FUSSBALL: Goalie Zibung zeigt sich genervt

FCL-Torhüter David Zibung geniesst das Vertrauen von Trainer Markus Babbel. Beim Cup-Aus gegen Aarau ist er wieder kein Rückhalt. Der 30-Jährige wehrt sich.

Jonas von Flüe
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Die Entscheidung im Cup-Achtelfinal: FCL-Keeper David Zibung (in Blau) lässt den Freistoss von Aaraus Sandro Wieser passieren. (Bild Philipp Schmidli)

Die Entscheidung im Cup-Achtelfinal: FCL-Keeper David Zibung (in Blau) lässt den Freistoss von Aaraus Sandro Wieser passieren. (Bild Philipp Schmidli)

Der Torhüter war der beste Mann auf dem Platz. Mit seinen starken Reflexen trieb er die Stürmer zur Verzweiflung – und die Zuschauer auf der Stehplatztribüne zu übertriebenen Emotionen. Ein Feuerzeug flog wenige Minuten vor Schluss Richtung Ulisse Pelloni, Schiedsrichter Alain Bieri drohte, beim nächsten Vorfall das Spiel abzubrechen.

Der 20-jährige Pelloni hexte seinen FC Aarau in den Cup-Viertelfinal. Marco Schneuwly, Jakob Jantscher, Remo Freuler, Ridge Mobulu – sie alle scheiterten am Aarauer Schlussmann, der im Cup Stammtorhüter Joël Mall ersetzt. «Ich war vor dem Spiel sehr nervös», sagte der Tessiner. Pelloni steht nicht oft im Mittelpunkt, erst im Sommer ist er von Locarno zu Aarau gestossen, die grossen Schweizer Stadien sind für ihn Neuland. Gestern, nach dem 2:1-Sieg seiner Aarauer über den FC Luzern, stand der Schweizer U-20-Nationalgoalie im Rampenlicht der Kameras und Mikrofone. Zwölf Schüsse musste er parieren, elf Mal gelang es ihm. Da verziehen ihm die Mitspieler auch die diversen Unsicherheiten bei hohen Bällen.

FCL vermisst Rückhalt

Pelloni war gestern jener Rückhalt, den sie beim FC Luzern schon lange vermissen. Torhüter David Zibung steht seit geraumer Zeit in der Kritik, weil er zu oft haltbare Bälle passieren lässt und seine Mannschaft selten mit ausserordentlichen Aktionen im Spiel hält.

Auch bei den zwei Gegentoren, die der FCL gestern erhalten hat, muss Zibung zumindest eine Mitschuld tragen. Bei Djurics Kopfballtor zum 1:1 verlässt er zuerst sein Tor, um dann doch wieder auf die Torlinie zurückzukehren. Djuric erwischt ihn aus wenigen Metern in der kurzen Ecke. Zibung erklärte: «Als ich gemerkt habe, dass ich die Flanke nicht erreichen kann, bin ich wieder zurückgelaufen. Ich stand beim Kopfball genau richtig, konnte aber nicht mehr reagieren. Wäre ich nicht rausgelaufen, wäre ich sowieso am gleichen Ort gestanden.» Zibung echauffierte sich über die Frage nach den Gegentreffern und stritt jegliche Schuld an den Toren ab. Auch am zweiten, dem Freistosstor von Sandro Wieser: «Der Schuss war perfekt getreten. Ausserdem habe ich den Ball spät gesehen. Rein technisch gesehen habe ich bei diesem Freistoss alles richtig gemacht», sagte Keeper David Zibung.

Luzerns Jakob Jantscher (links) erzielt das 1:0 gegen Aaraus Igor Nganga. (Bild: Philipp Schmidli)
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Luzerns Jakob Jantscher bejubelt sein Tor zum 1:o. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Jakob Jantscher (links) bejubelt mit Oliver Bozanic (Mitte) und Marco Schneuwly (rechts) das 1:0. (Bild: Philipp Schmidli)
Aaraus Dusan Djuric (links) erzielt das 1:1 gegen Luzerns David Zibung. (Bild: Philipp Schmidli)
Aaraus Dusan Djuric (links) erzielt das 1:1 gegen Luzerns David Zibung. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns David Zibung kassiert das 1:2 durch Aaraus Sandro Wieser (nicht im Bild). (Bild: Philipp Schmidli)
Die FCL-Spieler verlassen nach dem Cup-Out enttäuscht den Platz. (Bild: Philipp Schmidli)
Enttäuschung bei Luzerns Francois Affolter, Oliver Bozanic und David Zibung (von links). (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Oliver Bozanic, Jakob Jantscher und Claudio Lustenberger (von links) verlassen das Spielfeld. (Bild: Philipp Schmidli)
Fans sprechen nach dem Spiel mit Claudio Lustenberger. (Bild: Philipp Schmidli)
Pyros im FCL Fansektor. (Bild: Philipp Schmidli)
Enttäuschung bei Luzerns Marco Schneuwly. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns David Zibung (R) tröstet Marco Schneuwly. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Sportchef Alex Frei. (Bild: Philipp Schmidli)
Betroffene Gesichter auf der FCL-Bank. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Trainer Markus Babbel. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Dario Lezcano (rechts) im Kopfballduell mit Aaraus Ulisse Pelloni. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Francois Affolter (rechts) im Zweikampf mit Aaraus Stephan Andrist. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Adrian Winter nach einer vergebenen Chance. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Claudio Lustenberger (links) gegen Aaraus Sandro Burki. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Marco Schneuwly ärgert sich nach einer vergebenen Torchance. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Marco Schneuwly (Mitte) gegen Aaraus Juan Pablo Garat. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Dario Lezcano (links) gegen Aaraus Juan Pablo Garat. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Jerome Thiesson (links) gegen Aaraus Dusan Djuric (Mitte) und Kim Jaggy. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Remo Freuler (links) gegen Aaraus Sandro Wieser. (Bild: Philipp Schmidli)
Aaraus Kim Jaggy (vorne) gegen Luzerns Adrian Winter, Oliver Bozanic (rechts) schaut zu. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Dario Lezcano (links) gegen Aaraus Juan Pablo Garat. (Bild: Philipp Schmidli)
Sportchef Alex Frei, Chefscout Remo Gaugler und Trainer Markus Babbel (von links). (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Trainer Markus Babbel. (Bild: Philipp Schmidli)
Gute Laune vor dem Spiel bei Sportchef Alex Frei, Chefscout Remo Gaugler und Trainer Markus Babbel (von links). (Bild: Philipp Schmidli)

Luzerns Jakob Jantscher (links) erzielt das 1:0 gegen Aaraus Igor Nganga. (Bild: Philipp Schmidli)

Unterstützung erhielt er von Trainer Markus Babbel. Der Deutsche ist erst seit zweieinhalb Wochen im Amt, hat Zibung vor dem Cupspiel den Rücken gestärkt und ihn als klare Nummer 1 bezeichnet – obwohl Lorenzo Bucchi vor der Saison vom damaligen Trainer Carlos Bernegger zum Cup-Goalie ernannt wurde. «Der Kopfball aus vier bis fünf Metern war schwierig zu halten», sagte Babbel zum ersten, «der Freistoss war unhaltbar», zum zweiten Gegentreffer. Wieser, der unter Babbel in Hoffenheim gespielt hat, habe bei ihm doch noch was gelernt, meinte der FCL-Trainer an der Medienkonferenz mit Galgenhumor.

Aarau schiesst nur drei Mal

Nach der neuerlichen Niederlage und der wiederaufkommenden Kritik an seiner Arbeit dürfte Zibungs Selbstvertrauen weiter leiden. Schon gegen Vaduz (0:0) wirkte er verunsichert, gestern konnte er sich ebenfalls nicht auszeichnen – weil Aarau neben den zwei Treffern nur ein weiteres Mal auf sein Tor schoss.

Zibung sagte: «Wir dürfen kein Selbstmitleid haben, müssen nun unseren Mann stehen.» Carlos Bernegger setzte in den letzten beiden Spielen vor seiner Entlassung auf Bucchi statt auf Zibung. Babbel legte sich nach wenigen Trainings bereits fest, dass er Zibung im Tor sehen möchte. «Für ihn wäre es viel einfacher gewesen, auf Lorenzo zu setzen, aber er hat sich für mich entschieden. Das ist doch ein klares Zeichen», sagte Zibung, genervt von der Kritik.

Der Cup ist nun Geschichte, am Samstag wartet das schwierige Auswärtsspiel beim FC Zürich. Nur mit einem Zibung in Bestform kann der FCL beim Leader bestehen. Zibung verspricht: «Ich gebe jeden Tag alles für meinen Verein.»