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FUSSBALL: In der Fremde zu Hause

Der FC Luzern kann heute (20.30/Tele 1) in der Europa League eine Runde weiterkommen. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Das Spiel stösst in Italien auf wenig Interesse. Auch, weil Gegner Sassuolo in der Bevölkerung nicht sonderlich verankert ist.
Das Team beim Umsteigen in Mailand. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)

Das Team beim Umsteigen in Mailand. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)

Jonas von Flüe, Reggio nell’Emilia

Der topmoderne Bahnhof von Reggio Emilia ist beinahe menschenleer. Mit rund 300 Kilometern pro Stunde rast ein Schnellzug vorbei. Als die Mannschaft des FC Luzern die rund fünfeinhalbstündige Zugfahrt kurz nach 14 Uhr hinter sich gebracht hat und in den Bus umsteigt, zieht sie lediglich die Aufmerksamkeit von ein paar Polizisten und Journalisten aus der Schweiz auf sich. In der Stadt mit rund 170 000 Einwohnern interessiert sich nun wirklich niemand für die Reisegruppe aus der Schweiz. Auch wenn heute Abend das erste Europacup-Spiel in der Geschichte des heimischen «Mapei Stadium» stattfindet. Zwischen Sassuolo und dem FC Luzern. Nach dem 1:1 im Hinspiel ist die Ausgangslage offen. Im Stadion werden 10 000 bis 12 000 Zuschauer erwartet. Doch die US Sassuolo hat in der Stadt, in der ihr Heimstadion liegt, einen schweren Stand, wie ein Augenschein vor Ort zeigt.

Sportgeschäft ohne Trikot

Die Verkäuferin im Tabakwarenladen zuckt mit den Schultern. «Luzern? Nein, das sagt mir nichts», gesteht sie. Aber sie interessiere sich auch nicht wirklich für Fussball. Wir befinden uns im Einkaufszentrum «i Petali» im Bauch des «Mapei Stadium». An Fussball erinnert hier tatsächlich wenig. Doch immerhin gibt es ein Sportgeschäft, das mit Trikots unzähliger Mannschaften aus dem In- und Ausland ausgestattet ist. Einzig das grün-schwarze Shirt der US Sassuolo sucht man vergebens. Auf Nachfrage wird uns das Trikot gezeigt, jedoch dürfe es noch nicht verkauft werden. Nicht, bevor es die Mannschaft gegen Luzern zum ersten Mal getragen hat. «Sassuolo ist hier in Reggio aber nicht sonderlich verankert», erzählt der Verkäufer, «viele unterstützen die AC Reggiana, die in der dritthöchsten Liga spielt.» Sassuolo spielt nämlich rund 25 Kilometer von zu Hause entfernt, da das heimische Ricci-Stadion den Anforderungen der Serie A nicht genügt. 2013 kaufte Sponsor Mapei das Stadion und die Namensrechte, seither spielt neben der lokalen AC Reggiana auch die US Sassuolo hier.

Dass man beide Mannschaften durchaus mögen kann, erzählt uns Emanuele. Der ältere Herr liest auf einer Sitzbank die «Gazzetta di Reggio», eine lokale Tageszeitung. Weit nach hinten muss man blättern, bis man etwas über die US Sassuolo erfährt. Auf der ersten Sportseite wird über Drittligist Reggiana berichtet, erst dann ist der heutige FCL-Gegner ein Thema. In der renommierten «Gazzetta dello Sport» sucht man Sassuolo trotz 21 Seiten Fussball-Berichterstattung gar vergebens.

Emanuele wird heute auch im Stadion sein. Er wohnt in Reggio nell’Emilia, hat aber eine Saisonkarte bei Sassuolo. Warum? «Weil ich dann die besten Mannschaften aus der Serie A sehe», erklärt er. Es ist das Argument, das am häufigsten genannt wird, an diesem heissen Mittwochnachmittag. Milan, Juve, Napoli, Roma, Inter – sie alle sind während des Jahres zu Gast. Davon profitiert auch Viola. Sie arbeitet als Rezeptionistin in einem Hotel unweit des Stadions. «Hier übernachten viele Fussballfans», sagt sie. In der Stadt habe sie aber noch nie Sassuolo-Anhänger gesehen. «Die kommen eher aus den Dörfern», sagt sie in einem leicht arroganten Ton.

Der Klub der Dörfer

Mit den «Dörfern» meint Viola die Gegend rund um Sassuolo. Rund 40 000 Einwohner zählt die Stadt. Auf der 35-minütigen Fahrt vom Stadion nach Sassuolo, wo die Mannschaft von Eusebio Di Francesco trainiert und wo auch die Geschäftsstelle des Vereins ist, passiert man unzählige kleine Siedlungen. «Hier leben unsere ‹Tifosi», sagt Massimo Paroli. Er ist für die Medienarbeit des Vereins zuständig und begleitet uns von der einen in die andere Stadt. «Das Einzugsgebiet des Klubs ist eigentlich gross. Da ist die Gegend rund um Sassuolo, da sind die Leute aus Reggio, und auch aus Modena kommen viele Leute ins Stadion.»

Trainer Di Francesco, von allen nur «Mister» genannt, spricht vor dem heutigen Spiel gar von Enthusiasmus rund um den Verein. «Wir sind stolz, die Leute aus Sassuolo in Europa zu repräsentieren», sagt er. Aus Italien sind vor Wochenfrist einige hundert Anhänger nach Luzern gereist. Den umgekehrten Weg dürften über 1000 FCL-Fans machen. Bis gestern Abend wurden über 900 Tickets für den Gästesektor abgesetzt. In Reggio nell’Emilia war davon noch nichts zu spüren, denn die meisten sind in der Nacht auf heute, um zwei Uhr morgens, mit dem Bus nach Italien aufgebrochen. Sie alle mussten beim Kauf des Tickets ihren Namen und ihr Geburtsdatum angeben, was in Italien Usus ist. Die Sicherheitsregeln sind strenger als in der Schweiz.
Die Fans werden heute Mittag in der Stadt eintreffen. Wie Fanarbeiter Michi Beck erklärt, seien die italienischen Sicherheitsbeauftragten davon überrascht gewesen. «Für sie ist es ungewöhnlich, dass Fussballfans so früh anreisen. In Italien kommt man in der Regel aufs Spiel und fährt nachher wieder nach Hause.» Sicherheitsbedenken habe man wegen der vielen Fans aber keine.

Null italienische Journalisten

Nach der Ankunft am Bahnhof ist die Mannschaft des FC Luzern mit dem Bus ins Hotel ausserhalb der Stadt gefahren. Dort wurde die obligate Pressekonferenz am Tag vor dem Spiel abgehalten. Wie gross das Interesse der italienischen Journaille an den Schweizern ist, lässt sich an der Anzahl anwesender Journalisten festmachen: null!

Spielen Karten: Christian (links) und Marco Schneuwly. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Gut gelaunt: Ricardo Costa. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Tomi Juric (links) und Jakob Jantscher spielen im Zug auf der Hinfahrt nach Reggio Emilia mit Würfeln. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Hören Musik: Remo Arnold (links) und Nicolas Haas. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Ins Handy versunken: Sally Sarr. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Simon Grether (links) und Cedric Itten. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Gut gelaunt: Markus Neumayr. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Tomislav Puljic (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Simon Grether wartet im Bahnhof von Mailand auf den Anschlusszug. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Markus Neumayr im Bahnhof von Mailand (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Team-Manager Dante Carecci zeigt FCL-Trainer Markus Babbel im Bahnhof von Mailand den Weg. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Und hopp die Koffer aus dem Zug: Ricardo Costa in Mailand. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Jonas Omlin (links) und Jahmir Hyka bei der Ankunft in Reggio Emilia. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Marco Schneuwly, Claudio Lustenberger und David Zibung (von links) im Bahnhof von Mailand. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Die FCL-Spieler kommen im Mannschaftshotel in Reggio Emilia an. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel fährt der Bus mit den FCL-Spielern beim Mapei Stadium vorbei, indem am Donnerstag gegen Sassuolo gespielt wird. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Die Mannschaft läuft sich fürs Abschlusstraining im Mapei-Stadium warm. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Jahmir Hyka, Markus Neumayr und Jakob Jantscher spielen sich den Ball zu. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Torhüter David Zibung wird warm geschossen. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Markus Babbel, Michael Silberbauer und Assistenztrainer Patrick Rahmen (von links) beobachten die Spieler. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Joao Pedro Abreu de Oliveira (links) im Zweikampf mit Simon Grether im Abschlusstraining. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Tomislav Puljic und Jahmir Hyka (oben). (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Ricardo Costa macht Dehnungsübungen. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Blau-weiss sind die dominierenden Farben im Stadion. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
24 Bilder

FC Luzern in Reggio nell’Emilia

Das Abschlusstraining im Mapei Stadium. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)

Das Abschlusstraining im Mapei Stadium. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)

Die FCL-Spieler am Bahnhof von Mailand. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)

Die FCL-Spieler am Bahnhof von Mailand. (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)

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