FUSSBALL: Frei kündigt Trainersitzung an

Der FC Luzern ist mit der 1:3-Niederlage in Sion am Tiefpunkt angelangt. Trainer Carlos Berneggers Zeit dürfte abgelaufen sein. Denn Präsident Ruedi Stäger hat seine Ferien abgebrochen.

Daniel Wyrsch, Sion
Drucken
Teilen
Sportchef Alex Frei ist nach der 1:3-Pleite in Sion fassungslos. Sowohl er als auch FCL-Trainer Carlos Bernegger tragen eine Mitschuld an der sportlichen Misere. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Sportchef Alex Frei ist nach der 1:3-Pleite in Sion fassungslos. Sowohl er als auch FCL-Trainer Carlos Bernegger tragen eine Mitschuld an der sportlichen Misere. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Die Gesetze des Profifussballs sind unerbittlich: Vor neun Monaten wurde Carlos Bernegger (45), mit dem FC Luzern auf Rang 2 platziert, noch gefeiert, gestern verlor er beim 1:3 in Sion mit seiner Mannschaft zum sechsten Mal in dieser Saison und bereits das 17. von 29 Meisterschaftsspielen im Kalenderjahr 2014. Es wird die eine Niederlage zu viel gewesen sein. Denn die Situation der Luzerner ist nach der 11. Runde der laufenden Saison Besorgnis erregend schlecht: sieglos auf dem letzten Tabellenplatz mit vier Punkten Rückstand auf den nächsten Gegner FC Vaduz, der nach der Länderspielpause am Sonntag, 19. Oktober, in der Swissporarena zu Gast sein wird.

Bernegger fehlen die Siege

Bernegger sprach gestern an der Medienkonferenz noch davon, «dass ich nach wie vor in der Lage bin, meine Aufgabe als Trainer des FC Luzern zu erfüllen». Aber natürlich weiss der Schweiz-Argentinier, dass die ausgebliebenen Resultate ihm keine Argumente für den Arbeitsplatzerhalt liefern.

In der Rückrunde der letzten Saison gelangen ihm mit der Mannschaft vor dem grossen Umbruch – im Sommer kamen wie in der gesamten Vorsaison noch einmal neun neue Spieler – immerhin sechs Siege und ein Remis. Diese sicherten dem FCL den 4. Schlussrang und damit einen Platz im Europacup. Doch schon der Auftakt in die laufende Saison misslang mit dem sofortigen Scheitern in der Qualifikation zur Europa League gegen das bescheidene St. Johnstone aus Schottland.

Hatte Bernegger zu wenig Einfluss?

Es tönte schon etwas nach Abschied, als Bernegger nach dem Ende der Medienkonferenz zu einer Handvoll Journalisten sagte: «Ich habe immer gesagt, dass es schwierig sein wird, so viele neue Spieler in recht kurzer Zeit zu integrieren.» Hinter vorgehaltener Hand hatte der gebürtige Südamerikaner auch immer darauf hingewiesen, wie gerne er den abgebrühten, spiel- und abschlussstarken Dimitar Rangelov (31) behalten hätte. Oder auch den kopfballstarken Innenverteidiger Tomislav Puljic. «Alex Frei soll mir einen Besseren bringen», meinte Bernegger im letzten Frühling «off the record» zu unserer Zeitung. Es macht den Anschein, dass sich der vormalige Ausbildungstrainer von Basel, GC und Winterthur in den entscheidenden Personalfragen nicht recht durchsetzen konnte.

Nun ist die im Ausmass unerwartet grosse sportliche Misere da. Der Trainer wird heute, wenn man die ausgesandten Signale aus der Geschäftsführung des FCL richtig wahrnimmt, freigestellt. Präsident Ruedi Stäger (57) ist gestern aus seinen Familienferien in der Südtürkei abgereist und heimgeflogen. Stäger und Sportchef Alex Frei (35) bestätigen, dass in der FCL-Geschäftsleitung eine Sitzung über die Bühne geht. Vielleicht fand sie schon gestern Abend statt. Mit einem Traktandum: der Trainerfrage.

Und Freis Verantwortung?

Stäger hatte bereits vor Berneggers Schicksalsspiel in Sion im Hinblick auf das kapitale Heimspiel gegen Vaduz vom übernächsten Sonntag gesagt: «Wir können die Geduld der Fans nicht beliebig überstrapazieren.» Diese Worte klangen schon wie ein Ultimatum für den angezählten Trainer.

Doch welche Verantwortung an diesem fussballerischen Niedergang trägt der Sportchef? Er hat die neue Mannschaft, die jetzt den Abstiegsrang belegt, in den letzten 18 Monaten zusammengestellt. Alex Frei stand nach der Pleite in Sion hin, er hat sich den Fragen der Journalisten gestellt. Der frühere Profi stellte sich dabei deutlich hinter sein Spielerpersonal: «Die Mannschaft hat Qualität, sie wird diese bald auch zeigen.» Frei wies zudem darauf hin, dass der FCL gestern zum wiederholten Mal 1:0 in Führung gegangen sei. Den Vorsprung konnten die Luzerner jedoch einmal mehr weder ausbauen noch verteidigen. Das hat nicht nur mit fehlender Kaltschnäuzigkeit und Unvermögen im Abschluss, sondern noch mehr mit der schwachen Abwehr zu tun. Vor allem die Innenverteidigung mit Freis Zuzügen François Affolter, Kaja Rogulj (gestern erneut verletzt) und Andrés Lamas ist schlecht. Der Uruguayer verschuldete in Sion das 1:2 mit einem unsäglichen Ballverlust.

30 Dossiers pro Woche

Frei gab zu, dass Probleme in der Defensive bestünden und «dass Andrés der Erste gewesen ist, der am liebsten im Erdboden versunken wäre». Doch Selbstkritik übte der Sportchef nicht betreffend des von ihm entschiedenen Abgangs der Verteidiger Stahel und Puljic. «Mit ihnen kassierten wir im Vorjahr 54 Gegentore.» In 36 Spielen. Das sei zu viel. Nun sind es ohne Stahel/Puljic nach 11 Spielen schon 21 Gegentreffer. Auch Frei trägt seinen Anteil zum schwachen Abschneiden des FCL bei. Wird er seine Konsequenzen ziehen? Der Rekordtorschütze des Nationalteams schaute kurz auf, sagte dann: «Ich werde keine Konsequenzen ziehen. Man ist nicht immer auf der Sonnenseite, und ich habe mich immer den Herausforderungen gestellt. Das mache ich jetzt auch.» Hat Frei einen Plan B, falls er wie erwartet heute den Trainer entlassen wird? «Ich erhalte jede Woche 30 Dossiers von Trainern, die sich uns anbieten.»

Hinweis

Mehr zum Spiel Sion - Luzern und zur Super League lesen Sie auf Seite 26.