FUSSBALL: FCSG-Fans drohen mit Boykott

Vor dem Auswärtsspiel des FC St.Gallen bei Luzern gibt es Streit um die 28 Franken, die ein Ticket im Gästesektor der Swisspor Arena kostet. Preissenkung oder Boykott, sagt der Dachverband 1879. Der FC Luzern winkt ab.

Daniel Walt / St. Galler Tagblatt
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Die Fans des FC St. Gallen im Gästefansektor bei einem Spiel vor ein paar Jahren. (Bild: Archiv Neue LZ)

Die Fans des FC St. Gallen im Gästefansektor bei einem Spiel vor ein paar Jahren. (Bild: Archiv Neue LZ)

Am kommenden Sonntag will der FC St.Gallen den Schwung des 3:0-Siegs gegen GC ausnutzen und auch beim bisher sieglosen Schlusslicht Luzern punkten. Dabei müssen die Ostschweizer aller Voraussicht nach auf die Unterstützung des Grossteils ihres lautstarken Anhangs verzichten. Der Dachverband 1879 hat auf seiner Internetseite nämlich ein Communiqué aufgeschaltet, welches dazu aufruft, auf den Besuch des Spiels zu verzichten, sollte mit dem FC Luzern nicht doch noch eine Einigung zum Thema Ticketpreise erzielt werden.

«Nicht mehr länger akzeptieren»

Schon Anfang Jahr kritisierte der Dachverband 1879 gemeinsam mit anderen Fanorganisationen die Ticketpreise in den Gästesektoren: Auswärtige Anhänger zahlten im Schnitt 60 Prozent mehr als Heimanhänger, monierten die Fanverbände damals – und störten sich daran, dass es teilweise für Lehrlinge keine Vergünstigungen gibt. Ihre Forderung lautete: Kein Ticket in einem Gästesektor darf mehr als 25 Franken kosten. Nun teilt der Dachverband mit, dass sich auf die neue Saison hin nichts geändert habe, und schreibt: «Wir können die 28 Franken, die der FC Luzern für den Eintritt in den Gästesektor sehen will, nicht mehr länger akzeptieren, zumal auch hier keine Abstufungen existieren.» Zudem gehöre der Luzerner Gästesektor zu den schlechtesten der Liga. Der Dachverband fordert alle Anhänger zwar auf, nach Luzern zu fahren, bittet sie aber darum, auf den Besuch des Spiels zu verzichten und die Zeit vor dem Stadion zu verbringen, sollte es nicht in letzter Minute noch zu einer Einigung kommen.

Die Forderung steht

«Ein Boykott ist immer schade – speziell natürlich nach dem 3:0 gegen GC», sagt Michael Blatter, Sprecher des Dachverbandes 1879, auf Anfrage. Es gehe aber darum, ein Zeichen gegen Eintrittspreise von über 25 Franken für auswärtige Anhänger zu setzen. Die Sicht im Gästesektor der Luzerner Swisspor Arena sei sehr schlecht, präzisiert er die Kritik aus dem Communiqué – «sie wird durch Plexiglas und Gitterzäune behindert. Je nach Standort sieht man eins der beiden Tore nicht einmal», so Blatter. Die Forderung des St.Galler Dachverbandes steht: Willigt der FC Luzern nicht ein, den Eintrittspreis von 28 auf 25 Franken zu senken, soll der Boykott greifen.

Billettsteuer von zehn Prozent

René Baumann, Medienchef des FC Luzern, weist die Kritik des Dachverbandes 1879 am Gästesektor der Swisspor Arena und den Eintrittspreisen zurück. «Wir haben den Fans auch schon mitgeteilt, weshalb wir bei den Ticketpreisen im höheren Bereich als andere Vereine sind: Wir müssen in der Stadt Luzern eine Billettsteuer von zehn Prozent pro Ticket entrichten», sagt Baumann. Abgestufte Preise für Kinder und Jugendliche seien nur schwer umsetzbar: Die Tickets für den Gästesektor würden jeweils durch die auswärtigen Fanvereinigungen verkauft – «beim Einlass dann Lehrlingsausweise kontrollieren zu müssen, würde zu viel Aufwand verursachen», so Baumann. Er bekennt im Übrigen, dass der Gästesektor sicherlich nicht der beste Standort in der Swisspor Arena sei – aber das sei in jedem anderen Stadion auch so. «Und in Sachen Absperrungen und Netze halten wir uns einfach an die Vorschriften der Liga.»

Wie verhalten sich die Fans?

Für den FC Luzern ist klar: Die Ticketpreise nach der Boykottdrohung des Dachverbandes 1879 einzig für das Spiel gegen den FC St.Gallen zu senken, kommt nicht in Frage. «Wir wollen aber einen vernünftigen Dialog unter Einbezug aller Vereine und der Liga. Ziel müsste es sein, dass die Preise in den Gästesektoren künftig überall dieselben sind.» Was, wenn die St.Galler Fans den vom Dachverband angedrohten Boykott am Sonntag durchziehen und draussen bleiben, wenn man sie nicht für 25 Franken in den Gästesektor lässt? «Verhalten sie sich friedlich, ist das kein Problem.» Das Ganze sei aber unberechenbar – bei einigen Anhängern könne sich auch Enttäuschung darüber bemerkbar machen, dass sie das Spiel nun nicht sähen, obwohl sie Geld für die Anreise ausgegeben hätten.