FUSSBALL: Fehlendes Vertrauen führt zu Rauswurf

Beim FC Luzern geht das muntere Treiben an der Personalfront weiter: Dieser stellt mit Co-Trainer Roland Vrabec (41) den nächsten wichtigen Mann rund um die Mannschaft frei.

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Roland Vrabec geniesst innerhalb der Mannschaft hohes Ansehen. 
Seit gestern ist er allerdings nicht mehr Assistenztrainer von Markus Babbel. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

Roland Vrabec geniesst innerhalb der Mannschaft hohes Ansehen. Seit gestern ist er allerdings nicht mehr Assistenztrainer von Markus Babbel. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

Daniel Wyrsch

FCL-Präsident Ruedi Stäger war gestern am frühen Abend alles andere als erfreut. Die auf dem Newsportal unserer Zeitung veröffentlichte Neuigkeit hatte ihn offensichtlich auf dem falschen Fuss erwischt. «Wir hätten morgen Dienstag informieren wollen. Jetzt verliert die Mitteilung ihre Wirkung», stellte er fest. Die Mannschaft hatte gestern frei. Gerne hätte er sie heute vor dem 15-Uhr-Training über die sofortige Freistellung von Co-Trainer Roland Vrabec (41) informiert. Daraus ist nichts geworden. Nicht wegen der schnellen Medien, sondern weil zahlreiche Spieler grosse Stücke auf den Assistenten von Markus Babbel (43) halten. Natürlich liefen da die Handys der Profis bereits Stunden vor der Bekanntgabe via Medien heiss.

Zum offiziellen Grund für die Freistellung von Vrabec wollte sich Stäger nicht äussern. Später versandte der Verein eine dürftige Medienmitteilung mit der Begründung: «Das Vertrauensverhältnis zwischen Roland Vrabec und Cheftrainer Markus Babbel ist für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht mehr gegeben. Wir werden in den nächsten Tagen den Nachfolger von Roland Vrabec vorstellen.» Vrabec wollte sich zur Freistellung nicht äussern. Im Sommer hätte er den Verein sowieso auf eigenen Wunsch verlassen.

Vrabec und Fringer verstanden sich

Tatsächlich bestehen seit der Freistellung von Ex-Sportchef Rolf Fringer (59) am 7. Januar atmosphärische Störungen zwischen Vrabec und Babbel. Der vormalige St.-Pauli-Trainer Vrabec hatte nach eigenen Aussagen hervorragend mit Fringer zusammengearbeitet. «Rolf und ich haben uns regelmässig über die Mannschaft und unser Spiel ausgetauscht», sagte Vrabec, kurz nachdem Fringer hatte gehen müssen. Vrabec bedauerte dessen Abgang sehr. Zudem hatte Fringer dem FCL-Verwaltungsrat empfohlen, Vrabec per nächste Saison anstelle von Babbel zum neuen Cheftrainer zu machen. Während dieses Begehren Fringer den Job kostete, erhielt Babbel vor knapp zwei Wochen mit der Vertragsverlängerung um zwei Jahre bis Sommer 2018 den absoluten Vertrauensbeweis von Stäger und dem Verwaltungsrat.

Doch statt einen frischen sportlichen Schub auszulösen, verfehlte Babbels neuer Kontrakt bei der Mannschaft bislang vollends die Wirkung. Die beiden Heimspiele gegen Zürich (1:2) und St. Gallen (0:1) gingen verloren. Zusammen mit dem Auftaktspiel in Basel (0:3) ergibt das einen totalen Rückrundenfehlstart mit null Punkten und 1:6 Toren.

Dabei hatte der FCL im Jahr 2015, als Fringer und Vrabec noch zusammen im Amt waren, sehr erfolgreich abgeschnitten: Aus 36 Partien resultierten 60 Punkte. Das hätte in den letzten Jahren über eine ganze Saison mit ebenso vielen Spielen Platz 3 bedeutet. Fringer lobte den fleissigen Co-Trainer: «80 Prozent des Erfolges gehören Roland Vrabec.»

Dagegen waren die Luzerner im Jahr 2014 in den letzten Partien bis zur Winterpause mit Carlos Berneggers Nachfolger Babbel, Chefscout Remo Gaugler und dem damaligen Sport­direktor Alex Frei an der Seitenlinie nur mässig erfolgreich. Aus 7 Spielen resultierten 8 Punkte, und im Cup schied der FCL zu Hause gegen Aarau aus. Jetzt stehen die Innerschweizer im Halbfinal, der am Mittwoch in einer Woche zu Hause gegen Lugano stattfindet.

Man darf gespannt sein, wie sich die Mannschaft am nächsten Samstag (17.45) in Sion präsentiert. Dann wird Babbel das Team allein coachen – möglicherweise mit Gaugler neben sich.

Babbel benötigt starken Co-Trainer

Beobachtungen am Trainingsplatz und bei den Spielen haben längst gezeigt, dass das Duo Babbel/Vrabec nicht mehr harmonierte. Die Ex-Kollegen aus der Trainerausbildung an der Sporthochschule in Köln sprachen kaum mehr miteinander. Für die Spieler war das mühsam, weil sie nicht mehr wussten, wer nun wofür zuständig ist.

Bis zur Freistellung von Fringer hatte Vrabec die Techniktrainings allein vorbereitet und durchgeführt, die taktische Ausrichtung in den Spielen vorgegeben. Babbel hat die Beobachterrolle gewählt und nur punktuell eingegriffen. Dafür spricht nur er mit den Medien. Der Bayer funktioniert nach dem Vorbild eines englischen Klubmanagers. Klar ist: Er benötigt wieder einen emsigen, taktisch cleveren Co-Trainer wie Vrabec.