FUSSBALL: Hat Carlos Bernegger schon verlängert?

Der FC Luzern verweigert eine Stellungnahme zu den Gerüchten um eine vorzeitige Vertragsverlängerung mit Trainer Bernegger. Doch Indizien sprechen für diesen höchst unkonventionellen Entscheid.

Daniel Wyrsch, Thun
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Die sportliche Misere hielt beim Match in Thun an. Für Trainer Carlos Bernegger könnte es dieser Tage dennoch eine gute Nachricht geben. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Die sportliche Misere hielt beim Match in Thun an. Für Trainer Carlos Bernegger könnte es dieser Tage dennoch eine gute Nachricht geben. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Der Stadion-Speaker des FC Thun liess sich gestern Abend vor dem Heimmatch gegen Luzern (3:2) zu einer arglosen Äusserung verleiten und verkündete: «Trainer Carlos Bernegger hat seinen Vertrag beim FC Luzern verlängert.» Mit dieser forschen Aussage, die eigentlich auf Gerüchten und einem Text in «20 Minuten» basierte, trifft der gute Mann wahrscheinlich trotzdem den Nagel auf den Kopf. In der Pendlerzeitung stand geschrieben, dass der FCL den Ende dieser Saison auslaufenden Vertrag mit seinem Trainer Carlos Bernegger (45) vorzeitig um ein Jahr verlängern wolle. Was nach einer schwachen Bilanz in den ersten neun Super-League-Spielen – sieglos, mit nur 5 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz – sowie dem sofortigen Aus in der Qualifikation zur Europa League gegen St. Johnstone (Schottland) unrealistisch scheint, könnte allerdings bereits Tatsache sein.

Offenbar neuen Einjahresvertrag

FCL-Präsident Ruedi Stäger antwortete gestern auf die Frage, ob man mit Bernegger wirklich vorzeitig verlängern wolle, branchenüblich: «Über allfällige Vertragsverlängerungen mit dem Trainer oder Spielern sowie über Transfers informiert der FC Luzern, wenn es so weit ist.» Allerdings haben schon seit Tagen andauernde Recherchen unserer Zeitung in dieser Sache ergeben, dass verschiedene Quellen wissen wollen, dass der neue, bis Ende Juni 2016 laufende Vertrag bereits unterschrieben ist.

Aus diesem Grund haben wir am Dienstag, 16. September, FCL-Sportchef Alex Frei und Präsident Stäger ein E-Mail unter anderem mit der Kardinalfrage gesandt, ob sie tatsächlich mit Bernegger vorzeitig verlängert hätten. Bis dato haben wir keine Antwort erhalten. Gestern sprachen wir Stäger darauf an. Seine Reaktion: Er sagte, er habe geantwortet. Dieses E-Mail ist jedoch unauffindbar. Auf die Aufforderung, das Mail bitte noch einmal zu senden, antwortete der FCL-Präsident via Mail von Medienchef René Baumann. Dieser wiederholte nur Stägers Aussage zum «20 Minuten»-Artikel: «Wir kommentieren Gerüchte und Mutmassungen nicht.»

Dabei war die Frage, ob der FC Luzern mit Bernegger bereits verlängert habe, konkret gestellt. Sie wäre einfach zu beantworten gewesen, wenn nichts passiert ist – doch es macht den Anschein, dass Frei und Stäger mit ihrem Trainer Bernegger vorzeitig verlängert haben.

Wann dieser neue Kontrakt unterzeichnet worden sein könnte, darüber kann man nur spekulieren. Möglicherweise nach dem von Bernegger im Mai abgelehnten Angebot von 1860 München. Wobei Frei damals an einer Medienkonferenz, in der Bernegger bekannt gab, in Luzern zu bleiben, klarstellte: «Wir haben Carlos weder eine Vertragsverlängerung noch eine Lohnerhöhung noch Spieler versprochen.»

Geschenk für Absage an 1860?

Das einzige Geschenk, das Frei seinem Trainer damals machte, war ein Stück Wildschwein von der Jagd im Baselbiet. Jetzt könnte es doch der um ein Jahr verlängerte Vertrag sein. Falls es so ist, heisst das im Umkehrschluss, dass sie beim FCL eng zusammenrücken. Frei würde sein Schicksal in Luzern von jenem des Trainers abhängig machen. Dabei ist die Zukunft von Bernegger höchst unsicher. Folgen in den nächsten Spielen gegen St. Gallen (daheim), Sion (auswärts) und Vaduz (daheim) nicht endlich Siege, dann geht es für den FCL in dieser Saison um nichts anderes als gegen den Abstieg. Dafür sind die Ansprüche in der Zentralschweiz und speziell in der Swissporarena zu hoch. Keine gute Aussicht für Bernegger.

Für einen neuen Trainer mit dem prominenten Namen Thorsten Fink fehlt das Geld. Doch falls der FCL Bernegger freistellen und anderthalb Jahre entlöhnen muss, würde dies auch 450 000 Franken kosten. Daher lautet die Frage: Bleiben die Mehrheitsaktionäre Bernhard Alpstaeg und Walter Stierli nun weiter ruhig im Hintergrund?