FUSSBALL: Jantscher – einer, der sich traut

Der FC Luzern kann heute (17.45) im Heimspiel gegen Vaduz wieder auf Jakob Jantscher zählen. Er ist der beste Vorlagengeber der Liga und kennt das Rezept, die Vaduzer Defensive zu knacken.

Daniel Wyrsch
Drucken
Teilen
Energischer Jakob Jantscher (rechts) Anfang März im Auswärtsspiel gegen den FC Sion (links Xavier Kouassi). (Bild Martin Meienberger)

Energischer Jakob Jantscher (rechts) Anfang März im Auswärtsspiel gegen den FC Sion (links Xavier Kouassi). (Bild Martin Meienberger)

Daniel Wyrsch

Jakob Jantscher (26) kehrt heute gegen Vaduz ins Team zurück, nachdem er vor Wochenfrist bei der ersten Niederlage der Rückrunde beim 0:1 gegen GC wegen der achten gelben Karte eine Spielsperre absitzen musste. Auf die Frage, ob der Österreicher der gesuchte Aggressivleader sein könnte, der die Mannschaft in lethargischen Phasen wecken könnte, sagt FCL-Trainer Markus Babbel: «Ich musste schmunzeln, dass Jakob schon acht Verwarnungen geholt hat. Der Aggressivste ist er eigentlich nicht, die Verwarnungen kamen mehr durch Meckern und andere Umstände zu Stande. Aber natürlich ist Jakob ein wichtiger Spieler, einer, der eine gewisse Kreativität in sich trägt, der keine Angst hat, in 1:1-Situationen zu gehen. Wir brauchen gegen Vaduz mutige Spieler, die sich immer wieder trauen, auch wenn mal was misslingt, Spieler, die ein Stück weit Situationen provozieren, vielleicht ein Foul für eine Standardsituation für uns.»

Auf spielerische Weise helfen

Ein positiv verrückter Spieler fehlt Luzern, hat Sportchef Rolf Fringer am letzten Montag in unserer Zeitung festgestellt. Zu Jantscher passt diese Beschreibung. Der Mittelfeldspieler sagt: «So kann man es nennen. Aber ich bin es nicht in verbaler Weise, ich versuche, mit meinen spielerischen Qualitäten der Mannschaft zu helfen. Nun bin ich schon einige Jahre Profi und nicht der Typ, der den Chef auf dem Platz markieren muss und andere zurechtweist.»

Team-Harmonie kontra Leadership

Sich zu verändern, hat Jantscher nicht vor. «Wenn ichs machen täte, müsste ich mich zu stark verstellen. Man soll so sein, wie man ist. Wir haben Spieler, die das übernehmen können.» Wer ist seiner Meinung nach ein Führungsspieler? «David Zibung ist schon lange dabei, er kennt solche Situationen und spielt als Goalie auf einer wichtigen Position. Tomislav Puljic hat sehr viel Erfahrung, er spielt in zentraler Position genau wie Alain Wiss, der in die Startelf zurückgekehrt ist. Und Marco Schneuwly ist vorne im Sturm ein impulsiver Spieler.» Für Jantscher ist entscheidend, «dass wir als Mannschaft harmonieren».

Richtige Mischung über 90 Minuten

Startschwierigkeiten in der ersten Halbzeit wie zuletzt bei GC und zuvor in Sion (2:2) und St. Gallen (0:0) sind heute gegen einen weiteren Direktrivalen um den Ligaerhalt verboten. Jantscher: «Es wird uns nichts geschenkt, wir müssen von der ersten Sekunde an hellwach sein und versuchen, ein hohes Tempo zu gehen und wenn möglich ein schnelles Tor zu erzielen.» Sein Rezept: «Vaduz ständig bearbeiten und unter Druck setzen.»

Jantscher ist nach wie vor überzeugt von den spielerischen Mitteln der Mannschaft. Er, der mit Red Bull Salzburg österreichischer Meister und Torschützenkönig wurde, findet: «Ich stehe immer noch dazu, die Qualität unserer Mannschaft ist hoch.» Doch braucht es gegen den Abstieg je länger, je mehr Kampfkraft? «Wir benötigen die richtige Mischung, das schnelle Umschalten von der Defensive in die Offensive und umgekehrt.» Jantscher wünscht sich, dass sie mit dem FCL immer öfter über volle 90 Minuten zeigen können, was in ihnen steckt. «Dann werden auch Spitzenteams Schwierigkeiten gegen uns bekommen.»

Vier Punkte Vorsprung winken

Die Turbulenzen, die es im Klub in der Vorrunde gegeben hat, sind vorbei. «Das ist lange her, mit dem neuen Trainer sind wir ein eingeschworenes Team. Es gibt keine Ausreden mehr.»

Jantscher, mit zehn Torvorlagen der beste Assistgeber der Liga, will einmal mehr die entscheidenden Bälle aus dem Spiel heraus oder aus Standards schlagen. «Ein Sieg gegen Vaduz wäre sehr wichtig. Falls Aarau gegen YB verliert, könnten wir vier Punkte von den ­Aarauern wegziehen.»

Nach Alex Frei verlässt auch Beni Huggel den FCL

dw. Gestern Abend, kurz vor 18 Uhr, veröffentlichte der FC Luzern eine Medienmitteilung. Titel: «Benjamin ‹Beni› Huggel verlässt den FC Luzern.»

Die Bekanntgabe der Trennung «in gegenseitigem Einvernehmen» vom U-16-Trainer per Ende dieser Saison überrascht Insider nicht: Immer wieder hiess es aus dem Umfeld, man sei mit dem 41-fachen Nationalspieler aus Basel nicht zufrieden, weil Huggel (37) das für einen professionellen Nachwuchstrainer nötige Engagement vermissen lasse. So wird ihm unter anderem vorgeworfen, dass er direkt von zu Hause zu den Auswärtsspielen fahre, statt mit seinem im Tabellenmittelfeld platzierten Team von Luzern aus nach Bern oder St. Gallen zu reisen.

Stäger: Kein Kommentar

Unsere Zeitung wollte von FCL-Nachwuchschef Andy Egli wissen, ob das fehlende Engagement wie die mangelnde Identifikation des langjährigen FCB-Profis zur Trennung geführt hätten. Egli war nicht erreichbar. Dafür FCL-Präsident Ruedi Stäger. «Wir haben abgemacht, dass wir nicht mehr dazu sagen», meinte er, konfrontiert mit den Vorwürfen an Huggel. Wobei: Gerade bei einem «ohne Kommentar» ist einiges aus der Trennung herauszulesen. Bereits die Verpflichtung Huggels war ein klubinternes Politikum. Denn dem damaligen Luzern-Sportchef Alex Frei (35) war der «Anti-Basel-Reflex» im FCL-Umfeld bekannt gewesen. So wurde der Plan, Huggel zu holen, monatelang dementiert, ehe in der letzten Sommerpause in einer Medienmitteilung weit unten im Text zu lesen war, dass Huggel für die U 16 verpflichtet worden sei. Nachfolgende Interviewanfragen an den Ex-Internationalen wurden vom damaligen Kommunikationschef abgewimmelt.

Drei Monate und sieben Tage nach der Bekanntgabe der Trennung von Sportchef Frei hat der FCL jetzt bekannt gegeben, dass dessen Kumpel und Nachwuchstrainer Huggel den Verein nach nur einer Saison verlässt. Da Huggel ein stolzes Salär für einen hiesigen Juniorentrainer erhalten haben soll, dürfte der Finanzchef nicht unglücklich über den Abgang sein.

Wunschkandidat der Black Stars

Es steht ausser Diskussion, dass Benjamin Huggel etwas von Fussball versteht. Das beweist er regelmässig als Experte des SRF an Basler Champions-League-Spielen. Doch für den siebenfachen FCB-Meisterspieler scheint der Innerschweizer Nachwuchs keine echte Herausforderung bedeutet zu haben. Huggel gilt als Wunschkandidat des Basler Erstligisten Black Stars.