FUSSBALL: Jetzt hat Sarr nur noch den FCL im Kopf

Dem FCL fehlen in Basel (heute, 13.45) gleich drei defensive Titulare. Darum steht plötzlich Sally Sarr mehr in der Verantwortung. Er ist in Form, spürt aber ein Manko.

Drucken
Teilen
Zuversichtlich, was den Spielausgang in Basel angeht: Der talentierte Rapper und FCL-Verteidiger Sally Sarr auf dem Spielplatz in seinem Wohnquartier Aemättlihof in Stans. (Bild: Daniel Wyrsch / Neue LZ)

Zuversichtlich, was den Spielausgang in Basel angeht: Der talentierte Rapper und FCL-Verteidiger Sally Sarr auf dem Spielplatz in seinem Wohnquartier Aemättlihof in Stans. (Bild: Daniel Wyrsch / Neue LZ)

Eigentlich müsste Sally Sarr (28) vor Selbstvertrauen strotzen. Letzten Sonntag gehörte der Aussenverteidiger im Heimspiel gegen die Grasshoppers (2:0)zu den Besten in einem geschlossen starken und erfolgreichen FC Luzern. Zwar findet der Franzose mit Wurzeln in Senegal auch, «dass ich im dritten Spiel nach dem ausgeheilten Muskelfaserriss physisch zulegen konnte. Es ist wahr, ich spielte einen guten Match, aber trotzdem noch nicht auf dem Niveau Sally Sarr.» Mit anderen Worten: Er ist noch nicht der Alte.

Suche nach früherer Sicherheit

«Ich schaue alle unsere Spiele nochmals zu Hause am Fernsehen, meine läuferische und kämpferische Leistung war in Ordnung, doch im Spiel nach vorne hat mir die letzte Überzeugung gefehlt.» Dem offensiv aktiven Abwehrspieler geht offensichtlich noch das Selbstvertrauen ab. Sarr spricht offen an, was in diesem Geschäft meist verdrängt wird. Er spüre bei sich selber eine grosse Differenz zwischen seinem ersten Jahr beim FCL und jetzt. Sicher haben ihn in den letzten Saisons immer wieder Verletzungen aus dem Tritt gebracht, dennoch macht er mit seiner Aussage auf einen allgemein wunden Punkt im Team aufmerksam.

Sarr ist mittlerweile fast vier Jahre im Klub. Es gefällt ihm gut beim FCL und in der «sehr schönen Stadt Luzern». Gelebt hat er von Anfang an in Stans, im beschaulichen Nidwaldner Hauptort fühlt er sich wohl. «Es ist ein ruhiges Dorf mit netten Leuten.» Am liebsten ist er draussen direkt vor der Wohnung auf dem Spielplatz, wo er gerne Pingpong spielt. Eine Familie hat er noch nicht. Im Moment lebt er allein, seine Freundin schliesst in Paris das Studium ab, sie kehrt im Sommer nach zwei Jahren an der Seine zurück zu ihm. Vor kurzem haben sie sich verlobt.

Inkonstanz gibt zu denken

Sarr führt das Gespräch nach einem kurzen privaten Ausflug wieder zum Beruf. Er schwelgt noch immer in den Erinnerungen an die Saison unter Trainer Murat Yakin: «Fussballerisch war vor allem das erste Jahr beim FCL ein Erfolg: Wir standen im Cupfinal und beendeten die Meisterschaft auf Platz 2. Nachher spielten wir wechselhaft. Auf ein gutes folgte stets ein schlechtes Jahr.» Es habe ihnen immer wieder an der Konstanz gefehlt. Warum es so gewesen ist, wisse er nicht. Sarr will wahrscheinlich nach keinem Alibi suchen, die zahlreichen Wechsel auf den Positionen des Präsidenten, Sportchefs und Trainers nicht vor die Mannschaft schieben.

Im Moment läuft es dem FCL wieder besser. In den letzen 10 Spielen gewann die Mannschaft von Markus Babbel 15 Punkte, womit sie in der Tabelle der Rückrunde Platz 4 belegt – notabene mit den wenigsten Gegentoren (9). «Alle arbeiten gut, ich bin zuversichtlich, dass es gut kommt und wir den Ligaerhalt schaffen», meint Sarr.

Wieder Basel, wieder mit Affolter

Ausgerechnet jetzt müssen die Innerschweizer zum klaren Leader FC Basel. Dabei fehlen mit den verletzten Alain Wiss (Muskelfaserriss in der linken Wade) und Tomislav Puljic (Anriss am Syndesmoseband) sowie dem gesperrten Kaja Rogulj der defensive Mittelfeldspieler vor der Abwehr und die beiden Innenverteidiger. Darum steht plötzlich Rechtsverteidiger Sarr mehr in der Verantwortung. Voraussichtlich rückt er ins Abwehrzentrum und ersetzt mit François Affolter zusammen die «beiden Ochsen», wie Babbel das kroatische Bollwerk Puljic/Rogulj in der Innenverteidigung einmal bezeichnet hat.

Erst einmal haben Sarr und Affolter auf dieser Position zusammengespielt. Das war am 6. Dezember 2014 zu Hause gegen Basel: 0:3 unterlag der FCL, Matias Delgado schoss den FCB mit einem Doppelpack nach der Pause zum Sieg. Sarr lässt sich darob nicht verunsichern. Er freut sich auf den FCB: «In Basel zu spielen ist wunderbar; das grosse Stadion mit den vielen Zuschauern, dort herrscht immer eine tolle Ambiance.» Aber das heisse nicht, dass sie das nur geniessen würden: «Wir wollen auch etwas mitnehmen, obwohl Basel die beste Equipe der Schweiz ist.»

Vielleicht rappt Sally Sarr heute sogar gegen den FCB, wie er das auch schon im Luzerner Konzertlokal «Schüür» getan hat. Er mag französischen und amerikanischen Rap – und besitzt, wie ein Youtube-Video beweist, Talent. Ihm ist dennoch völlig klar: Er ist Fussball-Profi und Musik nur ein Hobby.

Früher daheim in Le Havre besass er nicht diese professionelle Einstellung. «In Frankreich hatte ich neben dem Sport noch viele andere Dinge im Kopf, war oft mit Freunden unterwegs, der Fussball nahm in meinem Leben nur den zweiten Platz ein.» Seit er Anfang 2009 zum FC Wil in die Schweiz gekommen ist, hat sich das geändert.

Ein «Superstar» ohne Starallüren

Für die FCL-Fans ist der Freizeit-Rapper Sally Sarr «Superstar». «Seit meinem ersten Spiel für Luzern auswärts gegen Neuchâtel Xamax haben sie mich so genannt, es war ein gelungener Start mit einem 3:0-Sieg und ich freue mich über den Zusatz ‹Superstar›.»

Dabei ist Sarr ein bescheidener, angenehmer Mensch ohne Starallüren. Ihm wäre es zu gönnen, wenn die Luzerner Anhänger heute nach dem Match «Sally Sarr Superstar» skandieren könnten. Obwohl in der Realität damit gerechnet werden muss, dass die FCL-Profis nur kurz in Richtung Fanblock winken, bevor sie schnell in der Senftube des «Joggeli» verschwinden werden.

Daniel Wyrsch

Babbels Erinnerung ans Basler «Joggeli»

Der FC Basel führt die Tabelle acht Runden vor Schluss nicht nur mit zehn Punkten Vorsprung auf das zweitplatzierte YB an, er befindet sich auch in Hochform: Die letzten vier Spiele gewann er mit 16:2 Toren. Im St.-Jakob-Park schickte das Team von Paulo Sousa zuletzt Aarau und den FC Zürich mit 6:0- und 5:1- Packungen nach Hause.

Keine gute Vorzeichen für den FCL, dessen Konstanz zuletzt zweimal hintereinander darin bestand, auf einen Sieg eine Niederlage folgen zu lassen. Nach dem Sieg über GC müsste also dem Rhythmus entsprechend heute eine Niederlage in Basel an der Reihe sein. Luzerns letzter Sieg im «Joggeli» datiert vor zwei Jahren am 28. April 2013 unter Carlos Bernegger – 3:0 mit Toren von Gygax, Hochstrasser und Winter.

Babbel fordert Bereitschaft

Der aktuelle FCL-Trainer Markus Babbel hat zweimal zu Hause gegen den FCB verloren (Vorrunde 0:3, vor fünf Wochen 1:4). Als Trainer ist er erstmals zu Gast in der rot-blauen Arena. 2002 hatte er als Ersatzspieler von der Bank aus miterlebt, wie Liverpool in Basel nach einem 0:3-Rückstand zur Pause ein 3:3 in der Champions League erreichte. Heute verlangt er von den FCL-Profis, «dass sie keine Anlaufzeit brauchen, denn gegen Basel muss man sofort bereit sein». Mit «hoher Konzentration und 90 Minuten Laufbereitschaft» erhofft er sich vom Team «eine richtig gute Leistung».