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FUSSBALL: Markus Neumayr: «Die Erfahrung kann unser Plus sein»

Luzern bestreitet heute (19.45) das Hinspiel in der Europa-League-Quali gegen Sassuolo. Spielmacher Markus Neumayr strotzt vor Selbstvertrauen.
Daniel Wyrsch
Markus Neumayr geht im gestrigen Abschlusstraining mit gutem Beispiel voran. Er sagt: «Ich versuche, im Mittelfeld der Kopf der Mannschaft zu sein.» (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Markus Neumayr geht im gestrigen Abschlusstraining mit gutem Beispiel voran. Er sagt: «Ich versuche, im Mittelfeld der Kopf der Mannschaft zu sein.» (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Daniel Wyrsch

10 000 Zuschauer erwartet der FC Luzern heute (19.45) zum Hinspiel gegen den Serie-A-Sechsten der letzten Saison, US Sassuolo Calcio. Trainer Markus Babbel sagt: «Wir müssen zwei Sahnetage haben, um gegen die Italiener weiterzukommen.» Goalie David Zibung nennt als Vergleich den Marktwert der beiden Mannschaften: Der FCL (rund 15 Millionen Euro) hat fast siebenmal weniger Wert als das knapp 100 Millionen Euro teure Kader von Sassuolo. «Diesmal sind wir in der Rolle von St. Johnstone», meint Zibung. Er spricht das letzte Abenteuer der Luzerner in der Europa-League-Qualifikation vor zwei Jahren gegen die limitierten Schotten aus Perth an. «Unser Auftritt war peinlich, gegen die hätten wir weiterkommen müssen.» Für Luzern kam wie 2012 gegen Genk (BEL) und 2010 Utrecht (NED) das Aus gegen den ersten Gegner.

Das muss diesmal nicht zwingend der Fall sein. «Die Fahne werden wir hochhalten», verspricht Babbel zumindest. FCL-Spielmacher Markus «Mac» Neumayr macht sich und seinen Teamkollegen Mut, indem er auf den «anderen Wettbewerb» hinweist. «Wir haben mehr europäische Erfahrung als Sassuolo, da die Italiener erstmals international dabei sind.» Er ist überzeugt, dass dieser Vergleich mit einem Spiel der Super League oder der Serie A nicht zu vergleichen ist: «Die Erfahrung kann unser Plus sein.»

Neustes Tattoo mit der 77

Neumayr selbst hat in den letzten drei Jahren mit Vaduz zwölf Partien in der Europa-League-Qualifikation bestritten. Dabei hat er immerhin drei Tore erzielt und sieben Assists gegeben. Der Saisonauftakt ist dem 30-jährigen Deutschen persönlich besonders gelungen; beim 2:1-Sieg am Samstag in Lugano traf er mit einer perfekten Direktabnahme mit dem schwächeren linken Fuss zum 1:0. Seit er im Winter aus dem Fürstentum Liechtenstein in die Innerschweiz wechselte, hat er in 13 Ligaspielen sechs Tore geschossen. Die Hälfte davon sind zwar Elfmetertreffer, aber auch die hat er alle mit Übersicht, Kaltschnäuzigkeit und feiner Technik verwertet.

Neumayr ist auch sonst der Spezialist für die Luzerner Standards. Seriös zu üben angefangen hat er damit als Nachwuchsmann im Kader von Manchester United, wo er Weltstar David Beckham abschaute.

Dessen Nummer 23, die Beckham bei Real Madrid trug, hat sich Neumayr vor Jahren auf den Nacken tätowieren lassen. Weil Sally Sarr in Luzern diese Zahl bereits trägt, musste er eine neue Rückennummer suchen: Die 77 ist es. Die Sommerpause nutzte er, um sich den Jahrgang seiner Frau auf den Unterarm stechen zu lassen. Neumayr machen Tattoos Freude, beim Stechen verspürt er kaum Schmerzen. Übrigens schon bei Rot-Weiss Essen trug er einst die 77 – und er verrät eine Formel hinter der Ziffer: «100 minus 77 gibt 23.»

Alpstaeg will die Haare kurz

Neumayr ist einer der wenigen Paradiesvögel, die dem Schweizer Fussball geblieben sind. Die Frisur hat er aber bereits den Wünschen von Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg (70) angepasst. Bekanntlich mag der Swisspor-Patron bei Männern keine langen Mähnen. Es erstaunt nicht, dass Neumayrs blond gefärbte Haare im Dreimonatsrhythmus kürzer und kürzer geworden sind. Inzwischen käme er haartechnisch problemlos durch die strengen Kontrollen der Rekrutenschule.

Anders als die meisten Fussballer fährt Neumayr am liebsten einen Kleinwagen. Er mag seinen Smart, obwohl ihm dieser hin und wieder wegen der Servolenkung Sorgen bereitet. «Ich bin kein Klischee-Mensch», sagt er und betont: «Ich mache, was mir Spass macht!»

Gibt er heute zu, dass er sich in seiner hoffnungsvoll bei Man Uniteds Trainerlegende Sir Alex Ferguson gestarteten Karriere nicht immer durchgebissen hat, so hat er sich mit dem Alter und der Reife eine andere Einstellung angeeignet. Im zentralen FCL-Mittelfeld muss er bereit sein, viel mehr zu laufen als frühere Schönwetterspieler wie Hakan Yakin. Nicolas Haas (20) und Hekuran Kryeziu (23) laufen in einem Spiel bis zu 12 Kilometer. Mit den beiden Jungen will Neumayr mithalten, was ihm auch gelingt.

Im FCL-System spielt er sowohl Sechser wie Achter und ist dazu der Spielmacher. Dafür braucht er eine grosse Variabilität. Neumayr gefällt es: «Markus Babbel hat für mich eine gute Position gefunden.» Er mag es, Verantwortung zu tragen: «Ich versuche, im Mittelfeld der Kopf der Mannschaft zu sein.»

In Luzern gefällt es dem im unterfränkischen Hösbach, in der Nähe von Frankfurt, aufgewachsenen Deutschen. Dasselbe kann er von der Familie mit seiner aus Basel stammenden Ehefrau, Tochter Lanï (7) und Sohn Dian (4) sagen. «Wir fühlen uns sehr wohl hier.»

Er mag die Aufregung um den FCL

Als zu Beginn der letzten Rückrunde, nach sechs Niederlagen, ein eiskalter Wind durch die Swissporarena blies, hatte sich Neumayr zuerst gewundert. «Von meiner letzten Station Vaduz war ich es nicht gewohnt, dass Unruhen im Verein die Mannschaft so berühren.» Allerdings sei in Vaduz auch in weniger erfolgreichen Phasen kaum etwas geschehen. «Was konnte dort schon viel mehr passieren, als dass eine Kuh einen Haufen gemacht hat», meint er. Da ist ihm die Aufregung in Luzern viel lieber.

Neumayr ist von den Fortschritten des Teams überzeugt. «Unsere Stabilität ist grösser als vor vier, fünf Monaten.» Dazu beigetragen habe auch der neue Innenverteidiger Ricardo Costa (35), der viel Erfahrung mitbringt. Besonders wertvoll dürfte diese heute Abend sein.

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