FUSSBALL: Keine Sperre für FCL-Verteidiger Costa trotz brutalem Foul

Der FC Luzern hat am Mittwoch zwar den Cup-Viertelfinal auswärts gegen den FC Aarau 5:3 gewonnen. Zu reden gibt nach diesem spektakulären Spiel mit löchrigen Abwehrreihen aber vor allem das rücksichtslose Einsteigen von Ricardo Costa gegen Sandro Burki.

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Luzerns Ricardo Costa (Mitte) foult Aaraus Sandro Burki. (Bild: Screenshot SRF)

Luzerns Ricardo Costa (Mitte) foult Aaraus Sandro Burki. (Bild: Screenshot SRF)

Immerhin ist die Verletzung des Aarau-Captains weniger schlimm als vorerst angenommen. Statt eines befürchteten Wadenbeinbruchs erlitt der 31-jährige Mittelfeldspieler «nur» einen doppelten Bänderriss im rechten Fuss. Burki fällt rund sechs Wochen aus.

Mit gestrecktem Bein und offener Sohle ist der ehemalige portugiesische Nationalspieler Ricardo Costa (35) eingestiegen, als Burki aus gefährlicher Position im Fünfmeterraum zum Abschluss gekommen ist. Das SRF-Video zeigt Bilder, die nichts für schwache Nerven sind: Costa traf den Aarauer am Knöchel, er nahm damit in Kauf, dass Burki eine noch schwerwiegendere Verletzung erleidet.

Aarau-Trainer Marco Schällibaum monierte zu Recht, dass Schiedsrichter Adrien Jaccottet das Vergehen nicht sah. «Dass ein solches Foul gegen Burki nicht geahndet wird, ist unverständlich. Da hatte Luzern den Super-League-Bonus.» Sandro Burki meinte nach einer schlechten Nacht, in der er wegen den Schmerzen offenbar kaum schlafen konnte, zum «Blick»: «Es ist einfach schade fürs Spiel, dass man diese Aktion nicht gewertet hat. Mit Rot und Penalty hätte das Spiel einen anderen Ausgang nehmen können.»

Ein Tatsachenentscheid

Schiedsrichter-Chef Cyril Zimmermann sagte unserer Zeitung auf Anfrage: «Eine nachträgliche Sperre für Ricardo Costa ist ausgeschlossen.» Grund: Es handle sich bei dieser Szene um einen Tatsachenentscheid. Der Schiedsrichter hat so entschieden, und ein solcher Entscheid könnte nur umgestossen werden, wenn hinter dem Rücken des Refs ein Spieler den anderen beispielsweise mit einem Faustschlag traktiert hätte.

Schiedsrichter-Inspizient Daniel Wermelinger besprach die Szene mit Ref Jaccottet, Dieser sei «extrem betroffen», dass er falsch entschieden habe, sagte SFV-Medienchef Marco von Ah. Nämlich statt Penalty und Rot für Costa auf Abstoss für Luzern.

Markus Babbel, Trainer des FC Luzern, versteht die Aufregung um die Aktion nicht. «Wer hier Ricardo Costa Absicht unterstellt, hat von Fussball keine Ahnung», sagt er. «Als Verteidiger muss er dort hin gehen, um das Tor zu verhindern. Es läuft aber unglücklich und er trifft Burki voll.»

Costa habe sich beim Aarauer Spieler nach dem Spiel entschuldigt. Eine allfällige Sperre würde Babbel nicht verstehen. «Es ist keine böswillige Aktion, sondern einfach unglücklich gelaufen. Deshalb würden wir einen solchen Entscheid weiterziehen.»

Am Donnerstagnachmittag wandte sich Ricardo Costa auch noch mit einer Videobotschaft an den verletzten Sandro Burki und wünscht dem Aarau-Captain gute und schnelle Besserung.
 


 

Daniel Wyrsch / Raphael Gutzwiller