FUSSBALL: «Koko» bemüht sich um Ruhe

Der FC Luzern bestreitet morgen gegen Thun das erste von zwei Heim­spielen im Kampf gegen den Abstieg. Das Verhalten des Trainers lässt tief blicken.

Daniel Wyrsch
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Man sieht ihm seine ungemütliche Situation an: FCL-Trainer Ryszard Komornicki.

Man sieht ihm seine ungemütliche Situation an: FCL-Trainer Ryszard Komornicki.

Eine besondere Trainingswoche geht heute für den FC Luzern zu Ende. Trainer Ryszard Komornicki (53) ist seit Sonntag und der 0:4-Klatsche beim FC St. Gallen angezählt. Doch der FCL, bekannt für ein aufgeregtes Umfeld, bleibt ruhig. Einerseits geniesst Präsident Mike Hauser (41) gerade Skiferien mit der Familie, andererseits – und dies ist entscheidender – hat Ehrenpräsident Walter Stierli (65) die schützende Hand der Investoren über den polnischen Fussballlehrer gehalten. Der Chef der FCL-«Hausbank» hatte direkt nach dem Debakel von St. Gallen erklärt: «Wir behalten die Ruhe, die Mannschaft soll sich auf den wichtigen Match gegen Thun vorbereiten.»

Komornicki ist auf alles gefasst

Komornicki erzählt an der wöchentlichen Medienkonferenz, wie er diese Tage erlebt hat. «Für mich war es ganz normal: Wer hier Trainer ist, muss auf alles gefasst sein.» Einen Augenblick später ergänzt er: «Ich bin auf alles vorbereitet.» Der (Noch-) FCL-Trainer wirkt dabei erstaunlich ruhig und abgeklärt. Wie einer, der nichts mehr zu verlieren hat und nur noch gewinnen kann. Komornicki, oft ein zu ehrlicher Vielredner, beschränkt sich auf die nötigsten Informationen. Das schützt ihn, wie er selber sagt, «vor Aussagen, die ich später bereuen könnte». Er denkt dabei wohl zuerst an YB-Spieler Moreno Costanzo, den er vor der Presse als Verstärkung für den FCL abgelehnt hatte und der im ersten Rückrundenspiel zwei Tore zum 3:2-Sieg der Berner gegen Luzern beisteuerte. Oder an den FC Barcelona, dessen Fussball Komornicki nach dem Besuch des Cupspiels in Malaga (4:2-Sieg der Katalanen) als langweilig bezeichnet hatte. Über Barças Ex-Trainer Pep Guardiola sagte er, dass dieser nach drei Tagen schon den Bettel beim FCL hinschmeissen würde. Natürlich wurden Komornicki diese Sprüche anschliessend von den Medien um den Kopf geschlagen. Dabei meint es der Pole gar nicht böse. Vorige Woche erklärte er, wie er funktioniert: «Finden alle Claudia Schiffer schön, finde ich sie nicht schön.» Komornicki hat also nicht nur einen eigentümlichen Humor, sondern ist auch noch ein Querdenker.

Allerdings gilt in diesem extrem resultatabhängigen Geschäft: Ob engstirnig oder offen, ob trocken oder humorvoll, ist egal, Hauptsache das Punktekonto stimmt. Aus 15 Partien mit dem FCL hat es unter Komornicki 16 Punkte gegeben. Das ist nicht viel. Aber gravierender ist, dass der Rückrundenstart mit nur einem Zähler aus drei Spielen misslang. Verfügt der Trainer weiter über genügend Zuversicht? «Natürlich, sonst wäre ich nicht mehr da», verteidigt er sich. Ein freiwilliger Rückzug dürfte trotz der ständigen Verbalattacken von Investor Bernhard Alpstaeg ausgeschlossen sein. Welcher Arbeitnehmer verzichtet freiwillig auf vier Monatslöhne? Komornicki sagt, er gebe keine Durchhalteparole heraus. Er verlangt Solidarität von seinen Spielern. «Jeder muss sich voll für die Mannschaft einsetzen, dann sehe ich eine Chance, gegen Thun zu gewinnen.»

Genervter Stephan Andrist

Ein Ex-Thuner sitzt zwei Plätze neben dem Trainer. Es ist der bis zum Sommer von Basel ausgeliehene Stephan Andrist (25). Er wirkt, um es gelinde auszudrücken, nicht sonderlich motiviert. Dabei ist Walter Stierli der Meinung, die Spieler stünden für die schwachen Saisonleistungen in der Schuld. Andrist nuschelt: «Leistung bringen, kämpfen, bis wir nicht mehr können, und am Ende schauen, was dabei herauskommt.» Der Berner, in der Vorrunde mit vier Treffern aus zehn Spielen bester FCL-Torschütze, zeigt sich genervt, wenn er zu seiner Zukunft befragt wird. Er wohnt weiter nahe beim Basler Barfüsserplatz. Es deutet vieles darauf hin, dass er seine Wohnung noch länger nicht räumen wird.

Luzern hat gegen Thun, das am Mittwoch im Cup nach 120 Minuten gegen Basel mit 1:2 unterlag, mehrere Absenzen zu beklagen; Claudio Lustenberger, Philipp Muntwiler und Sally Sarr sind gesperrt. Komornicki setzt auf die verbleibenden Arrivierten und meint selbstkritisch: «Ich will nicht noch einmal die Aufstellung verändern, um die Ordnung zu verlieren.» Statt eines Debakels wie in St. Gallen will er «ein richtig gutes Spiel sehen und gewinnen». Eine Woche bevor Schlusslicht Servette kommt.

Sollte es anders kommen: Vorbereitet ist Komornicki auf alles.