre her», sagte er. Tatsächlich: Über vier Jahre sind seither vergangen. Dazwischen stand ein Gastspiel bei Schaffhausen und beim SC Kriens, wo er von Thun-Sportchef Andres Gerber nach drei Toren in einem Testspiel gegen Monaco (3:3) in der Zeitung quasi entdeckt wurde. Nach einer Probewoche beim FC Thun durfte er bei den Berner Oberländern Anfang der letzten Saison einen Profivertrag unterschreiben.

Seoane hatte mit einem solch schnellen Gegenstoss gerechnet

Gestern ist Stürmer Sorgic sein fünftes Saisontor gelungen. Ein besonders schöner und wichtiger Treffer. Einen kurzen Moment waren die Luzerner nicht bereit. Grégory Karlen überlief mit dem Ball am Fuss das gegnerische Mittelfeld, passte magistral in den Lauf von Sorgic, der den Ball im richtigen Moment über den herauseilenden Jonas Omlin lupfte. FCL-Trainer Gerardo Seoane konnte Sorgic für diesen Treffer nur gratulieren: «Toll, mit welcher Cleverness Dejan Sorgic das entscheidende Tor erzielt hat.» Seoane stellte aber auch fest: «Wenn ich mir ein Gegentor gegen Thun vorgestellt hätte, wäre es ein solcher Treffer gewesen.» In der Vorbereitung habe er seine Mannschaft explizit auf das schnelle Umschaltspiel der Berner Oberländer eingestellt. Bis auf diese eine Szene in der 78. Minute waren die Innerschweizer gut gestanden, hatten kaum Chancen der Gastgeber zugelassen. Aber einen Moment liessen sie sich überraschen, so konnte Karlen ungehindert durchs Mittelfeld marschieren – und aus der Innenverteidigung kam der sonst gut spielende Stefan Knezevic «einen Schritt zu spät gegen Sorgic», wie Seoane analysierte. Der Torschütze nutzte die Situation aus. «Das Goal freut mich sehr, weil es drei enorm wichtige Punkte für uns im Abstiegskampf bedeutet», so Sorgic. Dass er ausgerechnet gegen Luzern traf, ist für ihn nur eine Randnotiz wert. «Schön ist, dass wir die erste Mannschaft sind, welche den FC Luzern nach einer langen Serie der Ungeschlagenheit besiegen konnte», fand Sorgic und lächelte dabei zufrieden.

Im neunten Spiel unter Seoane riss die Serie der Innerschweizer, vorher hatten sie im Jahr 2018 sechsmal gewonnen und zweimal unentschieden gespielt. Seoane meinte zu seiner ersten Niederlage als FCL-Chefcoach: «Jeder im Sport weiss, dass es Siege und Niederlagen gibt. Achtmal waren wir effizient, ist es stets für uns gelaufen. Niederlagen sind bitter, doch wichtig ist die Leistung.» Mit dieser war er auch gestern mehrheitlich zufrieden. «Wir verteidigten wie immer solidarisch.» In der Offensive sah er Mängel: «Die letzten 20 Meter vor dem Tor hat uns die Durchschlagskraft gefehlt.»

Dazu stand im Thuner Tor mit Guillaume Faivre ein Mann, der die FCL-Abschlüsse von Knezevic (10.), Olivier Custodio (35.), Francisco Rodriguez (49.), Shkelqim Demhasaj (60./90.) und Christian Schneuwly (68.) mit seinem guten Stellungsspiel anzuziehen schien. Seit der 31-jährige Neuenburger wieder zwischen den Pfosten steht, haben die Thuner in den letzten drei Spielen keinen Gegentreffer mehr bekommen und sieben Punkte gesammelt. Bevor Schlusslicht Sion heute in Lausanne antritt, haben die Berner Oberländer sechs Zähler Vorsprung auf die Walliser.

Traditionelle Luzerner Probleme auf der Thuner Plastik-Unterlage

Für den FCL ist dieser Dämpfer aus den Erfahrungen der letzten Jahre nicht besonders überraschend gekommen. Mit dem Kunstrasen in der Stockhorn-Arena haben die Zentralschweizer meist ihre liebe Mühe. Erst zweimal konnten sie dort seit der Stadioneröffnung im August 2011 gewinnen, mit der Niederlage von gestern hat der FCL nunmehr die letzten drei Partien auswärts gegen Thun verloren. Trotzdem ist Seoanes Team immer noch Tabellenvierter.

Thun - Luzern 1:0 (0:0)

5439 Zuschauer. - SR Schärer. - Tor: 78. Sorgic (Karlen) 1:0.

Thun: Faivre; Glarner, Lauper, Sutter, Kablan; Tosetti, Karlen, Hediger, Ferreira (85. Da Silva); Sorgic (92. Facchinetti), Spielmann (71. Hunziker).

Luzern: Omlin; Grether, Knezevic, Cirkovic (44. Schindelholz), Sidler; Voca, Custodio; Schneuwly, Rodriguez (80. Juric), Vargas (71. Wolf); Demhasaj.

Bemerkungen: Thun ohne Bigler, Bürgy, Costanzo, Gelmi, Joss, Nikolic und Schwizer, Luzern ohne Feka, Gvilia, Kryeziu, Lucas, Schmid, Schulz, Schürpf und Schwegler (alle verletzt). Super-League-Debüt von Stefan Wolf (19). Verwarnung: 48. Kablan (Foul).