FUSSBALL: Frei: «Keine astronomischen Transfers»

In rund drei Wochen startet der FC Luzern in die neue Saison. Sportchef Alex Frei nimmt zu den offenen sportlichen Fragen Stellung. Und sagt, wie es seinem Baby geht.

Interview Turi Bucher
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FCL-Sportdirektor Alex Frei. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

FCL-Sportdirektor Alex Frei. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Alex Frei, der FCL hat am letzten Samstag gegen den FC Wil das erste Testspiel 4:3 gewonnen. Welche Eindrücke haben Sie gesammelt?

Alex Frei: Dem FCL-Team hat sicher die Frische gefehlt. Kein Wunder, denn die Mannschaft zieht im Training gut mit, und im Moment wird das Augenmerk halt auf Fitness und Kondition gelegt.

Dass der FCL nach rund einer halben Stunde 0:3 zurücklag, hat aber schon irgendwie einen «Hallo-Effekt» ausgelöst ...

Frei: ... den «Hallo-Effekt» hat die Mannschaft bei mir vor allem erzeugt, als sie mit bereits schweren Beinen das 0:3 noch in ein 4:3 umgewandelt hat. Das hat mir sehr gefallen.

Und es war der erste Auftritt des Australiers Oliver Bozanic, Ihres ersten Transfers für den FC Luzern. Wie hat Bozanic in Ihren Augen gespielt?

Frei: Ich weiss, dass er noch Luft nach oben hat, ich weiss, zu was er fähig ist. Bozanic muss nicht mit Frühform brillieren, der Fokus ist auf das erste Saisonspiel vom 14. Juli gegen Lausanne gerichtet. Das gilt für alle Spieler.

Sie sagen das so, als ob Bozanic seinen Stammplatz schon auf «Nummer sicher» hätte ...

Frei: Nun, zumindest haben wir Bozanic mit dem Gedanken nach Luzern geholt, dass er sich für die Stammformation aufdrängt. Diese Entscheidung liegt dann selbstverständlich beim Trainer.

Wie geht es mit den aktuellen Testspielern Kevin Holz, Almeida Welber und Wellington weiter?

Frei: Diese Frage kommt zu früh, wir haben noch keine Entscheidungen getroffen. Ich kann lediglich sagen, dass alle drei Spieler am Mittwoch in Rothenburg (19.00, Chärnsmatt, Anm. d. Red.) nochmals getestet werden.

Sie möchten YB-Verteidiger Alain Nef nach Luzern holen. Andererseits heisst es, dass Nef zu teuer für den FCL sei. Sind Sie noch in Kontakt mit ihm?

Frei: Ich muss festhalten, dass Nef eine von mehreren Überlegungen ist, wie man ein Team noch besser machen kann. Klar ist, dass ich eine finanzielle Verantwortung gegenüber dem Verein habe. Unter meiner sportlichen Leitung werden keine Transfers in astronomischen finanziellen Dimensionen abgewickelt. Wenn ein Spieler finanziell verantwortbar ist und in die sportliche Planung passt, dann sage ich: «Herzlich willkommen beim FCL.»

Ist der lange Zeit am Knie verletzt gewesene Stürmer Dario Lezcano eigentlich wieder fit? Wird er allenfalls diese Woche in den Testspielen in Rothenburg und am Samstag in Horw gegen Lugano schon eingesetzt?

Frei: Dario Lezcano kann wieder mit der Mannschaft mittrainieren, absolviert gleichzeitig ein separates Aufbautraining. Ihm muss man Zeit geben. Wir hoffen alle, dass seine Leidenszeit vorbei ist.

Sie haben vor einer Woche gewitzt geäussert, dass Sie Lezcano als Ihren zweiten Transfer bezeichnen. Damit sagen Sie irgendwie auch, dass Sie viel von ihm beziehungsweise von seinem Comeback erwarten.

Frei: Als Witz war das nicht gemeint. Es wird viel von ihm erwartet, weil er viel kann. So müssen Sie das betrachten. Aber vor Lezcano befinden sich noch einige andere Spieler zuerst in der Bringschuld.

Namen!

Frei: Es geht nur darum, im Vergleich mit der letzten Saison ein besseres Bild abzugeben. Daher sind alle gefordert und gegenüber dem Verein in der Bringschuld.

Gut. Nehmen wir an, es klappt zum Saisonanfang nicht mit dem Toreschiessen. Dürfen die Fans davon ausgehen, dass Ihr Spielerpass zur Sicherheit beim FCL bereit liegt?

Frei: (schmunzelt) Ich muss die Fans leider enttäuschen. Ich wurde vor wenigen Tagen reamateurisiert, das heisst, ich werde als Stürmer nur noch für die Senioren des FC Biel-Benken spielen. Übrigens zusammen mit meinem ehemaligen FC-Basel-Kollegen Benjamin Huggel.

Wann kommt der Nachwuchschef?

Frei: Einige letzte Details sind noch offen. Und es fehlt noch die Unterschrift.

Wie sieht eigentlich ein normaler Arbeitstag als Sportdirektor des FC Luzern aus?

Frei: Ich bin den ganzen Tag für den FCL unterwegs, aber einen strukturierten, normalen Arbeitstag gibt es so nicht. Einmal bin ich in das Ticketing involviert, ein andermal gilt es, Fragen zum Marketing zu beantworten, Fragen zu sportlichen Belangen sowieso – die diversen Herausforderungen sind von jeglicher Natur. Eines kann ich Ihnen sagen: Es macht unglaublich Spass.

Und Ihre Arbeitszeit?

Frei: Ich stehe um halb sieben auf, gehe normalerweise um acht Uhr auf den Zug. Und in der Regel bin ich zwischen 6 und 7 abends wieder daheim in Binningen.

Sie fahren mit dem Zug nach Luzern? Werden Sie im Zug oft angesprochen?

Frei: Es kommt vor, ja. Aber meistens sind die Leute morgens am Zeitunglesen und abends müde von der Arbeit.

Ihr Töchterchen Lia wird am Mittwoch einjährig. Geht es ihr gut?

Frei: Lia ist bei bester Gesundheit. Sie ist für mich neben meiner Frau, der Familie und neben Freunden der willkommene Ausgleich und die erholsame Ablenkung zum täglichen Fussballbrot.