FUSSBALL: Kritische Stimmen mehren sich

Der FC Luzern musste vor der Länderspielpause einen Rückschlag hinnehmen. Nicht die Niederlage gegen Basel schmerzt, sondern die Art und Weise. Der Druck auf Coach Babbel steigt.

Daniel Wyrsch
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FCl-Trainer Markus Babbel: «Wenn zwei Spieler auf der gleichen Position gleich stark sind, gebe ich dem jüngeren den Vorzug.» (Bild Philipp Schmidli)

FCl-Trainer Markus Babbel: «Wenn zwei Spieler auf der gleichen Position gleich stark sind, gebe ich dem jüngeren den Vorzug.» (Bild Philipp Schmidli)

Daniel Wyrsch

Elf Runden vor dem Saisonende sieht es ganz nach einem Abstiegszweikampf zwischen dem FC Luzern (22 Punkte) und dem FC Aarau (19) aus. Nach dem 3:1-Heimsieg über die St. Galler sind selbst die bescheidenen Liechtensteiner vom FC Vaduz (8.) mit 7 Punkten Vorsprung auf das Schlusslicht Aarau mehr oder weniger in Sicherheit. Mit dem Trainerwechsel von Sven Christ zu Raimondo Ponte erhoffen sich die Aarauer nun neuen Schwung.

Beim FCL dagegen steigt der Puls, die Abstiegsangst geht wieder um. Die kritischen Stimmen aus dem Umfeld mehren sich; diese äussern Zweifel, ob Markus Babbel (42) und sein Assistent Roland Vrabec (41) das richtige Trainerduo im Kampf um den Klassenerhalt sind. Der Hauptvorwurf: fehlende Impulse aus der Coaching-Zone für das in fast jedem Match während längeren Phasen schläfrige FCL-Kollektiv.

Nur eine Auswechslung

Cheftrainer Babbel macht nicht den Eindruck, dass er von seinen Ersatzleuten überzeugt ist. Gegen Basel tätigte er mit Adrian Winter für Oliver Bozanic (69.) lediglich einen Wechsel. Warum er zwei weitere Optionen nicht nutzte – und hinsichtlich Einwechselzurückhaltung seinem zaudernden Vorgänger Carlos Bernegger (46) inzwischen in fast nichts nachsteht –, erklärte er so: «Zum einen war ich zufrieden mit der Leistung der eingesetzten Spieler, zum anderen war mir das Risiko mit den Einwechslungen von zumeist offensiven Leuten zu gross – wir hätten richtig unter die Räder kommen können.» Er habe dabei auch an die Tordifferenz gedacht.

Dabei liefen sich mit Sally Sarr, Jérôme Thiesson und Thierry Doubai aber FCL-Profis ein, die in erster Linie Defensivspieler sind und auch für etwas Schwung nach vorne hätten sorgen können. Die blassen und fehlerhaften Verteidiger François Affolter und Kaja Rogulj hätten sich nicht beklagen können, wenn sie vorzeitig aus dem Spiel genommen worden wären. Und die beiden Angreifer Dario Lezcano und Marco Schneuwly machten auch nicht gerade einen unwiderstehlichen Eindruck. Ein Ridge Mobulu mit seiner Sprintschnelligkeit und dem wuchtigen Kopfball hätte sicher auch wieder einmal eine Chance verdient gehabt. Jahmir Hyka wäre eine andere Variante in der Offensive gewesen. Cristian Ianu, neben Tomislav Puljic in der Winterpause von Sportchef Rolf Fringer als Verstärkung zurückgeholt, kam gegen Basel nicht einmal mehr ins Aufgebot.

Publikumsliebling Ianu auf Tribüne

Der nach wie vor bei vielen Fans beliebte FCL-Rekordtorschütze (21 Tore in der Saison 2009/10) ist bislang nur zu vier Teileinsätzen von insgesamt 52 Minuten gekommen. So wird es nichts aus den erhofften Treffern von Ianu, die zum Ligaerhalt verhelfen sollen. Dabei sind die von Babbel hochgelobten Schneuwly (3 Tore in 7 Rückrundenpartien) und Lezcano (2/7) überhaupt nicht unumstritten, besitzen aber quasi eine Stammplatzgarantie.

Babbel sagt, angesprochen auf den Tribünenplatz von Ianu gegen den FCB: «Ich bin mit seiner Leistung nicht hundertprozentig zufrieden. Wenn zwei Spieler auf der gleichen Position gleich stark sind, gebe ich dem jüngeren den Vorzug. Das ist in diesem Fall Ridge Mobulu gewesen.»

Trainer gibt sich unnahbar

Wie erwähnt kam Mobulu am Samstag aber nicht über die Rolle des einlaufenden Ersatzmanns hinaus. Ianu macht in den Trainings immer einen engagierten Eindruck und schiesst viele Tore, während Lezcano auch beim Üben unter der Woche kein Vollstrecker ist.

Babbel betonte, dass zwischen ihm und Ianu nichts vorgefallen sei. Doch der freundlich auftretende, aber unnahbare Trainer aus Deutschland müsste nach mehr als fünf Monaten in der Schweiz verstanden haben, dass er in Luzern den Konkurrenzkampf nur anheizen kann, wenn er mehr als den acht, neun Spielern, die ihren Platz in der Startelf auf sicher haben, sein Vertrauen schenkt. Falls nicht, könnte der Rest der Saison für den FCL noch einmal sehr turbulent – wenn nicht sogar äusserst schmerzhaft – werden.

HINWEIS

Testspiel. Donnerstag (14.30, Allmend): FC Luzern - Schaffhausen (Challenge League).