FUSSBALL: Markus Neumayr: «Die Leute lachten mich aus»

Der Deutsche Markus Neumayr (29) hat beim FC Luzern einen Vertrag bis im Sommer 2017 unterzeichnet, gestern trainierte er zum ersten Mal. Im Interview spricht er über Hochs und Tiefs seiner Karriere, Markus Babbel und das Image des FCL.

Interview Jonas von Flüe
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Markus Neumayr sitzt vor dem Graffiti hinter der Stehplatztribüne der Swissporarena. «Der FCL hat richtig geile Fans, das weiss jeder», freut er sich auf das erste Heimspiel. (Bild Pius Amrein)

Markus Neumayr sitzt vor dem Graffiti hinter der Stehplatztribüne der Swissporarena. «Der FCL hat richtig geile Fans, das weiss jeder», freut er sich auf das erste Heimspiel. (Bild Pius Amrein)

Markus Neumayr fällt im FCL-Training sofort auf. Sein extravaganter Haarschnitt sticht inmitten der blau und schwarz gekleideten Männer heraus. Später beweist der Deutsche viel Geduld. Ob Fotos oder Interviews: Die neue Nummer 77 (Jahrgang seiner Frau) beim FCL nimmt sich Zeit, erzählt von seinem fussballerischen Werdegang, von seiner Familie und auch von seinem neuen Arbeitgeber. Neumayr geniesst den Rummel um seine Person, nachdem es in Vaduz eher gemächlich zu und her gegangen ist. Die Familie soll hier schnell heimisch werden: Mit seiner Frau Zoë, Tochter Lanï (6) und Sohn Dian (3) wird er bald ein Haus in Adligenswil beziehen.

Markus Neumayr, Ihre Schwiegereltern dürften keine Freude am Wechsel zum FCL gehabt haben ...

Markus Neumayr: (lacht) Sie hätten mich natürlich viel lieber in Basel gesehen, denn sie besitzen im St.-Jakob-Park eine Saisonkarte und sind eingefleischte FCB-Fans. Aber sie haben sich riesig mit mir gefreut und wissen, dass der Wechsel zum FC Luzern für mich ein richtiger und wichtiger Schritt ist.

Weshalb haben Sie sich für Luzern entschieden?

Neumayr: In erster Linie wegen Markus Babbel und dem Umfeld. Wir haben uns im vergangenen Mai zum ersten Mal getroffen. Ich habe sofort gemerkt, dass er einen Plan verfolgt und ich ein Teil dieses Planes bin. Der Transfer hat sich deswegen abgezeichnet. Ich habe mich immer mit der Spielweise Luzerns identifizieren können und möchte nun in Luzern ein ähnliches Standing erreichen wie in Vaduz – und zwar als Spieler und als Person. Weil mir Markus Babbel das Gefühl gegeben hat, dass er mich unbedingt will, habe ich andere Angebote ausgeschlagen. Luzern hatte für mich Priorität.

Markus Babbel ist nach Thomas Strunz und Mario Basler bereits Ihr dritter Trainer, der bei Bayern München eine grosse Karriere erleben durfte. Sehen Sie Parallelen?

Neumayr: Ich kann bereits nach einem Tag sagen, dass Babbel um Meilen besser ist als die anderen. Basler ist alles andere als ein Trainer, und Strunz liefen als Sportlicher Leiter bei Rot-Weiss Essen alle Trainer davon, weshalb er selbst eingesprungen ist. Babbel hat Höhen und Tiefen erlebt. Ich bewundere ihn sehr, weil er nicht nur eine tolle Karriere hingelegt hat, sondern auch ein ganz feiner Mensch ist.

Sie leben bereits seit fünf Jahren in der Schweiz und kennen die Super League bestens. Was für einen Ruf geniesst der FCL in unserem Land?

Neumayr: Es heisst, dass in Luzern immer etwas los ist. Der FCL wird deswegen auch «FC Hollywood» genannt. Aber ich kann das ehrlich gesagt nicht wirklich nachvollziehen. Bisher hatte ich nur mit kompetenten Personen Kontakt. Der Präsident macht einen guten Eindruck, der Trainer sowieso, und auch die Leute im Umfeld behagen mir bisher. Dass es rund um den Verein manchmal laut wird, gehört bei so vielen Fans halt dazu. Der FCL hat richtig geile Fans, das weiss jeder. Da wird man von den Rängen wahnsinnig gut unterstützt. Das war in Vaduz leider nicht so.

War es Ihnen in Vaduz zu ruhig?

Neumayr: Mit Vaduz bestreitet man nur Auswärtsspiele. Für einen Spieler ist das alles andere als motivierend. Das Umfeld war immer zufrieden – egal, ob wir gut gespielt und gewonnen oder schlecht gespielt und verloren haben. Der Verein kämpft in Liechtenstein mit der Konkurrenz von Balzers und Eschen-Mauren. In Luzern hingegen identifiziert man sich mit dem Verein, der Mannschaft, den Spielern. Es war eine tolle Zeit in Vaduz, aber es war an der Zeit, den nächsten Schritt zu wagen.

Vaduz liegt auf dem letzten Tabellenplatz. Sie waren Captain und Leistungsträger. Für den Verein kommt Ihr Abgang zu einer sehr ungünstigen Zeit ...

Neumayr: Ich wollte den Schritt zum FCL unbedingt machen, früher oder später. Das wusste man auch in Vaduz. Damit man noch eine Ablösesumme für mich erhält, liess man mich jetzt, im Winter, ziehen (Anm. d. Red.: Neumayrs Vertrag in Vaduz wäre im Sommer ausgelaufen). Der Zeitpunkt ist für mich allerdings ideal.

Mit 16 Jahren wechselten Sie nach England zu Manchester United. Im Anschluss begann eine lange Talfahrt bis in die Tiefen des deutschen Regionalfussballs. Was würden Sie rückblickend anders machen?

Neumayr: Eine Zeitmaschine gibt es leider nicht, deshalb kann man die Zeit nicht zurückdrehen. Ich bin froh, dass ich jetzt in Luzern bin, denn vor ein paar Jahren habe ich in Deutschland noch in der 8. Liga gespielt, bei Wacker Burghausen, als mich Mario Basler zu den Reserven geschickt hat. Da bist du über Land und Wiesen gefahren. Das war keine schöne Zeit, denn die Leute haben mich ausgelacht. Für sie war ich der Gescheiterte aus England. Alle haben erwartet, dass ich so spiele wie Cristiano Ronaldo. Aber als ich aus England zurückgekehrt bin, hatte ich noch nie in einer Profi-Mannschaft gespielt. Ich hatte zwar in Manchester ein Jahr mit den Profis trainiert und war Captain der Reserven. Aber das war eher Junioren-Fussball.

Wie haben Sie sich wieder aufgerafft?

Neumayr: Das habe ich wohl meiner Tochter Lanï zu verdanken. Ich war 23, als sie zur Welt kam, und wollte ein gutes Vorbild sein. Ich wollte unbedingt allen beweisen, dass der Markus Neumayr nicht nur viel Talent, sondern auch die richtige Mentalität und Einstellung hat, um etwas zu erreichen. Nun bin ich 29 Jahre alt und spiele beim FC Luzern. Ich finde: Es hätte schlimmer kommen können. (lacht)

Michael Frey besteht die Tests

Michael Frey hat die medizinischen Tests in der Hirslanden-Klinik St. Anna erfolgreich hinter sich gebracht. Der 21-Jährige dürfte heute beim FC Luzern einen Leihvertrag bis Ende Saison unterschreiben. «Wir warten noch auf die nötigen Unterschriften aus Lille», sagt FCL-Medienchef Max Fischer. Frey stösst vom französischen Ligue-1-Team Lille zu den Luzernern. Seinen letzten Ernstkampf bestritt er am 17. Januar 2015. Beim FCL will der junge Berner Spielpraxis sammeln und sich für einen Platz im Schweizer EM-Kader aufdrängen.
Die Grippe geht um
Während die Mannschaft gestern zwei Mal trainiert hat, mussten Sebastian Schachten und Jakob Jantscher das Bett hüten. Eine Grippe hat die beiden nach der Rückkehr aus dem Trainingslager flachgelegt.
Zurück beim FCL ist derweil Ferid Matri. Der 22-jährige Verteidiger war vom FCL nach Le Mont ausgeliehen, der Vertrag wurde jedoch vorzeitig aufgelöst. Matri ist zurzeit verletzt und wird dann das Aufbautraining mit der U 21 aufnehmen. Beim FCL steht Matri noch bis im Sommer 2017 unter Vertrag.