FUSSBALL: Markus Babbel: «Es freut mich, Frei zu helfen»

Markus Babbel ist entspannt nach dem ersten Saisonsieg in Zürich. Der FCL-Trainer spricht über Eintagesfliegen, Alex Frei, François Affolter und Transferflops.

Interview Daniel Wyrsch
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Trainer Markus Babbel (rechts), Assistent Remo Gaugler (Mitte) und Sportchef Alex Frei. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Trainer Markus Babbel (rechts), Assistent Remo Gaugler (Mitte) und Sportchef Alex Frei. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Der Luzerner Francois Affolter (links) und der Zuercher Davide Chiumiento kaempfen um den Ball. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
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Die Luzerner Spieler freuen sich ueber den Treffer zum 1:0. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Der Luzerner Francois Affolter (links) und der Zuercher Franck Etoundi im Duell. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Luzerner Sally Sarr (rechts) holt sich gege den Zuercher Marco Schoenbaechler den Ball. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Der Luzerner Fidan Aliti, (links) diskutiert nach einem Elfmeterpfiff gegen den FC Luzern mit Schiedsrichter Adrien Jaccotet. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Der Luzerner Dario Lezcano (Mitte) bejubelt mit seinen Teamkollegen den Treffer zum 2:1. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Der Luzerner Trainer Markus Babbel. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Der Luzerner Dario Lezcano (Mitte) bejubelt mit seinen Teamkollegen den Treffer zum 2:1. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Der Luzerner Jakob Jantscher bejubelt seinen Treffer zum 3:1. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Die Luzerner Spieler bejubeln den 3:2 Sieg. (Bild: Keystone / Steffen Schraudt)
Die Luzerner jubeln in Richtung der Fans. (Bild: Keystone / Steffen Schraudt)
Die Zuercher Spieler lassen nach der Niederlage gegen die Koepfe hängen. (Bild: Keystone / Steffen Schraudt)

Der Luzerner Francois Affolter (links) und der Zuercher Davide Chiumiento kaempfen um den Ball. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)

Anders als bei Vorgänger Carlos Bernegger (45) müssen die Luzern-Profis unter Markus Babbel (42) auch am Tag nach einem Sieg trainieren. Einziger entschuldigter Spieler war am Sonntagvormittag Captain Claudio Lustenberger (27), der beim 3:2 in Zürich mit FCZ-Stürmer Franck Etoundi zusammengeprallt war und sich nun von einer leichten Gehirnerschütterung erholt.

Während der junge FCL-Mittelfeldspieler Remo Freuler (22) zum SRF sagte, er sei überglücklich nach dem ersten Vollerfolg der Saison, meinte Trainer Babbel: «Der Sieg ist schön, aber kaufen können wir uns nichts davon.» Umsomehr Vaduz gestern bei YB 1:0 gewann und der Rückstand auf die Liechtensteiner somit weiterhin fünf Punkte beträgt. Dafür ist GC (0:2 in Basel) nun Zweitletzter mit nur noch drei Punkten Vorsprung auf das Schlusslicht aus Luzern. Babbel konzentriert sich auf sein Team und weiss: «Das Erfolgserlebnis in Zürich darf keine Eintagsfliege sein. Wir müssen am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Thun wieder denselben grossen Aufwand betreiben. Nur wenn wir an unsere Grenzen gehen, können wir die Thuner schlagen.»

Markus Babbel, bei Ihrem Vorgänger Carlos Bernegger gab es nach einem Sieg frei. Wie wichtig ist es für Sie, dass die Mannschaft am Tag nach einem Match trainiert?
Markus Babbel:
Allein der Zeitpunkt ist nicht gegeben, die Füsse hochzulegen. Was haben wir bis jetzt erreicht? Wir haben einen Sieg geholt, der super war, der von der Tabellensituation her etwas unerwartet gekommen ist. Ich habe die Chance schon vorher gesehen, trotzdem müssen wir jetzt dranbleiben. Bis zur Winterpause gibt es nichts herzuschenken. Die Profis, die nicht gespielt haben, müssen die Power im Training holen, um für ihre Einsätze bereit zu sein, während die anderen, die gegen Zürich im Einsatz standen, ein Auslaufen machten. Eine entsprechende professionelle Vorbereitung für das nächste Spiel muss sein.

Beim FCL herrscht immer eine gewisse Unruhe. Der erste Saisonsieg war nicht nur für Sie und die Mannschaft sehr wichtig, sondern besonders auch für Sportchef Alex Frei gewesen. Ist Ihnen dies bewusst?
Babbel:
Natürlich, Erfolg ist auch wichtig für die Personen, die in handelnden Funktionen sind. Ist doch klar, wenn es nicht läuft, kriegt man Kritik. Ob berechtigt oder unberechtigt, das lasse ich dahingestellt. Für mich persönlich ist es jetzt nicht so wichtig, dass wir gewinnen. Für die Mannschaft war es wichtig, die steht auf dem Platz, die versucht, es so umzusetzen, wie wir es uns vorgenommen haben. Das hat sie am Samstag klasse gemacht. Wichtig ist, dass wir uns Gedanken machen und überzeugt sind, dass wir uns in solchen Partien etwas holen können. Das habe ich dem Team schon im Voraus gesagt, dass wir eine Riesenchance haben. Alex kann damit umgehen, ich kann damit umgehen, er war lange genug in dem Geschäft dabei, genauso wie ich. Wir wissen, wie es funktioniert.

Sind Sie sich gewohnt, mit Kritik umzugehen?
Babbel:
Wie schon Otto Rehhagel gesagt hat: Für Siege gibt es keinen Ersatz, da bleiben Kritikern keine Argumente. Wenn man verliert, hat man doch sehr viele Kritiker, die es schon vorher wussten, aber zu dem Zeitpunkt noch nichts gesagt haben, als kein Spiel stattgefunden hat. Aber das ist normal und gehört dazu. Es freut mich, wenn wir Alex ein Stück weit helfen konnten.

Der Sportchef hat 18 neue Spieler geholt, ein paar wie Schneuwly, Jantscher und Freuler haben eingeschlagen. Andere weniger. Wie frei sind Sie, das Team aufzustellen? Müssen Sie keine Rücksicht nehmen?
Babbel:
Nein, muss ich nicht. Und das ist völlig normal, es gibt Spieler, die vielleicht nicht zum Verein oder nicht zum Trainer passen. Es ist wahnsinnig schwierig, die richtigen Spieler für den Klub zu finden, die dann hierher passen, die möglichst schnell einschlagen. Aber es muss auch nicht jeder gleich einschlagen, manche Spieler sind noch sehr jung, müssen sich erst noch entwickeln. Man braucht auch eine gewisse Breite im Kader. Selbst wenn einer vielleicht nicht von Anfang an spielt, ist er extrem wichtig, damit wir eine gewisse Qualität auch auf der Bank haben. Ich kann die Leute, die rumerzählen, sie hätten es schon vorher gewusst, nicht ernst nehmen. Das ist völliger Schwachsinn, das weiss kein Mensch. Wenn ich höre, sie hätten genau auf den Charakter geschaut, weiss ich, es ist eine unglaublich heikle Sache, weil zwei Gespräche nicht genügen. Wie einer tickt, sieht man erst, wenn es nicht so gut läuft. Beim FC Luzern stelle ich aber fest, dass ich eine Mannschaft habe, die Spass macht, die charakterlich einwandfrei ist, die gewillt ist, aus dieser Situation herauszukommen, die alles dafür tut und investiert. Das ist entscheidend.

François Affolter kann Fussball spielen. Doch wenn er bei zwei Toren Vorsprung 15 Minuten vor Schluss gegen Zürich als letzter Mann dribbelt und das 2:3 verschuldet, statt den Ball sicher zu spielen, kommen Zweifel an der Fussballintelligenz auf.
Babbel:
Er ist ein intelligenter Bursche, er weiss selber am besten, dass das kein Brüller war. Er muss sich für die Zukunft bewusst werden, dass er sich mit solchen Aktionen sein tolles Spiel kaputt macht. Vom Potenzial her bringt er viel mit, er ist mit 23 noch relativ jung. Jeder Schaden hat seinen Nutzen, er muss daraus lernen.