FUSSBALL: «Mein Traum ist die WM 2014»

Oliver Bozanic wird nach seinen zwei Toren zum 3:2 gegen Zürich mit Lob überhäuft. Das neue FCL-Idol redet mit unserer Zeitung – trotz freiem Tag und Besuch der Freundin aus Australien.

Daniel Wyrsch
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Der Australier Oliver Bozanic fühlt sich in Luzern sichtlich wohl. Davon zeugen auch die vier Tore, die er in den ersten drei Spielen erzielt hat. (Bild: Philipp Schmidli)

Der Australier Oliver Bozanic fühlt sich in Luzern sichtlich wohl. Davon zeugen auch die vier Tore, die er in den ersten drei Spielen erzielt hat. (Bild: Philipp Schmidli)

Oliver Bozanic (24) spricht, wie er spielt: unbekümmert und unaufgeregt. Dabei hat der Australier kaum geschlafen. «Es waren nur ein paar Stunden, die ich abbekommen habe», erzählt er. Mit den beiden spektakulären Toren, die er am Sonntag gegen den FC Zürich erzielte, habe die kurze Nacht allerdings nichts zu tun. «Schlaf zu finden, ist immer schwierig nach Spielen.»

Freundin bringt ihm Glück

Gestern hätte Bozanic gerne mehr Zeit mit seiner Freundin verbracht. Sie ist auf Besuch und kommt wie er von der Central Coast, genauer aus Gosford etwas nördlich von Sydney. Aus einem geplanten Ausflug wurde nichts, weil er nach seiner überragenden Vorstellung ein gefragter Mann bei den Medien ist. Doch Bozanic nimmt es locker. Schliesslich ist es für ihn beim FC Luzern bisher perfekt gelaufen. Vier Tore hat er nach drei Spieltagen schon auf dem Konto, zusammen mit Izet Hajrovic von GC führt er die Torschützenliste an. Und: «Meine Freundin Felicity war am Sonntag zum ersten Mal im Stadion, sie hat mir wahrlich Glück gebracht.»

Der «Aussie» liebt Wassersport

Bozanic fühlt sich wohl hier. Er hat eine Wohnung gefunden, die nur wenige Autominuten vom Stadion entfernt ist. «An einem netten Ort mit freundlichen Menschen.» Der Vierwaldstättersee ist nahe. Obwohl er derzeit sehr beschäftigt sei, gehe er oft an den See. Das Element Wasser liebt der «Aussie» wie fast alle seine Landsleute. Surfen und Paddelbootfahren mag er an den grossen Stränden in seiner Heimat. Meeranschluss kann die Schweiz nicht bieten. Bozanic ist trotzdem mehr als zufrieden mit seinem neuen Lebensraum. «Die Schweiz ist auch ein schönes Land, speziell hier in Luzern und Umgebung. Als Profi habe ich andere Orte gesehen. Ich bin glücklich, in dieser attraktiven Region leben zu dürfen.»

Bozanics Mutter ist eine echte Australierin, der Vater ist in Australien geboren, dessen Vater stammte aus Serbien und die Mutter aus Slowenien. Bozanic hat einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester. Er spricht ausschliesslich Englisch. Nächsten Monat beginnt er einen Deutschkurs. Vater Vic war früher australischer Internationaler. «Er spielte aber nicht nur Fussball, sondern auch Australian Rules Football», erzählt der neue FCL-Spieler. Dieser rugbyähnliche Sport ist nichts für Zartbesaitete. Selbst der topfitte Bozanic, dem es nichts ausmacht, bei 37 Grad 90 Minuten zu kicken, sagt: «Ich spiele Aussie Rules Football nur mit Freunden, das Spiel ist sehr physisch.»

Günstig zum Sprungbrett FCL

Dafür hat Bozanic grosse Ziele als Fussballer. «Mein Traum ist die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.» Deshalb hat er nach Reading (England) einen zweiten Anlauf genommen, sich in Europa durchzusetzen. Sein australischer Klub, die Central Coast Mariners, haben ihm keinen Stein in den Weg gelegt. Peter Turnbull, der Manager, nennt es in der «NZZ» sogar ein «Gentleman’s Agreement». Eine symbolische Summe von «etwa 50 000 Franken» soll Bozanic den FCL gekostet haben. Der Linksfüsser weiss, dass er weiter Leistungen auf hohem Niveau bringen muss, um von Nationalcoach Holger Osieck das erste Aufgebot zu erhalten. Das Gleiche gilt für einen Wechsel in die Bundesliga oder Premier League. «Wie von der WM träume ich von einer Topliga. Doch zuerst will ich mit Luzern erfolgreich sein und auf mich aufmerksam machen.»

Ist er selbst überrascht, dass er nach drei Treffern in 70 Spielen für die Mariners beim FC Luzern schon vier Tore in drei Partien erzielte? «Der Start ist mir gelungen. Ein grosser Unterschied ist, dass ich hier eine viel offensivere Position habe, in Australien spielte ich im defensiven Mittelfeld», erklärt Bozanic ganz kühl.