FUSSBALL: «Ich brauche jetzt Vertrauen»

Pajtim Kasami (20) hat erstmals mit dem FC Luzern trainiert. Der Neue vom FC Fulham über den Transfer, Konkurrenzkampf und die Ziele.

Interview Daniel Wyrsch
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Pajtim Kasami im gestrigen Training auf dem Kunstrasen Allmend.

Pajtim Kasami im gestrigen Training auf dem Kunstrasen Allmend.

Pajtim Kasami, Sie haben die Nummer zehn beim FC Luzern erhalten. Der letzte Spieler, der dieses Trikot trug, war Hakan Yakin. Ehrt Sie das?

Pajtim Kasami:Es ehrt mich sicher, dass ich diese Nummer bekommen habe. Die Zahl spielt eigentlich keine grosse Rolle, die Zehn war noch frei gewesen.

Seit über einem Jahr hat bei Luzern niemand mehr die Zehn gehabt. Sind Sie der neue Hakan Yakin?

Kasami:Ich bin Pajtim Kasami und nicht Hakan Yakin. Hakan kenne ich natürlich, aber er ist ein anderer Spielertyp als ich.

Können Sie sich vorstellen, auf der Spielmacherposition zu spielen?

Kasami:Die letzten zwei Jahre habe ich immer auf dieser Position gespielt. Ich fühle mich sehr wohl in dieser Rolle. Der Trainer will mich im zentralen offensiven Mittelfeld einsetzen.

Beim FCL gibt es ein Überangebot an zentralen Mittelfeldspielern. Der Konkurrenzkampf ist mit Ihnen noch grösser geworden. Wie sind die Reaktionen der neuen Mitspieler gewesen?

Kasami: Ich habe ein positives Gefühl, ich kann der Mannschaft helfen, wie die Mitspieler mir helfen können. Am Schluss zählen die Punkte. Wir sind nicht in einer Lage, wo wir auswählen können. Wir müssen Spiele gewinnen und Erfolg haben.

Am Sonntag haben Sie den FCL gegen den FC Zürich spielen sehen. Wie schätzen Sie diesen Auftritt ein?

Kasami: Es war schade, dass wir den Ausgleich hinnehmen mussten, aber es war ein gutes Spiel unserer Mannschaft. Wir hätten sicher mehr verdient als einen Punkt. Man muss jetzt vorwärtsschauen, der nächste Match ist ja schon am Sonntag in St. Gallen.

Was gab den Ausschlag, dass Sie bis Ende Saison zu Luzern wechselten?

Kasami:Zuerst hatte mein Transfer nach Italien in die Serie A zu Pescara nicht geklappt. Die Sache war sehr unglücklich und enttäuschend gelaufen, ich war traurig, und es ging mir nicht gut. Ich sprach darauf mit Fulham-Manager Martin Jol, damit unbedingt eine Lösung für mich gesucht werden konnte. Die Trainer und der gesamte Staff haben mir sehr geholfen. Anschliessend redete ich mit Luzerns Trainer Ryszard Komornicki. Ich spürte sofort, dass er und der Klub mich wollten. Schliesslich musste ich selber überlegen, ob ich diesen Schritt machen wollte.

Hofften Sie doch noch auf einen Wechsel zu Pescara?

Kasami:Das war so, aber am letzten Freitag drängte die Zeit, das Schweizer Transferfenster schloss um 18 Uhr, und ich musste mich entscheiden. Ausschlaggebend war, dass ich jetzt wirklich Vertrauen brauche. Das Wichtigste für einen jungen Profi ist, dass er Spielpraxis bekommt. Ich will jetzt glücklich sein und einfach Fussball spielen. Die letzte, ungewisse Zeit war nicht einfach gewesen, ich schlief nicht viel und musste abwarten.

Sie sind aus der Fussball-Hochburg und Weltstadt London ins beschauliche Luzern gekommen, ist der Unterschied extrem gross?

Kasami: Es ist eine sehr grosse Differenz. Aber, wie gesagt, ich bin zum Fussballspielen hierhergekommen – und der Rest ist mir eigentlich egal.

Ist die Infrastruktur hier ausreichend?

Kasami:Die Bedingungen sind optimal. Das Stadion gefällt mir sehr. Ich habe schon einmal hier gespielt. Leider verloren wir das EM-Barrage-Rückspiel gegen Deutschland mit 1:3.

Ist es ein Vorteil, dass Sie Ihre Familie in Winterthur und damit wieder in Ihrer Nähe haben?

Kasami:Ja, die Unterstützung meiner Familie ist mir wichtig. Ich bin froh, kann ich meine Eltern und Geschwister täglich sehen.

Sorgen Sie wie Bayern-Star Xherdan Shaqiri für die ganze Familie?

Kasami:Nein, mein Vater möchte weiterhin arbeiten, meine Mutter ist Hausfrau. Die 29-jährige Schwester Dzevaire arbeitet auf einer Bank. Eine Parallele zu Xherdan Shaqiri ist, dass mein 25-jähriger Bruder Bardhul auf mich schaut und verschiedene Dinge für mich erledigt. Er koordiniert zum Beispiel meine Pressetermine. Mein Berater ist Mino Raiola.

Sie wollen jedoch nicht dauernd zwischen Luzern und Winterthur pendeln?

Kasami:Zu Beginn kann ich hier hin und wieder im Hotel übernachten, später erhalte ich eine Wohnung in einem der Wohntürme beim Stadion zur Verfügung gestellt.

Mit welchem Ziel steigen Sie in den ersten Match in St. Gallen?

Kasami: Ich will mit dem FC Luzern siegen.

Sie haben bei Fulham kaum gespielt, kamen nur im U-21-Nationalteam regelmässig zum Einsatz. Haben Sie keine Zweifel, beim FCL zu reüssieren?

Kasami: Vom Niveau her habe ich keine Angst. Aber ich weiss, die gegnerischen Spieler werden auf mich losgehen. Ich bin darauf vorbereitet und bleibe cool. Es braucht Geduld, von Spiel zu Spiel will ich in Topform kommen.