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FUSSBALL: Gaugler erklärt das FCL-Scouting

Am Wochenende trifft sich die Spitze des nationalen Nachwuchsfussballs mit ausländischen Topteams auf der Allmend zum Pfingst- Masters. FCL-Chefscout Remo Gaugler (46) wird dabei nach Talenten spähen.
Remo Gaugler (rechts) klatscht sich am Dienstag nach dem Training mit den FCL-Goalies Jonas Omlin (links) und David Zibung ab. Zu seinem Aufgabengebiet gehört auch die Beobachtung der Gegner. (Bild Roger Grütter)

Remo Gaugler (rechts) klatscht sich am Dienstag nach dem Training mit den FCL-Goalies Jonas Omlin (links) und David Zibung ab. Zu seinem Aufgabengebiet gehört auch die Beobachtung der Gegner. (Bild Roger Grütter)

Interview Claudio Zanini

Remo Gaugler, wie viele Stunden pro Woche stehen Sie auf dem Fussballplatz?

Remo Gaugler* (lacht): Fragen Sie mich lieber, wie viele Stunden ich nicht auf Fussballplätzen bin das wäre einfacher zu berechnen.

Okay. Welche Spiele sehen Sie sich in dieser Woche an?

Gaugler: Am Montag die Challenge-League-Partie Wohlen gegen Servette. Am Dienstag unsere U 21 gegen YB, am Mittwoch und Donnerstag steht Super League auf dem Programm: Grasshoppers gegen Sion und Young Boys gegen FC Luzern. Am Freitag schaue ich mir das 1.-Liga-Spiel Schötz gegen Sursee an. Am Wochenende werde ich am Pfingst-Masters präsent sein.

Und dann ist möglich, dass am Sonntagabend nach dem Pfingst-Masters ein Zwölfjähriger in Ihrer Datenbank landet?

Gaugler: Ich bin sicher nicht am Pfingst-Masters, um Talente umgehend zum FC Luzern zu lotsen. Mein grundsätzlicher Anspruch ist es, jeden Spieler in der Schweiz zu kennen. Je früher ich den Spieler kenne, desto vollständiger ist mein Bild von ihm, wenn er älter ist. Jedem Spieler kann ich somit zu einem späteren Zeitpunkt eine Geschichte zuordnen.

Konkretes Beispiel: Ein Spieler vom Team Sempachersee imponiert Ihnen. Wird der gespeichert?

Gaugler: Das kann durchaus sein, ja. Ich will immer die Geschichte hinter einem Talent sehen. Dafür muss ich wissen, wo er die fussballerische Ausbildung gemacht hat und wie sein weiterer Weg verläuft. Aber das Pfingst-Masters ist nicht ein Spieler-Basar. Es geht vor allem darum, den FCL als Club zu präsentieren an einem der wichtigsten Juniorenturniere Europas.

Einige Topteams werden auf die Allmend kommen, darunter Liverpool oder Lyon. Erwarten Sie viele ausländische Scouts?

Gaugler: Ich glaube nicht, dass Scouts aus dem Ausland hier sein werden und auf die jungen Spieler losgehen. Die Schweizer Vereine werden sicher präsent sein, da die besten Juniorenmannschaften des Landes am Turnier teilnehmen.

Kann es sein, dass junge Talente bereits an ihre Vereine gebunden sind?

Gaugler: Nein. Verträge oder Agreements wären rechtlich gar nicht gültig. Ich kann einen Spieler in diesem Alter nicht verpflichten. Das geht viel gesitteter zu und her, als sich manche vorstellen.

Zudem dürfte ein talentierter Junior von Basel, Zürich oder YB kaum für den FCL in Frage kommen.

Gaugler: Es macht auch keinen Sinn, ein Talent dieser Vereine nach Luzern zu holen mit der Meinung, dass wir hier alles besser machen. Grundsätzlich gibt es viele gute Ausbildungsplätze in der Schweiz, und es bestehen Gentlemen Agreements unter den Clubs. Trotzdem ist wichtig, dass wir solche Talente auf dem Radar haben. Angenommen, diese Spieler verpassen in der U 18 oder U 21 den Sprung ins Profiteam, werden sie für uns wieder interessant.

Heisst das, Sie müssen sich auf die Zentralschweiz beschränken, wenn Sie junge Talente zum FCL holen wollen?

Gaugler: Das ist so und soll auch so sein. Im Jugendalter bis zu den C-Junioren (13. /14. Lebensjahr, Anm. d. Red.) konzentrieren wir uns nur auf die Region. Dieses Scouting übernehmen zwei Angestellte von mir. Mit der Löwenschule haben wir ein gutes Gefäss. So müssen Spieler aus der entfernteren Umgebung nicht nach Luzern kommen fürs Training. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche möglichst lange in ihrem sozialen Umfeld bleiben.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Clubs in der Zentralschweiz aus? Klingelt bei Ihnen ein Trainer durch und bietet den Spielmacher seiner C-Junioren an?

Gaugler: Diese Zusammenarbeit könnte besser sein, das liegt jedoch nicht an den Clubs in der Region. Die Innerschweizer Vereine müssen sich in dem Projekt FC Luzern integriert fühlen. Mir fehlt aber ein wenig die Identifikation mit dem FCL. Das bin ich mir aus Basler Zeiten anders gewohnt. Es wäre schön, wenn wir diesbezüglich enger zusammenarbeiten würden. Sodass wir nicht einen talentierten C-Junioren entdecken müssen, sondern dass wir von seinem Verein aufmerksam gemacht werden.

Ihr Netzwerk dürfte also von grosser Bedeutung sein.

Gaugler: Ich habe beim FC Basel 16 Jahre im Nachwuchsbereich gearbeitet, natürlich sammeln sich da Kontakte an. Das ist zwingend notwendig für meine Funktion. Kürzlich hat mich ein befreundeter Trainer angerufen und mir seinen Stürmer für unsere erste Mannschaft empfohlen. Den laden wir nun zum Probetraining ein.

In welchen Ländern suchen Sie für die erste Mannschaft nach Spielern?

Gaugler: Im Ausland scouten wir vor allem in Deutschland, Österreich, Frankreich, Skandinavien und Slowenien. Das sind aber meist punktuelle Beobachtungen. Bei Jakob Jantscher wussten wir etwa, dass er einen auslaufenden Vertrag bei Nijmegen hat, und beobachteten ihn. In der Schweiz kümmere ich mich um die Super League, Challenge League, Promotion League und die 1. Liga.

Wie oft sind Sie auf Auslandreisen?

Gaugler: Das beläuft sich wahrscheinlich auf fünf Tage im Monat. Ich begleite ausserdem die Jugend-Nationalteams bei allen Spielen. Aber zum Scouting gehört vor allem auch die Vor- und Nachbereitung unserer Spiele. Ich beobachte die Gegner und liefere die gewonnenen Informationen an Cheftrainer Markus Babbel.

Auch Sie waren Trainer etwa von Xherdan Shaqiri oder Ivan Rakitic. Stehen Sie noch in Kontakt mit diesen Spielern?

Gaugler: Natürlich. Rakitic lud mich ans Champions-League-Hinspiel gegen Bayern München nach Barcelona ein. Yann Sommer und Granit Xhaka besuchte ich beim Spiel Gladbach gegen Leverkusen. Doch ich habe auch Kontakt zu ehemaligen Spielern von mir, die es nicht ganz nach oben geschafft haben.

* Remo Gaugler wohnt in Liestal und ist ledig. 1997 wechselte er als Juniorentrainer vom FC Bubendorf in die Nachwuchsabteilung des FC Basel. Dort half er mit, den Bereich Nachwuchsfussball aufzubauen und wurde später Leiter Préformation und U-15-Trainer. Von 2009 bis 2013 trainierte er die U 18 beim FCB. Seit Januar 2013 amtet Gaugler als Chefscout beim FC Luzern zwischenzeitlich war er Assistenztrainer der 1. Mannschaft. Gaugler trainierte Spieler wie Ivan Rakitic, Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Yann Sommer oder die Degen-Zwillinge.

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