FUSSBALL: Jacobacci: «Der FCL ist der schwierigste Cupgegner»

Schaffhausen empfängt am Samstag (17.30) in der zweiten Cuprunde den FC Luzern. Der Respekt vor den Luzernern sei gross, die FCL-Krise kein Vorteil, sagt Trainer Maurizio Jacobacci.

Jonas von Flüe, Schaffhausen
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Schaffhausens Trainer Maurizio Jacobacci dirigiert sein Team lautstark von der Seitenlinie aus. (Bild: Keystone)

Schaffhausens Trainer Maurizio Jacobacci dirigiert sein Team lautstark von der Seitenlinie aus. (Bild: Keystone)

Die Stimme von Maurizio Jacobacci ist von weitem zu hören. Lautstark dirigiert er sein Ensemble über den Rasen, greift in jede Übung korrigierend ein. Mal auf Deutsch, mal auf Italienisch, mal auf Französisch. Jedem, der am Trainingsplatz neben dem Stadion Breite vorbeigeht, ist klar: Jacobacci ist der Chef auf dem Platz. «Ja, ich bin ein harter Hund», sagt der Trainer des FC Schaffhausen, «aber ich will die Spieler fördern, sie weiterbringen.»

Am Samstag ist der FC Luzern zu Gast in Schaffhausen – in der zweiten Cup­runde. Die Vorbereitungen auf den bisherigen Höhepunkt des Jahres laufen beim Verein aus der Challenge League auf Hochtouren – auf und neben dem Platz. Jacobacci weiss viel über den FCL. Der ehemalige Trainer des SC Kriens ist in Schaffhausen als Wochenaufenthalter angemeldet, hat seinen festen Wohnsitz aber in Horw. Überraschen können ihn die Luzerner nicht.

Das Risiko eines Profitrainers

«Wir haben den schwierigsten Gegner zugelost bekommen», ist Jacobacci überzeugt. Denn der FCL habe bisher spielerisch überzeugt, «nur die Resultate fehlen. Carlos Bernegger wird mit den besten Spielern antreten», meint der 51-Jährige. Die FCL-Krise sieht er also nicht unbedingt als Vorteil für seine Mannschaft. «Luzern muss unbedingt gewinnen, das macht es für uns nicht einfacher.» Mittelfeldspieler Faruk Gül, seit 2011 bei Schaffhausen, sagt: «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht früh in Rückstand geraten. Aber vielleicht können wir die Unsicherheit bei den Luzernern ja ausnützen ...»

Ist die FCL-Krise im Verein ein Thema? «Nein», meint Maurizio Jacobacci, doch ihm ist natürlich bewusst, dass eine Niederlage in Schaffhausen Carlos Bernegger seinen Job kosten könnte. Das sei das Risiko eines Profitrainers. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen GC-Zeiten. «Wir sind beide emotionale Typen.»

Eine Überraschung ist Schaffhausen aber allemal zuzutrauen. An Qualität im Kader mangelt es dem Team aus der Challenge League keinesfalls, auch wenn im Sommer fünf Spieler den Weg in die Super League gefunden haben. Mit Davide Mariani (ausgeliehen von Zürich), Federico Almerares (ex Basel) und Igor Tadic (ex Kriens) hat sich Schaffhausen im Sommer geschickt verstärkt. Sportlich läuft es zwar nicht rund (Rang 8), doch die Richtung stimme, ist Jacobacci – Trainer und Sportchef in Personalunion – überzeugt.

Polizei spricht von Hochrisikospiel

Gerne hätte Schaffhausen das Heimrecht dem FCL abgetreten, doch die Luzerner Polizei verhinderte den Tausch. «Wir erwarten 2000 bis 2500 Zuschauer», sagt Geschäftsführer Yannick Amhof, bis zu 500 Fans aus der Innerschweiz dürften in die Nordschweiz reisen. Die Begegnung wurde von der Polizei als Hochrisikospiel definiert. «Wir sind gewappnet, hoffen aber, dass nichts passiert und alles einigermassen gesittet über die Bühne geht», sagt Patrick Caprez, Sprecher der Schaffhauser Polizei, den «Schaffhauser Nachrichten». Erfahrungen mit vielen Gästefans haben die Schaffhauser vor drei Wochen gemacht, als im Derby gegen Winterthur 2867 Zuschauer im Stadion Breite waren. «Ein spezielles Sicherheitskonzept ist nicht vorgesehen», sagt Amhof.

Euphorie vor dem Cupknüller will in der Kleinstadt mit rund 35 000 Einwohnern ohnehin nicht aufkommen. «Schaffhausen ist zwar eine Sportstadt», sagt Jacobacci, «wir haben eine der besten Handballmannschaften der Schweiz, ein NLA-Volleyballteam und den Fussballclub. Aber ein fussballbegeistertes Publikum wie in Luzern gibt es hier nicht.» 1900 Zuschauer verfolgen die Heimspiele im Schnitt im Stadion. Bisher haben erst 300 Personen vom Cupvorverkauf Gebrauch gemacht, Tickets gibt es noch in jeder Preisklasse.

Letzte Vorbereitungen

Während Jacobacci seine Stammelf auf dem Trainingsplatz gegen elf Ersatzspieler antreten lässt, dreht im Stadion auf dem Rasen ein Traktor der Stadtgärtnerei seine Runde. Der Platz wirkt tief, nicht zu vergleichen mit jenem in der Swissporarena. «Heute wird das Gras gedüngt, morgen noch geschnitten», erklärt der Gärtner. Anders als gegen FC Konolfingen, der den FCL in der ersten Cuprunde (0:9) empfangen hat, müssen in Schaffhausen keine Spezialwünsche erfüllt werden. «Der Aufwand ist nicht grösser als vor einem Meisterschaftsspiel», sagt Geschäftsführer Amhof.

Das 4200 Personen fassende Stadion erinnert ein wenig an das Brügglifeld in Aarau, obwohl es viel kleiner ist. Container dienen als Garderobe, Presseraum und Geschäftsstelle. Die Haupttribüne besteht aus viel Holz, der Putz blättert überall ab. Dennoch sagt Jacobacci: «Die Bedingungen sind hier ideal. Wir haben gute Trainingsplätze, einen Kunstrasen und in einem Container unser eigenes Reich mit Kraftraum und Massage­bereich.» Die Breite ist ein Flickwerk, das bald ersetzt werden soll. 2016 soll ausserhalb der Stadt ein neues Stadion bezogen werden. Der Stadtrat hat am Montag einen Kredit bewilligt, die Finanzierung steht nun, nur Beschwerden könnten den Bau verhindern.

Spätestens in zwei Jahren also wird Jacobaccis Stimme im Breitequartier verhallt sein.

Schweizer Cup, Sechzehntelfinals. Heute, 19.30: Lausanne-Sport (ChL) - Thun. – Samstag, 17.00: Münsingen (1.) - Locarno (PL). Tägerwilen (2.) - Lugano (ChL). – 17.30: Buochs (2.i) - Young Boys. FC Schaffhausen (ChL) - Luzern. Biel (ChL) - Sion. Chiasso (ChL) - Aarau. – 18.00: Henau (2.) - Wil (ChL). – 19.30: Hergiswil (2.i) - Schötz (1.).

Sonntag, 14.00: Black Stars Basel (1.) - Zürich. Neuchâtel Xamax FCS (PL) - Grasshoppers. Winterthur (ChL) - Basel. – 15.00: Greifensee (2.) - Cham (1.). Servette (ChL) - Wohlen (ChL). – 15.30: Le Mont (ChL) - St. Gallen. – 16.00: Stade Nyonnais (PL) - Köniz (PL).

Hinweis

Das Spiel wird im Internet auf www.cupplay.ch live übertragen. Luzernerzeitung.ch berichtet über den Augang der Partie.

Extrazug: Luzern ab 13.38, Sursee ab 14.01, Schaffhausen an 16.03. Rückfahrt: Schaffhausen ab 20.05, Sursee an 21.58, Luzern an 22.21.