FUSSBALL: «Gazzetta» feiert FCL-Stürmer

Im Zuge von Mohamed Salahs Transfer zu Chelsea rückt der FCL-Ägypter Mahmoud Kahraba in den internationalen Fokus: Italiens «Gazzetta dello Sport» zelebriert ihn als Salah-Nachfolger.

Daniel Wyrsch
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Kahraba versetzt Luzern einen Stromstoss, titelt die «Gazzetta». (Bild: Keystone / Neue LZ)

Kahraba versetzt Luzern einen Stromstoss, titelt die «Gazzetta». (Bild: Keystone / Neue LZ)

Die rosarote italienische Sportbibel «Gazzetta dello Sport» titelte in ihrer gestrigen Ausgabe: «Der Ägypter versetzt Luzern einen Stromstoss.» Gemeint ist Mahmoud Abdel-Moneim (19), dessen Künstlername Kahraba ist und der auf Ägyptisch so viel wie Elektrizität heisst – oder eben Stromstoss bedeutet. Das kommt von seinen explosiven, «stechenden Bewegungen im Strafraum», wie FCL-Trainer Carlos Bernegger Kahrabas Spielstil erklärt.

Die Sportzeitung, die 90 Prozent ihres Inhalts dem Fussball widmet, feiert Kahraba schon nach 4 Super-League-Toren in 10 Spielen mit 422 Minuten Einsatzzeit als neuen Salah. Bekanntlich ist Kahrabas ägyptischer Landsmann Mohamed Salah (21) letzte Woche deutlich vor Xherdan Shaqiri (für 15 Millionen Franken im Sommer 2012 zu Bayern München transferiert) zu Basels Rekordtransfer avanciert. Dem FCB sind durch den Verkauf von Salah an den FC Chelsea 20 Millionen Franken Ablöse sicher.

Alex Frei reagiert kritisch

Da stellt sich FCL-Sportchef Alex Frei (34) die Frage, ob er insgeheim darauf hoffe, Kahraba dereinst ebenfalls für eine zweistellige Millionensumme in eine europäische Topliga verkaufen zu können. Der frühere Dortmund-Stürmer Frei reagiert leicht gereizt: «Bisher habe ich immer gedacht, die ‹Gazzetta dello Sport› sei ein Fachblatt. Jetzt zweifle ich daran.» Kahraba ist seiner Meinung nach noch lange nicht so weit, dass er mit Salah verglichen werden kann. Frei kennt den neuen Chelsea-Angreifer aus der gemeinsamen letzten Saison beim FC Basel bestens. Ausserdem erklärt der FCL-Sportchef: «Solange ein Spieler weder Champions League noch Europa League gespielt hat, ist ein Marktwert wie jener von Salah schlicht undenkbar – es sei denn, wir haben einen Jungen, der 30 Liga-Tore pro Jahr erzielt.»

Frei und der FC Luzern haben die schwierige Aufgabe, Kahraba nicht abheben zu lassen. Gestern drehte ein Fernsehteam mit dem Supertalent, für das die FCL-Investoren um Samih Sawiris im Sommer eine Kaufoption bei Enppi Kairo einlösen können, eine Vorschau auf den Rückrundenstart vom Sonntag (13.45) gegen GC. Der 19-jährige Nordafrikaner steht seit Salahs Wechsel mehr den je im medialen Fokus.

Ein Übersetzer für Kahraba

Paradox mutet an, dass FCL-Trainer Carlos Bernegger (44) im Trainingslager in Marbella Kahraba als einzigen Kaderspieler kritisierte. «Er war mit seinen Gedanken in Ägypten.» Doch bekam man als aufmerksamer Beobachter den Eindruck, der junge, quirlige Fussballer verstehe nicht recht, um was es bei der Vorbereitung dieses straff geführten Profiteams überhaupt gehe. Selbstkritisch stellt Bernegger nun fest: «Ich hätte einen Dolmetscher für Kahraba ins Camp mitnehmen sollen.»