FUSSBALL: Hat der FCL bald einen Nati-Stürmer?

Luzern empfängt am Sonntag (16.00, SRF 2) St. Gallen. Die Sehnsucht nach dem ersten Meisterschaftssieg ist bei den Innerschweizern gross, der Druck aber ebenso.

Daniel Wyrsch
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Die bisherigen 13 Tore für den FCL zahlen sich für Marco Schneuwly aus. Dem Torgaranten winkt ein Aufgebot für die Schweizer Nationalmannschaft. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Die bisherigen 13 Tore für den FCL zahlen sich für Marco Schneuwly aus. Dem Torgaranten winkt ein Aufgebot für die Schweizer Nationalmannschaft. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Der FC Luzern ist in der Super League noch immer sieglos. Morgen Sonntag findet das zehnte Meisterschaftsspiel statt. Aus den Worten von Trainer Carlos Bernegger (45) ist zu entnehmen, wie sich die ungenügenden Resultate auf die Psyche des Teams am Tabellenende ausgewirkt haben: «Man kann sich für diesen Match gegen St. Gallen vieles wünschen, entscheidend ist, wie sich die Mannschaft präsentiert.»

Zuletzt haben die Luzerner dreimal auswärts gespielt – und dabei Fortschritte beim Toreschiessen gemacht. Sowohl gegen YB (2:3) wie gegen Thun (2:3) und auch im Cup gegen Schaffhausen (5:3 nach Verlängerung) erzielten sie immer mehr als einen Treffer. Zuvor hatten sie in der Meisterschaft nie mehr als ein Tor pro Match geschossen. Zu dieser positiven Entwicklung hat Jakob Jantscher seinen Beitrag geleistet. Der 25-jährige Österreicher, der in die Nationalmannschaft von Trainer Marcel Koller zurückkehren will, ergänzt sich ideal mit Mittelstürmer Marco Schneuwly (29). Gegen YB, Thun und Schaffhausen gab Jantscher je eine Vorlage zu einem Torerfolg von Schneuwly, selber traf Jantscher gegen YB und Thun, in Schaffhausen schlug er zudem die Freistossflanke zum späten 3:3 Mobulus.

Wiss und Winter waren die Letzten

Schneuwly steht nun bei fünf Liga-, sechs Cup- und zwei europäischen Toren, das ergibt 13 Pflichtspieltreffer in ebenso vielen Partien. Kein Wunder, sah sich Nationaltrainer Vladimir Petkovic den Freiburger am letzten Dienstag in Thun an. Gestern an der Medienkonferenz sagte Bernegger: «Ich freue mich sehr, dass Marco vielleicht im nächsten Aufgebot des Nationalteams steht.» Offiziell ist es noch nicht bestätigt, aber überraschen würde es nicht, wenn Petkovic den FCL-Stürmer nächste Woche ins Aufgebot für die EM-Qualifikationsspiele auswärts gegen Slowenien (9. Oktober) und San Marino (14. Oktober) nehmen würde. Üblicherweise gelingt Luzern-Profis der Sprung ins Nationalteam nur, wenn sie mit dem Klub auf einer Erfolgswelle reiten. Wie zuletzt Ende Mai 2012, als Alain Wiss und Adrian Winter nach dem Erreichen von Liga-Platz 2 und der Cupfinal-Teilnahme von Ottmar Hitzfeld für die Testspiele gegen Deutschland (5:3) und Rumänien (0:1) aufgeboten worden waren und zu ihren Debüts in der Nationalmannschaft kamen.

Für den FCL doppelt erfreulich ist, dass sowohl Schneuwly wie Jantscher in Hochform sind. Bernegger meint: «Es entwickelt sich eine gute Partnerschaft der beiden. Aber das ist nicht gut genug. Wäre es so, könnten wir die Führungen über die Zeit bringen.» Die Hauptschwäche der Zentralschweizer ist nicht mehr wie zu Saisonbeginn die Chancenauswertung, sondern das viel zu lasche Abwehrverhalten. «Wir müssen in der Rückwärtsbewegung mehr investieren, ich erwarte einen läuferisch starken Gegner. Das einzige Gegenmittel ist, mehr zu laufen als die St. Galler – und das ist enorm viel», fordert Bernegger.

Schaffen es die Luzerner, dieses Engagement auf das Spielfeld zu bringen, dürfte die zuletzt völlig verunsicherte Defensive etwas stabiler operieren. Denn wenn selbst der Challenge-Ligist Schaffhausen gegen den FCL zu drei auffallend leicht herausgespielten Toren in 90 Minuten kommt, dann stimmt es in der Abwehr überhaupt nicht.

Bernegger gibt Vertrauen weiter

In der Kritik stehen alle drei neuen Innenverteidiger François Affolter, Andrés Lamas und Kaja Rogulj. Der Kroate Rogulj wird gegen St. Gallen wegen eines Muskelfaserrisses nicht spielen. Bernegger setzt auf Lamas und den zuletzt gesperrt gewesenen Affolter. Die zentrale Abwehr mit Alain Wiss zu stabilisieren, kommt für den Coach nicht in Frage. Zum gleichen Schluss kommt er auf der Goalieposition: Der regelmässig patzende David Zibung bekommt weiter den Vorzug vor Lorenzo Bucchi.

«Obwohl es wegen der bisherigen Sieglosigkeit nicht einfach ist, muss ich alle meine Kräfte mobilisieren, um den Spielern Vertrauen zu geben.» Es ist, als ob Bernegger die Geduld der Investoren und der Klubleitung an seine Spieler weitergibt. «Wir dürfen die Schuld nicht einander zuweisen, sondern müssen im Kollektiv Verantwortung übernehmen.» Entscheidend ist, wie sich Berneggers FCL gegen St. Gallen präsentiert.