FUSSBALL: Fink: «Zu Luzern? Nicht jetzt»

Thorsten Fink ist der Wunschkandidat von Alex Frei als neuer FCL-Trainer. Gewesen. Denn: Obwohl Fink betont, «auf einen Job zu brennen», hat er abgesagt.

Daniel Wyrsch
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Will auch in Zukunft bei einem grösseren Verein im Rampenlicht stehen: Trainer Thorsten Fink. (Bild: Keystone / AP)

Will auch in Zukunft bei einem grösseren Verein im Rampenlicht stehen: Trainer Thorsten Fink. (Bild: Keystone / AP)

Sportchef Alex Frei (35) wollte seinen früheren Basel-Trainer Thorsten Fink (46) zum FC Luzern locken. Das war seit dem Spielbesuch des einstigen Profis von Bayern München am 13. August in Vaduz (1:1) offensichtlich. Frei dementierte fast zwei Monate lang, wie es im Fussballgeschäft üblich ist. Bis er am Mittwoch erstmals dazu gestanden ist: «Thorsten Fink ist auf unserer Liste.» Gestern erreichte unsere Zeitung den vormaligen Trainer des Hamburger SV am Handy.

Thorsten Fink, schön, Sie am Telefon zu erreichen. Dann können wir Ihnen gleich die Frage stellen, welche die Anhänger des FC Luzern derzeit am meisten interessiert. Alex Frei hat gesagt, Sie seien oben auf seiner Kandidatenliste für den frei gewordenen Trainerposten, ist das richtig?

Thorsten Fink: (überlegt) Ja, es ist so, ich habe mit ihm geredet. Alex macht total gute Arbeit, auch wenn das gegenwärtig von den Resultaten her nicht so aussieht. Der FC Luzern hatte viel Pech. Für mich kommt ein Engagement in Luzern im Moment nicht in Frage. Ohne despektierlich wirken zu wollen, der FCL ist ein guter Klub mit einem schönen Stadion und begeisterungsfähigen Fans, aber eine Verpflichtung kommt für mich noch zu früh.

Gegenüber Ihren letzten Stationen, beim Bundesliga-Verein HSV und beim FC Basel, wäre der FCL ein Abstieg.

Fink: Wie gesagt, der FC Luzern ist kein schlechter Verein. Es hätte mich natürlich schon gereizt, mit Alex zusammen mittel- oder längerfristig etwas aufzubauen. Aber für meine Karriereplanung wäre es nicht der richtige Schritt gewesen. Offen gestanden wäre es zum jetzigen Zeitpunkt ein Rückschritt gewesen. Das Angebot aus Luzern kommt für mich im Moment zu früh, dabei hat sich Alex sehr bemüht um mich. Wir haben ganz gute Gespräche geführt.

Waren die derzeitige Unruhe beim FC Luzern und die sich abzeichnende unsichere Finanzlage des Klubs ebenfalls Gründe für Ihre Absage?

Fink: Nein, von diesen Dingen habe ich zu wenig Kenntnisse. Ich habe darüber nur in den Zeitungen gelesen. Ich hätte Alex vertraut.

Wann haben Sie Alex Frei abgesagt?

Fink: Das hat nichts zur Sache.

Es wäre interessant, zu wissen, weil Alex Frei noch am Mittwoch darauf hoffte, dass Sie zusagen würden.

Fink:Ich habe ihm gestern Abend (am Mittwochabend; Anm. der Red.) abgesagt.

Sie haben andere Pläne für die Fortsetzung Ihrer Trainerkarriere?

Fink: Wenn ich in die Schweiz zurückkehre, möchte ich wieder um den Meistertitel spielen oder dann in der deutschen Bundesliga einen Job finden. Kontakte zu Klubs gibt es immer wieder, dabei ist auch das eine oder andere Angebot gewesen. Obwohl ich nach einem Jahr ohne Trainerarbeit auf einen Job brenne, muss es passen. Doch ich möchte eine Verpflichtung beim FC Luzern nicht ganz ausschliessen, falls sich bis Januar nichts tut, könnte es immer noch passieren.

Frei hat mit Fink seinen Wunschkandidaten verloren, wie vor 18 Monaten bei seinem Jobantritt, als ihm mit Heiko Vogel (38) ein anderer Ex-Basel-Trainer für die Nachfolge von Ryszard Komornicki eine Absage erteilte. Vogel ist übrigens seit dem letzten Jahr U-19-Trainer beim FC Bayern München.

FCL-Sitzung übers Wochenende

Weder Fink noch Vogel fliegen also zum FCL, obwohl deren früherer FCB- Torschützenkönig dort Sportdirektor ist. Wen kann Frei überzeugen, den Tabellenletzten zu übernehmen? Im Rennen bleibt die günstigere Alternative zu Fink, der vormalige Aarau-Trainer René Weiler (41). Dieser reagiert derzeit nicht auf Journalistenfragen. Bei Ciriaco Sforza (44) ist inzwischen unklar, ob sein Bekenntnis zum FC Wohlen vom Dienstag mehr als nur ein paar Tage Gültigkeit hat. Mit Martin Andermatt (52) scheint ein neuer Name dazugekommen zu sein. Der Trainer von Zug 94 verrät nicht, ob er vom FC Luzern eine Anfrage erhalten hat.

Der Neue kann frühestens am Montag vorgestellt werden. Frei: «Wir haben eine gemeinsame Sitzung mit dem Verwaltungsrat über das Wochenende.» Die Investoren wollen mitentscheiden.