FUSSBALL: Hat der FCL ein Talent verheizt?

Zwei Patzer von Ersatzgoalie Jonas Omlin (21) haben Luzern die Chance auf einen Punkt gegen Basel gekostet. Ein Einblick, wie beim FCL mit dieser heiklen Situation umgegangen wird.

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Luzern-Torhüter Jonas Omlin ärgert sich nach seinem Fehler beim 0:1 im Spiel gegen den FC Basel. (Bild Philipp Schmidli)

Luzern-Torhüter Jonas Omlin ärgert sich nach seinem Fehler beim 0:1 im Spiel gegen den FC Basel. (Bild Philipp Schmidli)

Daniel Wyrsch

Die Stimmung beim FC Luzern war am Tag nach dem 1:4 zu Hause gegen Leader FC Basel auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Einmal mehr hatte das Team recht gut gespielt und verloren. Besonders bitter war, dass Jonas Omlin, der 21-jährige Ersatz des verletzten Goalies David Zibung (31), die Luzerner durch zwei Patzer auf die Verliererstrasse führte. Es stellt sich die Frage, ob dem Obwaldner die mentale Reife für die Super League fehlt. FCL-Goalietrainer Daniel Böbner (45) verneint: «Für mich war es nicht die fehlende mentale Reife, sondern fehlende Erfahrung.» Speziell bei Shkelzen Gashis Freistoss zum 0:1 – solche Situationen seien schwer trainierbar. «Da braucht es Wettkampfpraxis, um die richtige Lösung zu finden. Bei seiner Lösung ist Jonas zudem ein technischer Fehler passiert.»

Doppelt falsche Reaktion

Zu Omlins Reaktion auf den Schuss, der eine Kombination aus angeschnittenem und flatterndem Ball war, sagt Böbner: «Sein Verhalten ist unglücklich, weil er abspringt, dabei ist man in der Luft nicht stabil. Er muss bei einem Schuss mit dieser Höhe auf dem Boden bleiben. Wenn er mit einer Schlagbewegung einen Ball wegbringen will, der eine Schwingung draufhat, und der Körper des Torhüters in Bewegung ist, dann ist das Risiko viel zu hoch, dass irgendetwas passiert. Zudem hat man mit den Fäusten eine zu kleine Fläche. Wenn koordinativ etwas nicht stimmt, gerätst du neben den Ball.»

Der Freistoss von Gashi sei für Omlin etwas anderes als die Schüsse, die er in der U 21 bekomme. Böbner: «Es gibt in der Super League wenige, die solche überdurchschnittlich schwierigen Bälle schiessen. Wir haben mit Jakob Jantscher auch so einen Spezialisten.»

«Beim Penalty etwas zu überhastet»

Beim Foul, das zum 2:0-Penaltytor führte, «ging er etwas zu überhastet vor, da er helfen wollte. Sein Pech war, dass er im Duell auf einen der schlauesten Schweizer Stürmer traf. Breel Embolo wird noch viele Torhüter vor Probleme stellen. Wir können froh sein, bekam Jonas nur die gelbe Karte. Da hat es auch schon Schiedsrichter gegeben, die einen Goalie vom Platz stellten.» Böbner zum Mentalen: «Ich hatte die ganze Woche den Eindruck, dass Jonas präsent und stabil gewesen ist. Er hat nach dem Match bestätigt, dass er vom Kopf her voll parat war.»

Die Bilanz des FCL-Goalietrainers zu Omlins erstem Super-League-Spiel: «Er hatte sehr viele gute Aktionen, hat Ruhe bewahrt, die Fussarbeit bei schwierigen Terrainverhältnissen war mehrheitlich gut. Ein paar Ungereimtheiten, die aus der Schnelligkeit des Spiels entstanden, müssen wir genauer anschauen. Positiv war auch, dass er die Negativerlebnisse hat wegblenden können. Diese Qualität ist entscheidend für die Zukunft.»

Das Projekt mit Omlin

Omlin wird voraussichtlich am nächsten Wochenende mit Luzerns U 21 spielen. Böbner: «Er wird wohl noch einmal schlecht schlafen, ein wenig grübeln über Dinge, die von aussen an ihn herangetragen worden sind. Am Mittwoch machen wir die Analyse mit Video, am Donnerstag arbeiten wir wie gewohnt weiter. Ich bin überzeugt, er wird mit der U 21 wieder stabil spielen, und ich glaube nicht, dass er deswegen umfällt.»

Im nächsten Super-League-Spiel des FCL am 4. April beim FC Zürich – könnten Lorenzo Bucchi (31) oder Omlin spielen, falls Zibung immer noch verletzt ausfallen würde. Böbner: «Cheftrainer Markus Babbel müsste den Entscheid fällen. Lorenzo ist ein hervorragender Goalie mit einer schwierigen Rolle in diesem Dreierteam. Ich muss ihm ein Kränzchen winden, wie wir uns immer auf ihn verlassen können. Chapeau, wie er sich trotz der Verschiebung in der Goalie-Hierarchie verhalten hat.»

Der ausgebildete Torhütertrainer aus der Schule von Patrick Foletti verrät weiter: «Mit Jonas gibt es ein klares Projekt, er muss nicht in zwei Monaten als Super-League-Goalie bereit sein. Es gibt einen Plan, er ist auf dem Weg.» Der Match gegen Basel sei eine erste Standortbestimmung in der höchsten Liga gewesen. «Vielleicht sind die negativen Erfahrungen für seine Entwicklung sogar besser, als wenn er grossartig gewesen wäre und dicht gehalten hätte.»

Böbner stellt klar, dass es keinen Bonus gibt, weil man gerne junge Einheimische beim FCL hätte: «Jonas muss sich bewusst sein, dass er nicht zehn solche Chancen bekommt. Vor allem in unserer Lage im Kampf um den Klassenerhalt können wir nicht einfach ein bisschen schauen, wie es läuft.»

Übrigens warnten kürzlich FCL-Profis: «Jonas Omlin ist zwar unser bester Goalie. Aber in dieser harten Phase darf er nicht spielen, weil es sein Vertrauen und seine Karriere zerstören könnte.»

Luzerns Kaja Rogulj (links) und Francois Affolter (mitte) gegen Basels Luca Zuffi (Bild: Philipp Schmidli)
16 Bilder
Basels Shkelzen Gashi (links) erzielt das 3:0 gegen Luzerns Jonas Omlin (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Jonas Omlin verursacht einen Elfmeter gegen Basels Breel Embolo. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Marco Schneuwly (mitte) gegen Basels Marek Suchy (links) und Fabian Schär. (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Dario Lezcano (links) gegen Basels Shkelzen Gashi (Bild: Philipp Schmidli)
Luzerns Dario Lezcano (rechts) gegen Basels Adama Traore (mitte) und Matias Delgado. (Bild: Philipp Schmidli)
Kaja Rogulj von Luzern, links, und Matias Emilio Delgado von Basel. (Bild: Keystone)
Der Luzerner Dario Lezcano bei einem Kopfball (Bild: Keystone)
Matias Delgado, links, gegen den Luzerner Olivier Bozanic (Bild: Keystone)
Luzerns Alain Wiss, links, und Tomislav Puljic gestikulieren im Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Basel. (Bild: Keystone)
Adama Traore von Basel, links, und die Luzerner Dario Lezcano, Mitte, und Franacois Affolter kämpfen um den Ball. (Bild: Keystone)
Luzerns Marco Schneuwly, Mitte, gegen Basels Marek Suchy und Fabian Schär. (Bild: Keystone)
Luzerns Jonas Omlin kassiert das 0:1. (Bild: Keystone)
Basler Spieler feiern ein Tor. (Bild: Keystone)
Luzerns Dario Lezcano, links, gegen Basels Shkelzen Gashi. (Bild: Keystone)
Der Luzerner Tomislav Puljic, links, und der Basler Matias Emilio Delgado. (Bild: Keystone)

Luzerns Kaja Rogulj (links) und Francois Affolter (mitte) gegen Basels Luca Zuffi (Bild: Philipp Schmidli)