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FUSSBALL: Letzte Chance für Nordkoreaner

Der neue FCL-Stürmer Il Gwan Jong (24) ist nicht der erste Nordkoreaner, der sein Glück in der Schweiz versucht. Geschäftsleute stehen hinter den Transfers von Spielern aus dem Staat von Kim Jong Un.
Daniel Wyrsch
Il Gwan Jong im Kraftraum des FCL-Trainingslagers. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Oberstaufen, 3. Juli 2017))

Il Gwan Jong im Kraftraum des FCL-Trainingslagers. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Oberstaufen, 3. Juli 2017))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Il Gwan Jong ist am letzten Sonntag in Luzern eingetroffen. Sogleich rückte er ins viertägige Trainingslager des FC Luzern in Oberstaufen im Allgäu ein, gestern unterschrieb er einen Vertrag über zwei Jahre. Der 24-jährige nordkoreanische Nationalstürmer hat gemäss Co-Trainer Patrick Rahmen eine gute Technik und ist schnell. Tempo soll er ins Luzerner Spiel bringen, denn von einem schnellen Umschaltspiel war beim FCL in der letzten Saison nur höchst selten – mit U21-Nationalspieler João Oliveira (21) – etwas zu sehen.

Nun setzen die Innerschweizer in Sachen Tempospiel vor allem auf die Fähigkeiten von Jong, der für die von Ex-FCL-Trainer Jörn Andersen trainierte Nationalmannschaft Nordkoreas in 37 Länderspielen 8 Tore erzielt hat und zuletzt in der Heimat für Rimyongsu stürmte. Dank der Vermittlung von Rahmen hatte er im Frühling 14 Tage beim FCL vorspielen dürfen – und dabei Cheftrainer Markus Babbel überzeugt: «Das ist ein guter Spieler.»

Via Plüschtieren zu Transferrechten

Doch wie kommt es, dass ein Fussballer aus dem höchst umstrittenen Staat von Diktator Kim Jong Un in Luzern landet? Der Basler Karl Messerli produziert in China und Nordkorea Plüschtiere. Er nutzt seine Geschäftsbeziehungen: 2008 sicherte er sich die Transferrechte für Fussballer aus dem international abgeschotteten Land. Das erste grosse Schaufenster war die WM 2010 in Südafrika, an der Nordkorea teilnahm, aber in der Gruppenphase sang- und klanglos unterging.

Der Partner von Messerli ist Stephan Glaser. Er ist Ex-Präsident von Concordia Basel. Beim damaligen Challenge-League-Verein konnten die beiden junge Nordkoreaner weiterentwickeln und in Europa akklimatisieren. Der Plan war: die Spieler dereinst an Klubs in Topligen zu verkaufen. Doch dieses Unternehmen hat bis dato nicht zum Ziel geführt. Die ersten beiden Nordkoreaner wurden 2008 über die von Glaser gegründete Firma F.O.K. AG (Friends of Korea) zu Concordia transferiert. Der eine bekam schnell Heimweh und reiste wieder ab.

Als Concordia 2009 freiwillig abstieg, gingen die nordkoreanischen Talente zum FC Wil. Gross war die Hoffnung für den Durchbruch, als der FC Basel im Sommer 2011 Stürmer Kwang Ryong Pak von Wil verpflichtete, um ihn hinter Marco Streller und Alex Frei aufzubauen. Daraus ist nichts geworden, der inzwischen 24-Jährige spielt heute für Lausanne. In total 63 Super-League-Spielen für Basel, Vaduz und Lausanne hat er lediglich sechs Tore erzielt. Andere Nordkoreaner wie der Stürmer Chol Min Rim (26), der vor vier Jahren erfolglose Kurzgastspiele bei Wil und Brühl St. Gallen gab, sind vom hiesigen Fussball-Radar verschwunden.

«Urs» muss beim FCL Deutsch lernen

Beim FCL ist man sich bewusst, dass die Integration über die Sprache geht. Jong besucht von Anfang an den Deutschunterricht. Denn mit Koreanisch kommt er im Team nicht weit. Nur Pascal Schürpf spricht ein paar Brocken Koreanisch, die er in Vaduz von Mitspieler Pak gelernt hatte. Ob es hilft, dass sie Jong beim FCL «Urs» rufen, ist eher fraglich. Mehr helfen würde, wenn sich Karl Messerli, wie im Frühling während der Zeit der Probetrainings in Luzern, fast rund um die Uhr um ihn kümmern könnte. Schliesslich ist Il Gwan Jong für Messerli und Glaser wohl die letzte Chance, um mit einem nordkoreanischen Fussballer in Europa zu reüssieren.

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