FUSSBALL: François Affolter – vom Buhmann zum Hoffnungsträger

Erst noch wollten sie François Affolter (25) beim FC Luzern «vom Hof jagen». Nach vier Rückrundenspielen ist der frühere Nationalspieler zum solidesten FCL-Verteidiger aufgestiegen. Morgen (20.30) spielt er mit dem FCL im Cup in Aarau.

Daniel Wyrsch
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Luzerns François Affolter (rechts) versucht Basels Mohamed Elyounoussi zu stoppen.Bild: Steffen Schmidt/Freshfocus (Basel, 26. Februar 2017)

Luzerns François Affolter (rechts) versucht Basels Mohamed Elyounoussi zu stoppen.Bild: Steffen Schmidt/Freshfocus (Basel, 26. Februar 2017)

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

François Affolter hat in den ersten vier Spielen der Rückrunde einen Wandel vollzogen. Der am 13. März 26 Jahre alt werdende Bieler ist nicht zum schnörkel­losen Abwehrhaudegen geworden. Er geht auch nicht plötzlich so furchtlos in die Kopfballduelle wie der aussortierte Tomislav Puljic. Doch die haarsträubenden Aussetzer, die ihm in den bislang etwas mehr als drei Jahren beim FCL und schon zuvor bei den Young Boys einen negativen Ruf einbrachten, scheint er hinter sich gelassen zu haben.

Affolter ist der einzige Luzerner Verteidiger, der mit genügender Leistung durch die ersten vier Ligapartien im Jahr 2017 (4:4 in Lausanne, 4:1 gegen YB, 1:1 gegen Thun und zuletzt 1:3 in Basel) gekommen ist. Besonders weil der fünffache Nationalspieler und ehemalige Bundesliga-Crack von Werder Bremen seit dem Spätherbst bei den FCL-Verantwortlichen keinen Kredit mehr genossen hat, ist seine Antwort auf dem Platz erstaunlich.

Der Vorwurf der Selbstüberschätzung

Hinter vorgehaltener Hand wurde gesagt, dass sich der Spieler überschätze und er nicht selbstkritisch sei. Sportkoordinator Remo Gaugler wollte ihn zum Auftakt der Rückrundenvorbereitung lieber heute als morgen loswerden. Weder Steaua Bukarest noch der moldawische Spitzenklub Sheriff Tiraspol verpflichteten den Schweizer Internationalen aus der Ära von Nationalcoach Ottmar Hitzfeld.

Aus Bukarest war zu vernehmen, dass Affolter sich zu leicht einschüchtern lassen würde. Die Geschichte mit dem früheren FCL-Ersatzgoalie Lorenzo Bucchi war den Verantwortlichen beim rumänischen Rekordmeister zu Ohren gekommen. Im Trainingslager vor zwei Jahren in Marbella war der Römer Bucchi über den Westschweizer Affolter nach dessen fehlerhaftem Auftritt in einem internen Testmatch dermassen erbost, dass er ihn vor den anwesenden Reportern hart anfasste. Der Verteidiger wehrte sich nicht. Für die Steaua-Leute offenbar ein Zeichen, dass Affolter in Rumänien auf verlorenem Posten stehen würde. Denn dort kann es in der Meisterschaft öfter sehr rau zu- und hergehen.

Bucchi ist inzwischen Torhüter in Aarau. Zwischenzeitlich hat er seinen Platz an Ulisse Pelloni verloren, doch morgen (20.30) wird im Brügglifeld wahrscheinlich der Ex-Luzerner Bucchi zwischen den Aarauer Pfosten stehen. Also kommt es in diesem Cup-Viertelfinal ziemlich sicher zum Wiedersehen zwischen ­Affolter und Bucchi, welche sich übrigens längst versöhnt haben.

Affolter mit der Chance auf die Revanche gegen Bucchi

Trotzdem dürfte Affolter Lust haben, Bucchi bezwingen zu können. Der muskulöse Innenverteidiger hat in der Rückrunde das Toreschiessen entdeckt. Vorgestern in Basel schoss er aus dem Spielerknäuel heraus trocken den 1:2-Anschlusstreffer. Im ersten Match in Lausanne hatte er einen Corner von Markus Neumayr gekonnt zum 1:0 eingeköpfelt.

Affolter deutet damit erneut an, dass mehr Potenzial in ihm steckt, als man gemeinhin annimmt. Überzeugt von ihm war in Luzern nur einer: Alex Frei. Als Sportchef hatte er seinen ehemaligen Mitspieler aus der Nationalmannschaft von YB zum FCL geholt. Gleich viereinhalb Jahre nahm Frei den spielerisch nicht unbegabten Affolter unter Vertrag. Frei ist schon lange wieder zurück beim FC Basel als U-15-Trainer und wahrscheinlich bald als Mitglied der Transferkommission. Dass er dereinst Affolter zum FCB transferiert, scheint eher utopisch.

Beim FCL läuft Affolters Kontrakt noch bis zum Ende der nächsten Saison. Vom Buhmann ist er innert Wochen zum Hoffnungsträger geworden. Wer weiss, vielleicht schafft es der Romand nun doch, die lange vermisste Konstanz in seine Leistungen zu bringen. Dann könnte im Sommer ein Verbleib in der Innerschweiz sogar wieder ein Thema werden.

Zu verlieren hat Affolter in Luzern nichts mehr. Im Kopf scheint er endlich frei zu sein. Vielleicht spielt er jetzt deswegen ungehemmt. Seine simple Devise lautet: «Ich stehe noch beim FC Luzern unter Vertrag, und so lange das so ist, werde ich für den Verein 100 Prozent geben.»