FUSSBALL: Fringer ist bestrebt, eine Einheit zu bilden

Luzerns neuer Sportchef Rolf Fringer (57) hat seine ersten Hausaufgaben erledigt. Der Motivator und Kommunikator erklärt, um was es in der Rückrunde geht.

Interview Daniel Wyrsch
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Januar 2015 bis Januar 2016: Rolf Fringer. (Bild: Pius Amrein)

Januar 2015 bis Januar 2016: Rolf Fringer. (Bild: Pius Amrein)

Interview Daniel Wyrsch

Rolf Fringer, Sie wurden vor knapp zwei Wochen zum Sportchef des FC Luzern ernannt. Mit Co-Trainer Roland Vrabec und Rückkehrer Tomislav Puljic haben Sie bereits zum Trainingsauftakt zwei Verpflichtungen getätigt und auch sonst zahlreiche Gespräche geführt. Über die Festtage scheint beim FCL einiges passiert zu sein.

Rolf Fringer: Ich habe seit Weihnachten gearbeitet, wir hatten viele Sitzungen, ich traf mich mit dem Trainer, wir tauschten uns oft mit dem Präsidenten aus. Es ist wichtig, dass Ruedi Stäger, Markus Babbel und ich eng zusammenarbeiten, dass wir drei den sportlichen Bereich leiten und im Griff haben. Wir haben zusammen Assistenztrainer Roland Vrabec verpflichtet und Innenverteidiger Tomislav Puljic zurückgeholt. Jetzt wäre es gut, wenn noch eine weitere Verstärkung hinzukommen würde.

Sprechen Sie eine Verpflichtung des mit 13 Saisontoren führenden Schützen der Challenge League, Cristian Ianu, an?

Fringer: Die Sachlage präsentiert sich recht schwierig. Cristian Ianu gehört Lausanne. Ich habe gemeint, er sei frei, das wurde mir so gesagt. Doch dem ist nicht so, wir können natürlich nicht eine grosse Ablösesumme bezahlen. Darum müssen wir einen möglichen Transfer von Ianu mehr als offen lassen. Dann müssen wir schauen, wer allenfalls weggehen könnte. Das Ziel ist, den einen oder anderen Spieler abzugeben allein aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Der neue Sportchef wirbelt wie vor sechs Jahren, als Sie FCL-Trainer waren und den Klub vor dem Abstieg retteten. Bereits geht der Spruch herum: «Mit Fringer gehts ringer.» Zum Trainingsauftakt gibt es viel Sonnenschein, das Stimmungsbarometer steigt. Oder täuscht der Eindruck?

Fringer: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich habe zum Start der Vorbereitung einfach Freude gehabt und darf sagen, dass ich mich extrem auf die neue Herausforderung freue. Normalerweise ist das einem anzusehen, je nachdem, was man macht. Ich habe nach dem Präsidenten zur Mannschaft gesprochen und kurz Revue passieren lassen, was es alles braucht, wie damals vor sechs Jahren. Dass man bereits am ersten Trainingstag bereit sein muss, wenn man oben bleiben will, und nicht irgendwann später. Was es von der Mentalität her alles braucht; ich habe von Herzblut, Charakter und Topeinstellung gesprochen. Man muss für den Teamkollegen durchs Feuer, aber nicht mit dem Mundwerk, sondern mit Leistung. Ich wollte den Input geben, dass es nicht reicht, zu warten, bis etwas passiert, denn in unserem Fall reicht warten nicht, da muss man aktiv sein. Wir müssen mehr machen als die anderen.

Das Startprogramm zur Rückrunde hat es in sich: Nach YB und St. Gallen kommt es im Abstiegskampf in einer Folge zu den Direktduellen gegen Aarau, Sion, GC und Vaduz. Das heisst: Nach sechs Runden sieht man, wohin die Reise des FCL geht.

Fringer: Das ist so, ein guter Start ist immer positiv. Aber man kann nicht alles auf einzelne Spiele setzen. Wir müssen in der Vorbereitung ein gutes Gefühl bekommen. Grundsätzlich muss man sich im Leben den Erfolg verdienen, das hat sehr viel mit Einstellung und Charakter zu tun. Das und Solidarität bis zum Gehtnichtmehr braucht es jetzt. Dann müssen wir bereit sein, in jedem Match an die Grenzen zu gehen und das Maximum herauszuholen. Oberste Maxime hat jetzt, sich die Sicherheit im Training zu holen, damit wir parat sind, und dass wir aufgeladen sind, wenn es in einem Monat losgeht. Mit ein bisschen «tschüttelen» ist es vorbei, da hast du keine Chance.

Sie zollen den Gegnern wie Vaduz und Aarau viel Respekt.

Fringer: Dieses Jahr hat es kein schlechtes Vaduz, wie wir es damals hatten. Es hat auch kein Lausanne und Servette aus den letzten Jahren mehr. Die Teams, die hinten stehen, können alle eine Siegesserie hinlegen. Den Letzten, der abgeschlagen ist, gibt es in dieser Saison nicht. Sion mit seinen Möglichkeiten kann durchaus eine Superserie machen, Aarau hat nur am Schluss geschwächelt mit all den Problemen und Verletzten. Und Vaduz hat gestrahlt nach dem letzten Sieg, die Liechtensteiner sind mit ihrer Topmoral eben auch gefährlich.

In Luzern hiess es während der gesamten Vorrunde, die Mannschaft hat viel mehr Potenzial als Punkte.

Fringer: Reden allein bringt nichts, die Tabelle lügt nicht. Wenn einer meint, wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben, dann ist dessen Denken völlig falsch. Es braucht die Anstrengungen von allen, von den Spielern vom ersten Trainingstag bis zum letzten, und im Gesamtverein müssen wir eine Einheit von A bis Z demonstrieren. Dann haben wir, davon bin ich überzeugt, gute Chancen, in der Super League zu bleiben.

Trainer Markus Babbel hat betont, wie wichtig im Verein das Ziehen an einem Strang ist. Wie schaffen Sie es, die bekanntlich schnell nervös werdenden Investoren hinter sich, den Trainer und das Team zu bringen?

Fringer: Ich habe bereits beim Amtsantritt aufgezeigt, wie wichtig es ist, eine Einheit von oben bis unten zu sein, wenn man gute Resultate erzielen will. Da habe ich wirklich genug Erfahrungen gemacht, ich spüre schnell, ob in einem Klub nichts zu gewinnen oder viel mehr möglich ist, als alle denken. Mein Bestreben ist, dass wir in der Klubleitung eine Einheit sind, dass wir das im Staff sind und vorleben und der Mannschaft weitergeben.

Sitzen Sie an den Spielen auf der Bank oder auf der Tribüne?

Fringer: Ich bin genug lang am Spielfeldrand gewesen, jetzt schaue ich die Spiele von der Tribüne aus an. Derzeit stehe ich als Sportchef noch im Fokus, weil es notwendig ist. Später möchte ich mich etwas zurücknehmen und vor allem strategisch für den Gesamtverein arbeiten.

Dave Zibung im Gespräch mit Tomislav Puljic (rechts). (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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FCL-Trainer Markus Babbel (links) mit seinem neuen Assistenten Roland Vrabec. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
FCL-Präsident Ruedi Stäger (links) und Sportchef Rolf Fringer. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
Tomislav Puljic (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
Trainingsstart des FCL auf dem Kunstrasenplatz auf der Allmend. Auf dem Bild zu sehen ist Trainer Markus Babbel (Bart) mit seinem Assistent Roland Vrabec. Das Bild entstand am Montag, 5. Januar 2015. (Pius Amrein / Neue LZ) FCL, Fussball, Training (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
FCL-Trainer Markus Babbel (links) mit seinem neuen Assistenten Roland Vrabec. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
Ist zurück: Tomislav Puljic. (Bild: Keystone)
Beobachten das 1. Training nach der Winterpause: FCL-Präsident Ruedi Stäger (links) und Sportchef Rolf Fringer. (Bild: Keystone)
Sportchef Rolf Fringer (Bild: Keystone)
Trainer Markus Babbel leitete das Training. (Bild: Keystone)
Tomislav Puljic beim Balltraining. (Bild: Keystone)
Bryan Rabello (Bild: Keystone)
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Dave Zibung im Gespräch mit Tomislav Puljic (rechts). (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)