FUSSBALL: Jakob Jantscher soll Offensive beleben

Der «neue» FCL ist noch ohne Sieg, macht aber Fortschritte. Dennoch gibt es einige Baustellen. Besserung scheint dank der Genesung von Jakob Jantscher in Sicht.

Jonas von Flüe
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Auf ihm ruhen beim FCL grosse Hoffnungen: Jakob Jantscher, der gegen Basel sein Debüt gab. (Bild: Philipp Schmidli)

Auf ihm ruhen beim FCL grosse Hoffnungen: Jakob Jantscher, der gegen Basel sein Debüt gab. (Bild: Philipp Schmidli)

Seine auffälligste Aktion war ein Foul. Jakob Jantscher stand am Sonntag in Basel noch keine Minute auf dem Platz, als er nach einer unfairen Aktion gegen Mohamed Elneny verwarnt wurde. Der Österreicher kam bei der 0:3-Niederlage nach überstandener Oberschenkelverletzung (Muskelverhärtung) zu seinem Debüt. Trainer Carlos Bernegger sah einen ansprechenden Einstand: «Er war ein belebendes Element, ist viel gelaufen und hat neue Impulse in unser Spiel gebracht.» In den 25 Minuten nach seiner Einwechslung schoss er einmal aufs Tor, die Luzerner Offensive konnte aber auch er nicht richtig ankurbeln. «Wichtig war, dass ich keine Schmerzen hatte», sagt Jantscher.

Der 25-Jährige soll das kreative Element werden, das den Luzernern in den ersten Partien noch gefehlt hat. Torhüter David Zibung lobt ihn in höchsten Tönen und sagt: «Er wird uns helfen, im gegnerischen Strafraum gefährlicher zu werden.» Beim holländischen Absteiger Nijmegen erzielte er in der letzten Saison in 31 Spielen 5 Tore und gab 5 Assists. «Er kann uns in der Offensive eine besondere Note geben, er hat bei all seinen Stationen viele Skorerpunkte gemacht», sagt Sportchef Alex Frei. Noch fehlt Jantscher aber die Spielpraxis.

Lezcano erarbeitet sich Chancen

Jantschers Klasse wird dringend benötigt. Denn die ersten vier Spiele haben gezeigt, dass in der Offensive alle Last auf Marco Schneuwly liegt. Der zentrale Stürmer wird praktisch in jedem Angriff gesucht und spult ein enormes Laufpensum runter. Dreimal hat er bisher getroffen und ist nach vier Spielen noch der einzige FCL-Torschütze.

Den restlichen Spielern fehlt bisher der Torriecher oder der Drang in die Spitze. Auch Dario Lezcano. Der Paraguayer sorgt seit seinem Wechsel vor zweieinhalb Jahren immer wieder für schöne Tore, doch konstant treffsicher ist er in keiner Phase gewesen. «Ihn müssen wir noch torhungriger machen», weiss Alex Frei. Lezcano erarbeitet sich immerhin viele Möglichkeiten, ist bisher in jedem Spiel im Strafraum anspielbar gewesen, konnte aber aus jeweils aussichtsreicher Position den Ball nicht im Tor unterbringen. Er vergab zum Teil kläglich. Sein Kopfball, den er am Sonntag aus gut 10 Metern an den Pfosten setzte, zeugt aber von grosser Klasse, die in ihm schlummert. Ihm fehlt momentan wohl einfach auch das Abschlussglück. «In dieser Aktion hatte ich Pech», meint Lezcano.

Mit den verheissungsvollen Jantscher und Lezcano im Kader sieht Sportchef Frei in der Offensive denn auch keinen Handlungsbedarf. Das mag auch einen einfachen Hintergrund haben. Frei muss 700 000 Franken Lohnkosten einsparen, treffsichere Stürmer sind im Unterhalt aber meist nicht ganz billig und nicht nur in Luzern Mangelware. Er ist überzeugt, dass der FCL mit der aktuellen Mannschaft eine erfolgreiche Saison spielen wird. «Wir haben gegenüber der letzten Saison deutlich an Spielstärke zugelegt», sagt er.

Qual der Wahl im Mittelfeld

Das liegt auch am grossen Konkurrenzkampf, der auf den meisten Positionen herrscht. Auf der FCL-Internetseite sind zwölf Mittelfeldspieler aufgelistet, von denen Claudio Holenstein (Bänderdehnung am Knie) und Oliver Bozanic (Rückenprellung) momentan noch verletzt sind. Trainer Carlos Bernegger hat die Qual der Wahl. Mit Thierry Doubai, Alain Wiss, Remo Freuler, Jahmir Hyka, Adrian Winter, Oliver Bozanic und Jakob Jantscher verfügt er über sieben potenzielle Stammspieler für fünf Positionen. Für die einstige Stammkraft Xavier Hochstrasser, der seine Chance in Schottland nicht nutzen konnte, gibt es im FCL wohl keinen Platz, keine Zukunft mehr. Sein Vertrag läuft noch bis im Sommer 2015.

Findet man für Hochstrasser einen Abnehmer, steigen die Chancen, dass die Luzerner auf dem Transfermarkt doch noch einmal zulangen. Denn Alex Freis finanzieller Spielraum hat sich durch das frühe Out in der Europa League sicher nicht vergrössert. Ein Erreichen der Gruppenphase, dazu hätte der FCL noch zwei weitere Runden überstehen müssen, wäre von der Uefa mit fast 2 Millionen Franken honoriert worden – Zuschauereinnahmen exklusive.

Das Transferfenster ist in der Schweiz noch bis 31. August offen. In den nächsten rund fünf Wochen wird es noch einige Spieler geben, die einen neuen Verein suchen oder die von ihrem Klub ausgemustert werden.

Frei kennt Sauro aus Basler Zeiten

Mit einer Reduktion des Kaders würden Lohnkosten eingespart, die man in die andere Baustelle investieren könnte: die zentrale Abwehr. Kaja Rogulj und François Affolter scheinen zwar je länger sie zusammen spielen, desto besser zu harmonieren und haben am Donnerstag bei St. Johnstone souverän verteidigt. Dennoch brauchen sie zumindest einen Back-up, der den Konkurrenzkampf antreiben könnte.

Gespräche mit FCB-Verteidiger Gaston Sauro hätten stattgefunden, vernimmt man aus dem FCB-Umfeld, beim FCL wollte man sich gestern aber noch nicht zum sich anbahnenden Transfer äussern. Der 24-jährige Sauro hat als 18-Jähriger beim argentinischen Spitzenverein Boca Juniors debütiert, Basel hat für ihn vor zwei Jahren über eine Million Franken nach Buenos Aires überwiesen. Frei kennt ihn aus gemeinsamen Basler Zeiten, die beiden haben in der Saison 2012/13 zusammen gespielt. Es ist jedoch gut möglich, dass sich nicht nur Luzern für den Argentinier interessiert, der in den Plänen von FCB-Coach Paulo Sousa keine Rolle mehr zu spielen scheint.

Jantscher heute in der U 21

Während die Schotten von St. Johnstone bereits am Donnerstag gegen Spartak Trnava die nächste Partie in der Europa League spielen, trifft der FCL erst am Sonntag (16.00/SRF 2) auswärts auf St. Gallen. Die Spieler, die in Basel eingesetzt wurden, bekamen gestern eine Pause. Auch Jakob Jantscher, der heute 45 Minuten mit der U 21 gegen Wettswil-Bonstetten spielt. «Ich muss nun schnellstmöglich in den Rhythmus kommen», sagt er. In Zukunft soll er nämlich länger als 25 Minuten auf dem Platz stehen und vor allem mit guten Aktionen auffallen.

Ende der Posse um Doubais Ex-Klub Sochaux

jvf. Fünf Tage vor dem Meisterschaftsstart hat der FC Sochaux Gewissheit. Der Verein aus der nahe an der Schweiz liegenden Stadt Montbéliard tritt in der Saison 2014/15 in der Ligue 2 an. Nach 13 Jahren in der Ligue 1, nach vielen Saisons, in denen man den Ligaerhalt knapp geschafft hatte, ist Sochaux nun definitiv abgestiegen. Bis gestern durfte man aber auf einen Verbleib in der höchsten französischen Spielklasse hoffen.

Sochaux nun definitiv abgestiegen

Denn dem RC Lens, der in ganz Frankreich beliebte Verein aus dem Norden des Landes, wurde vom ­Kontrollgremium des Ligaverbandes die Lizenz für die Ligue 1 zunächst verweigert, weil der Meister von 1998 die finanziellen Kriterien für die Erstklassigkeit nicht erfülle. Die Nordfranzosen waren nach drei Jahren in der Ligue 2 sportlich wieder aufgestiegen, mussten aber wochenlang um die Früchte ihrer Arbeit zittern.

Seit letztem Freitag hat sich die Wende aber abgezeichnet. Denn da hat das Nationale Olympische Komitee Frankreichs (CNOSF) die Empfehlung gegeben, man solle Lens in die Ligue 1 aufsteigen lassen, nachdem der Verein alles unternommen hatte, um die finanziellen Verhältnisse offenzulegen und finanzielle Garantien abzuliefern.

Doch das CNOSF hat nur eine beratende Funktion, weswegen dessen Anliegen vom Exekutivkomitee des französischen Fussballverbandes noch gutgeheissen werden musste. Gestern Abend dann der Entscheid: Lens darf aufsteigen, Sochaux wird am Samstag gegen Orléans in die neue Saison starten – eine Liga tiefer, als bis zuletzt erhofft.

Beim FC Luzern hat man die Entwicklung in Frankreich genau verfolgt. Denn von Sochaux verpflichtete man im Juni ablösefrei den Ivorer Thierry Doubai. Dessen Vertrag wäre in Sochaux noch zwei Jahre gelaufen, wurde mit dem Abstieg aber nichtig. Daher stellten sich die Fragen: Wird bei einem allfälligen Klassenerhalt von Sochaux Doubais Vertrag beim FCL nichtig? Oder muss der FCL eine Ablösesumme nachzahlen? Sportchef Alex Frei winkt ab: «Das Urteil hätte keinen Einfluss auf Thierrys Vertrag bei uns gehabt.» Der immer besser in Fahrt kommende defensive Mittelfeldspieler hätte also ohnehin nicht zurück zu dem Verein müssen, bei dem er sich nie richtig wohl gefühlt hatte.