FUSSBALL: Gerardo Seoane: «Wir haben noch Luft nach oben»

Die Bilanz des FC Luzern unter Gerardo Seoane ist grossartig. Auch die eigene Karriere scheint der Coach sorgfältig zu planen. Darum spricht alles dafür, dass Seoane auch nächste Saison in der Swisspor-Arena arbeiten wird.

Daniel Wyrsch
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Er zeigt, wo es langgeht: Gerardo Seoane ist mit dem FCL in der Tabelle von Rang 9 auf 4 hochgeklettert. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 11. März 2018))

Er zeigt, wo es langgeht: Gerardo Seoane ist mit dem FCL in der Tabelle von Rang 9 auf 4 hochgeklettert. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 11. März 2018))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Im Zusammenhang mit Gerardo Seoane (39) und dem FC Luzern muss nach dem 3:1-Heimsieg vom Ostermontag gegen St. Gallen von einer unheimlichen Serie gesprochen werden: Acht Spiele, 20 Punkte, weiterhin ungeschlagen. Die Mannschaft ist seit der Winterpause in der Tabelle von Platz 9 auf 4 hochgeklettert, statt akuter Abstiegsgefahr lockt drei Monate nach Seoanes Amtsantritt das lukrative internationale Geschäft.

Mit dem Vollerfolg im Direktduell gegen St. Gallen beträgt der Rückstand auf die Ostschweizer und Platz 3 nur noch zwei Zähler. Falls YB Meister und Cupsieger wird, berechtigt Rang 3 zur ­direkten Teilnahme in der Europa-League-Gruppenphase, für die es ein Startgeld von 3 Millionen Franken plus drei Heimspiele gegen möglicherweise attraktive internationale Gegner gibt. Die Erfolgsserie weckt Begehrlichkeiten.

Seoane und der FCL setzen sich keine Grenzen

Wie geht der FCL-Trainer vor dem letzten Saisonviertel und neun ausstehenden Partien mit der veränderten Erwartungshaltung um? Seoane erklärt: «Die Meisterschaft wird am Schluss abgerechnet und ist ein Resultat der Konstanz. Drei Viertel sind gespielt, noch immer sind 25 Prozent der Partien zu spielen. Das ist viel.» Und: «Wir befinden uns auf dem Weg, haben definiert, mit welchen Tugenden wir auftreten wollen.» Der in Rothenburg gross gewordene Schweiz-Spanier betont, wie wichtig es ist, dass sein Team mit dem gleich generösen Engagement wie bisher weitermacht.

Dass die Zuschauerzahlen in der Swisspor-Arena steigen und die allgemeine Resonanz wieder positiv ist, hat aus Sicht von Seoane nicht nur mit den nackten Resultaten zu tun, «sondern weil wir eine Mannschaft sind, die fightet, zusammenhält und im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht, Fussball zu spielen». In der Analyse der ersten acht Partien findet der Coach: «Wir haben keinen Gegner so dominiert, dass wir das Spiel absolut verdient gewonnen hätten. Aber es hat uns auch kein Konkurrent so dominiert, dass wir sagen müssten, er hätte den Sieg verdient gehabt.»

Vor dem Vergleich mit St. Gallen hat Seoane einen bemerkenswerten Leitsatz erstmals ausgesprochen. Er lautet: «Wir setzen uns keine Grenzen.» Er meint damit die Leistung und Entwicklung seiner Mannschaft und der einzelnen Profis. «Für jeden jungen Sportler gibt es immer Luft nach oben.» Er nennt als Beispiel Renato Steffen, der es aus der 2. Liga inter bis in die Bundesliga geschafft hat. «Luft nach oben besteht aber auch für uns als Mannschaft und speziell für die vielen jungen Spieler.» Seoane weiss aber auch aus eigener Erfahrung, dass im Sport Leistung und Resultat nicht immer übereinstimmen.

Gegen die Genügsamkeit

Während einer Erfolgsserie besteht die Gefahr, dass sich Genügsamkeit einschleichen kann. Seoane ist auf der Hut: «Ich muss die Warnfinger draufhalten.» Die Gefahr des Abhebens sieht er gleichwohl nicht. Er sagt: «In der Innerschweiz ist die Bodenständigkeit ein wichtiger Wert, so wie die Solidarität und der Fleiss.» Wenn der Coach in die Champions League schaut, dann lässt er sich vom spielerischen Glanz nicht blenden. «Dort ist ein grosser Teil des Erfolgs ebenfalls die generöse Arbeit.» Für eine Equipe wie Luzern sei es unerlässlich, in jedem Match alles zu geben. «Weil wir keine Übermannschaft sind und wir auch keinen Spieler haben, der überragend ist. Darum müssen wir im Kollektiv stark sein.» Stolz mache ihn, dass die ständigen Spielerwechsel zu keinem Leistungsabfall führten.

Den nun angreifbaren FCL-Startrekord von Trainer Murat Yakin beschäftigt Seoane nicht. Yakin war in der Saison 2011/12 mit 24 Punkten aus zehn Spielen gestartet. «Arbeit, Akribie und Leidenschaft haben Einfluss aufs Ergebnis, aber nicht ein Rekord oder die Statistik», sagt Seoane. Allerdings: Mit jedem weiteren Sieg bekommt der Trainername Seoane einen besseren Klang. Er hat mit José Noguera einen Berater, der Lucien Favre in der Bundesliga betreute. Kann Seoane 100-prozentig bestätigen, dass er auch nächste Saison FCL-Trainer ist? «Was ich sicher sagen kann, ist, dass acht Spiele noch keinen Trainer machen. Da bin ich Realist genug.» Er ergänzt: «Ich habe einen Vertrag bis Sommer 2019, beschäftige mich ganz und gar nicht mit einem Wechsel, da ich hier noch genug neue Herausforderungen zu bewältigen habe.»