FUSSBALL: Gefährliche Konflikte neben dem Platz

Der FC Luzern steht am Ende auf Platz 4. In der Rückrunde hat sich gezeigt, wie labil das Team ist. Und: Sportchef Alex Frei trägt nicht zur Beruhigung bei.

Daniel Wyrsch
Drucken
Teilen
Mit Goalie David Zibung (links) kann Alex Frei über alles reden – bei anderen FCL-Spielern kommt seine Vorgehensweise nicht gut an. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Mit Goalie David Zibung (links) kann Alex Frei über alles reden – bei anderen FCL-Spielern kommt seine Vorgehensweise nicht gut an. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Alex Frei (34) hat sich als Fussballer grossen Respekt erarbeitet. Er setzte sich bei Rennes in der Ligue 1 ebenso durch wie später bei Borussia Dortmund in der Bundesliga. Jürgen Klopp (47), Dortmunds Erfolgstrainer, sagt über den Stürmer Frei voller Anerkennung: «Alex hat bei uns einen Ruf wie ein Donnerhall.» Und damit nicht genug. Frei ist mit 42 Toren Rekordschütze des Nationalteams und hat gegen Ende seiner Karriere mit dem FC Basel in der Champions League Manchester United und Bayern München besiegt.

Vom Platz wechselte er vor 14 Monaten ins Büro des Sportchefs beim FC Luzern. Frei holte Trainer Carlos Bernegger (45). Die beiden erreichten bis zum Ende des letzten Jahres alles, was eine sportliche Leitung mit diesem Team erreichen kann: Platz 2 mit nur einem Punkt Rückstand auf Serienmeister Basel und Einzug in den Cup-Halbfinal.

Trotz Platz 2 folgt die Unruhe

Doch bevor es in die Rückrunde ging, zogen dunkle Wolken auf. Frei gab bekannt, dass er die auslaufenden Verträge der Innenverteidiger Tomislav Puljic und Florian Stahel nicht verlängert. Kurze Zeit später sickerte durch, dass Dimitar Rangelov ebenfalls nicht bleiben darf. Für Philipp Muntwiler (zu Vaduz) und Daniel Gygax (Aarau) fand man schnell Lösungen während der Saison. Doch Michel Renggli durfte zwischenzeitlich nicht mehr von Anfang an eingesetzt werden, weil sich sein Vertrag beim Erreichen einer bestimmten Anzahl Spiele automatisch verlängert hätte. Er erhielt schliesslich einen Vertrag als U-14-Nachwuchstrainer und unterschrieb eine Erklärung zum Verzicht auf die Option. Vor den letzten zwei Spielen wurde bekannt, dass Rangelov eine ähnliche Vereinbarung besass und auch er intern für eine Partie gesperrt worden wäre – wenn der beste FCL-Goalgetter (11 Tore) nicht verletzt gewesen wäre.

Das Talent Mahmoud Kahraba (20) wurde nach dem Ausscheiden im Cup-Halbfinal in Basel nach Ägypten heimgeschickt, der Vertrag per sofort aufgelöst – trotz einer definitiven Kauf­option des FCL, die bei einem Weiterverkauf Millionen in Luzerns Klubkasse hätte spülen können. Es hiess, der Stürmer mit sieben Saisontoren sei nicht führbar und zu undiszipliniert. Kahraba hatte Frei nach dem Cup-Match beschimpft.

Stäger fordert Fingerspitzengefühl

Schon vor dem Halbfinal hatte es in der Mannschaft rumort, weil Frei die Cup-Prämie bis zum allfälligen Finalsieg als Ansporn zurückbehalten wollte. Das war arbeitsrechtlich nicht möglich. Der FCL-Sportchef sagte zu unserer Zeitung zur Prämienfrage: «Ich mache nur meinen Job, diesen aber so, wie ich will und es für richtig halte.»

All diese Konflikte neben dem Platz kosteten viel Energie. Die Leidtragenden waren Carlos Bernegger – und die Luzerner Mannschaft. Statt nur vier Spiele wie in der Hinrunde gingen in der Rückrunde elf Partien verloren. Für Frei liegts nicht am radikalen Umbruch. «Die letzten vier Jahre hat es beim FC Luzern mit einer Ausnahme immer einen Einbruch gegeben.»

Präsident Ruedi Stäger scheint vorsichtiger geworden zu sein: «Der Umbruch ist keine Hauruck-Übung.» Dazu brauche es «Geduld von allen» und «Fingerspitzengefühl».

Freis Qualitäten als Profi sind unumstritten. Als Sportchef muss er erst beweisen, dass er aus Fehlern lernt.

 Zuschauerrückgang in der Liga - auch beim FCL

Si/dw. Ein Jahr nach dem Zuschauer-Rekord verzeichnete die Super League in der abgelaufenen Saison 2013/14 einen Zuschauer-Rückgang von über 10 Prozent. 224 000 Fans weniger als im Vorjahr passierten die Drehkreuze der zehn Stadien. Nur die beiden Berner Klubs BSC Young Boys und der FC Thun verzeichneten einen leichten Aufschwung.

Mit 10 772 Zuschauern pro Spiel ist der Schnitt für ein kleines Land zwar immer noch beachtlich, doch müssen die neusten Zahlen zu denken geben. Weniger Zuschauer hatte die Super League letztmals 2008/09. Das war die Saison, als der FC St. Gallen in der Challenge League spielte und der FC Luzern seine Heimspiele noch im alten Allmendstadion austrug.

Sogar in der Saison 2011/12, in der aufgrund des Konkurses von Xamax 18 Spiele weniger stattfanden und in der das Rennen um den Meistertitel auch wegen des Punkteabzugs gegen den FC Sion schon Wochen vor dem Saisonende entschieden war, sahen mehr Zuschauer die Spiele der höchsten Klasse.

FCL verliert im Schnitt 1094 Fans

Neben Serienmeister FC Basel verloren auch Luzern, Cupsieger FC Zürich, die Grasshoppers, Sion und Absteiger Lausanne mehr als 1000 Zuschauer pro Spiel. Geradezu dramatisch ist der Zuschauerschwund bei den beiden Westschweizer Klubs, die einen Rückgang von mehr als einem Drittel verzeichneten. Der FC Sion begrüsste so wenige Fans wie noch nie seit dem Wiederaufstieg vor acht Jahren.

Beim FC Luzern verlor man im Schnitt 1094 Besucher pro Spiel im Vergleich zum Vorjahr. Waren es in der Saison 2012/13 noch 12 385, sind es in der abgelaufenen Spielzeit noch 11 291 Zuschauer gewesen. Der FCL versucht vor allem die 6000 Jahreskartenbesitzer mit verschiedenen Zusatzangeboten weiter bei der Stange zu halten. Für die Gegentribüne wurden verschiedene Preiskategorien eingeführt. Am Schluss entscheidet aber das Gebotene auf dem Rasen, ob die Leute zu den Heimspielen kommen. 

Dimitar Rangelov: Note 5 
Das Spiel ist heuer auf ihn zugeschnitten. In 31 Spielen (inklusive Cup) erzielt er 17 Tore, kämpft und passt. Dem FCL ist er zu teuer, er erhält kein neues Angebot.
 Spiele: 26 (2176 Minuten). Tore/Assists: 11/5. Rote Karten: 2. Gelbe Karten: 5. (Bild: Philipp Schmidli)
24 Bilder
Adrian Winter: Note 4,5 
Kämpferisch und läuferisch bringt der Flügelspieler seine Leistung immer. Die Einstellung ist top. Spielerisch und technisch gibt es aber ein paar Abstriche.
 Spiele: 36 (2934 Minuten). Tore/Assists: 5/8. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 2. (Bild: Philipp Schmidli)
Michel Renggli: Note 4,5 
Für die Mannschaft ist der Captain auf der Sechserposition oft wertvoll. Zum Saison- und Rückrundenstart ist er jedoch ziemlich behäbig. Karrierenende.
 Spiele: 27 (1946 Minuten). Tore/Assists: 1/2. Rote Karten: 1. Gelbe Karten: 2. (Bild: Philipp Schmidli)
Remo Freuler: Note 4,5 
Kompliment an den FCL-Neuling. Nach zwei Jahren bei Winterthur in der Challenge League macht er im Luzerner Mittelfeld meist eine gute Figur.
 Spiele: 12 (915 Minuten). Tore/Assists: 1/2. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 3. (Bild: Philipp Schmidli)
Alain Wiss: Note 4,5 
Macht auf dem Platz einen grossen Schritt zur Persönlichkeit. Ist kämpferisch immer bereit, macht zwei Klasse-Kopfballtore. Spielerisch mit Luft nach oben.
 Spiele: 26 (1806 Minuten). Tore/Assists: 3/2. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 6. (Bild: Philipp Schmidli)
Jahmir Hyka: Note 4,5 
Mit seinem Traumtor zum 1:0-Sieg gegen St. Gallen deutet er an, was in ihm steckt. In mehreren Spielen der Rückrunde agiert er wie eine Teamstütze.
 Spiele: 30 (1581 Minuten). Tore/Assists: 2/4. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 0. (Bild: Philipp Schmidli)
Yassin Mikari: Note 4,5 
Seine Einsatzzeit ist enttäuschend, denn er war selten verletzt und wurde als Stammspieler geholt. Immer wieder, vor allem am Schluss, blitzt seine Klasse auf.
 Spiele: 30 (1776 Minuten). Tore/Assists: 2/3. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 3. (Bild: Philipp Schmidli)
Mahmoud Kahraba: Note 4,5 
Mit sieben Toren und einem Assist in 900 Minuten sehr effizient. Kein Teamplayer. Der FCL kann ihn nicht führen, der Vertrag wurde aufgelöst.
 Spiele: 16 (900 Minuten). Tore/Assists: 7/1. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 4. (Bild: Philipp Schmidli)
Lorenzo Bucchi: Note 4,5 
Der Ersatztorhüter hat in seinen Partien Sicherheit ausgestrahlt. Für eine schlüssige Beurteilung sind 190 Einsatzminuten zu wenig, dazu braucht es 20 Spiele. 
Spiele: 3 (190 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Haxhi Nezirj: Note 4 
Dem Seetaler gelingen im letzten Saisonmatch gegen Thun eine auffällige Leistung und der einzige Assist. Schade, ist er längst nicht immer so engagiert.
 Spiele: 8 (223 Minuten). Tore/Assists: 0/1. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Dario Lezcano: Note 4 
Beim Paraguayer gibt es praktisch keine Grauzone, nur schwarz und weiss. Entweder spielt er schwach oder mit der Klasse eines internationalen Stürmers.
 Spiele: 27 (1288 Minuten). Tore/Assists: 5/3. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 3. (Bild: Philipp Schmidli)
Sava Bento: Note 4 
Schafft nach zweieinhalb Jahren das Super-League-Comeback. Richtig durchzusetzen vermag er sich nicht, der technisch Begabte bleibt wohl im Team.
 Spiele: 6 (205 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 0. (Bild: Philipp Schmidli)
Xavier Hochstrasser: Note 4 
Scheint beim Trainer schlechte Karten im Mittelfeld zu haben. Als rechter Aussenverteidiger macht er sich nicht schlecht, zum Schluss ist er verletzt.
 Spiele: 14 (1033 Minuten). Tore/Assists: 0/1. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 3. (Bild: Philipp Schmidli)
Fidan Aliti: Note 4 
Der Neuling spielt erstaunlich gute erste Partien in der Super League. Bisweilen muss er seine Nervosität ablegen können - wie zum Beispiel in Basel.
Spiele: 8 (417 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Sally Sarr: Note 4 
Hervorragende und schwache Leistungen wechseln sich immer noch zu oft ab. Hin und wieder gehen ihm das taktische Gespür und das Stellungsspiel ab.
Spiele: 23 (1769 Minuten). Tore/Assists: 1/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 4.  (Bild: Philipp Schmidli)
Claudio Lustenberger: Note 4 
Der dienstälteste Feldspieler zeigt eine gute Vorrunde, die Rückrunde misslingt ihm wie dem Team. Holt er wie gegen Thun alles aus sich heraus, ist er wertvoll.
Spiele: 27 (2276 Minuten). Tore/Assists: 1/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 9.  (Bild: Philipp Schmidli)
Tomislav Puljic: Note 4 
Für den Abwehrchef ist es eine schwierige Saison, da früh klar ist, dass er gehen muss. Zwei Eigentore sind kein Zufall. Insgesamt hält er sich passabel.
Spiele: 34 (2995 Minuten). Tore/Assists: 2/3. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 7.  (Bild: Philipp Schmidli)
Oliver Bozanic: Note 4 
Der Australier schlägt letzten Sommer mit fünf Toren aus vier Spielen ein. Nach einer Verletzung im Spätherbst bleibt er zuletzt hinter den Erwartungen zurück. 
Spiele: 28 (1923 Minuten). Tore/Assists: 5/1. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 4.  (Bild: Philipp Schmidli)
David Zibung: Note 4 
 Seit bald zehn Jahren der Stammgoalie des FCL. Mit der Verunsicherung des Teams ist auch er nicht immer der Rückhalt gewesen, den er hätte sein sollen.
Spiele: 35 (3050 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 1. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Jérôme Thiesson: Note 3,5 
Es geziemt sich nicht, dem Trainer in die Aufstellung zu reden. Bei «Jeje» machen wir es doch: Er ist als zentraler Aufbauer überfordert, ist dort ein Risikofaktor.
Spiele: 24 (1852 Minuten). Tore/Assists: 0/3. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 6. (Bild: Philipp Schmidli)
Françcois Affolter: Note 3,5 
Der Verteidiger hat die letzte Chance in der Super League, sagt auch Alex Frei. Er muss beissen wie zuletzt gegen Thun. Körperlos, wie gegen YB, geht nicht. 
 Spiele: 10 (728 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 1. (Bild: Philipp Schmidli)
Florian Stahel: Note 3,5 
Auch er spielt ohne neuen Vertrag. Die Vorrunde ist ungenügend. Er erhält in dieser Saison drei Platzverweise, zeigt im Frühling aber auch gute Spiele.
 Spiele: 32 (2801 Minuten). Tore/Assists: 1/2. Rote Karten: 3. Gelbe Karten: 10. (Bild: Philipp Schmidli)
Hekuran Kryeziu: Note 3,5 
Zehn Spiele, die meisten als Einwechselspieler, sind zu wenig für das «Juwel» (Murat Yakin). Die 3,5 bedeutet: So kann seine Karriere nicht weitergehen!
 Spiele: 10 (347 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 4. (Bild: Philipp Schmidli)
Daniel Gygax: Note 3,5 
Beim FCL erneut vom Verletzungspech verfolgt. Schafft es nicht mehr richtig in das Team zurück, wechselt in der Rückrunde früh zum FC Aarau.
Spiele: 6 (190 Minuten). Tore/Assists: 0/0. Rote Karten: 0. Gelbe Karten: 0. (Bild: Philipp Schmidli)

Dimitar Rangelov: Note 5

Das Spiel ist heuer auf ihn zugeschnitten. In 31 Spielen (inklusive Cup) erzielt er 17 Tore, kämpft und passt. Dem FCL ist er zu teuer, er erhält kein neues Angebot.

Spiele: 26 (2176 Minuten). Tore/Assists: 11/5. Rote Karten: 2. Gelbe Karten: 5.

(Bild: Philipp Schmidli)