Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

FUSSBALL: Markus Babbel verlangt Selbstsicherheit

Die 0:3-Pleite in Basel ist Markus Babbel (43)sauer aufgestossen. Der FCL-Trainer spricht über Puljic, Affolter, die Sechserposition und den Vorrundenabschluss gegen YB.
FCL-Trainer Markus Babbel: «Falls wir wie in Basel auftreten, wird es gegen die Berner nicht besser ausgehen.» (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

FCL-Trainer Markus Babbel: «Falls wir wie in Basel auftreten, wird es gegen die Berner nicht besser ausgehen.» (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Interview Daniel Wyrsch

Markus Babbel, was haben Sie am Tag nach der klaren 0:3-Niederlage gegen Basel Ihrer Mannschaft gesagt?

Markus Babbel: Es ist das Gleiche, das ich schon öfter nach einem Spiel gegen Basel gesagt habe: Wenn man zu viel Respekt hat und dadurch ängstlich ist, reicht es nicht. Gegen einen Gegner von diesem Format muss man mutig sein. Ich ärgere mich und bin wie die Mannschaft enttäuscht, dass die Spieler ihr Potenzial nicht abgerufen haben. Das schaffst du nur, wenn du eine innere Überzeugung hast. Die hat uns am Sonntag gefehlt.

François Affolter hat auch schon bewiesen, dass er in Basel wie beim 2:1-Sieg im April fehlerfrei spielen kann. Wie erklären Sie sich, dass der gleiche Innenverteidiger nun die ersten zwei Gegentore auf seine Kappe nehmen muss?

Babbel: Ich kann es im Moment nicht erklären. Es ist für mich auch ein Stück weit ein Rätsel. Wenn es irgendwelche Anzeichen im Training geben würde, wüsste ich es ja. Aber er ist ein Super-Profi, der jede Einheit zu 100 Prozent umsetzt. Wir hatten letzte Woche explizit Zweikämpfe im Training geübt. Er war dabei aussergewöhnlich gut. Warum ihm dann solche Fehler passieren, frage ich mich auch. Die einzige Erklärung ist für mich der erwähnte zu grosse Respekt und die damit aufkommende Ängstlichkeit und Unsicherheit.

Als Trainer setzt man dann halt wieder auf die zweikampfstärksten Kräfte wie Tomislav Puljic und ...

Babbel: ... Tomi hat uns in Basel natürlich gefehlt. Er ist in einer sehr guten Form, das hat uns schon wehgetan. Ich habe das Gefühl, dass die Spieler mit ihm an der Seite einen Tick mehr Sicherheit haben. Es ist wichtig, dass du Spieler auf dem Platz hast, die eine gewisse Souveränität ausstrahlen. Das hat Tomi in den letzten Wochen sehr gut gemacht. Wir konnten seine Absenz nicht kompensieren, es sind uns zu viele Spieler leistungsmässig weggebrochen.

So stellt sich die Innenverteidigung im nächsten Match am Samstag zu Hause gegen YB mit Puljic und Kaja Rogulj praktisch selber auf.

Babbel: Das wird definitiv eine Idee sein.

Sie haben offensichtlich vorausgeschaut, Affolter im defensiven Mittelfeld eine neue Position in Aussicht gestellt. Gegen Thun machte er seinen Job dort ganz ordentlich, in Basel bewies er in der zweiten Halbzeit, dass er spielerische Qualitäten hat.

Babbel: Absolut. Wie gesagt, er ist ein toller Profi. Bei ihm habe ich ab und zu das Gefühl, dass er garantiert das Verkehrte macht, wenn er zu viel Zeit hat und ins Überlegen kommt. Auf der Sechserposition, wo du permanent in einer Hektik bist, einen viel grösseren Laufaufwand als in der Innenverteidigung betreiben musst, kommt er nicht so oft zum Nachdenken. Deshalb spielt er dort sauberer, instinktiver. Dann macht er viele Sachen sehr gut. Wir werden weiter äusserst intensiv mit ihm arbeiten, ob als Mittelfeldspieler oder als Innenverteidiger, wo er auch schon Topspiele abgeliefert hat. Schade, macht er seine gute Gesamtleistung durch solche Aussetzer kaputt.

Auf der Sechserposition sind Sie offensichtlich noch immer auf der Suche nach dem richtigen Mann.

Babbel: Gerade dann, wenn wir nur mit einem Sechser spielen, haben wir nach wie vor ein Problem. Mit unserem Toptalent Remo Arnold hatte ich überhaupt noch nicht gerechnet, weil ich dachte, der brauche noch viel mehr Zeit. Bei ihm muss man aber aufpassen, dass er neben der schulischen Belastung nicht verheizt wird. Migjen Basha hatte das System noch nie zuvor gespielt – er kannte nur die Doppelsechs. Er war mit Trainingsrückstand zu uns gekommen und tut sich noch schwer, die Rolle nach meinen Vorstellungen zu erfüllen. François Affolter bringt das Physische mit. Er kann das System mit einem Sechser sehr gut spielen.

Ist Ihnen Remo Freuler offensiv zu wertvoll, um ihn hinten reinzustellen?

Babbel: Er hat in Sion überragend als Sechser gespielt. Dadurch fehlte er uns jedoch weiter vorne im Mittelfeld. Remo Freuler ist ein Kreativspieler, der enorm fleissig ist. Er ist defensiv fast verschenkt.

Eine andere Baustelle ist der Angriff. Mehr als vier Spiele, die Statistik sagt genau 387 Minuten lang, hat der FCL kein Stürmertor mehr erzielt.

Babbel: Dass wir derzeit im Abschluss ein Problem haben, ist ohne Wenn und Aber der Fall. Grössere Sorgen hätte ich allerdings, wenn wir uns keine Chancen herausspielen würden. Uns fehlt die Effektivität. Da müssen wir einfach weiter daran arbeiten. Wir brauchen die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

Aus den letzten sieben Partien hat Luzern nur noch fünf Punkte geholt. Wie wichtig ist für Sie das abschliessende Vorrundenspiel gegen YB?

Babbel: Zum einen ist es aufgrund der Punkteausbeute bedeutend. Wir haben zu viele Zähler liegen gelassen. Klammert man die klare Niederlage in Basel aus, wäre meist mehr dringelegen. Es würde der Mannschaftsleistung gerecht werden, wenn man das ganze Jahr 2015 anschaut – beim Start im Januar mit 13 Punkten auf dem Abstiegsplatz und der anschliessend tollen Rückrunde. Jetzt stehen wir nicht überragend da, aber ordentlich. Es wäre schade, wenn der letzte Eindruck negativ wäre. Positiv dagegen würde es sein, wenn wir aus diesem letzten Spiel Zählbares mitnehmen könnten.

Die Young Boys sind eine Wundertüte, da weiss man nicht, was für ein Gegner auf einen zukommt.

Babbel: Falls wir wie in Basel auftreten, wird es gegen die Berner nicht besser ausgehen. Ich habe sie gegen St. Gallen gesehen, da kam schon eine Power und Wucht rüber. Gelingt es uns aber, gegen diesen individuell stark besetzten Gegner dagegenzuhalten, ist die Chance gross, etwas zu holen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.