FUSSBALL: Mikari hat Urner Kämpferherz

Yassin Mikari (30) ist heute (19.45) in Aarau für Luzern spielberechtigt. Der Rückkehrer brennt aufs Debüt, bleibt zugleich aber gelassen. Dafür gibt es plausible Gründe.

Daniel Wyrsch
Drucken
Teilen
Will Akzente setzen: FCL- Aussenverteidiger Yassin Mikari im Testspiel vom Dienstag gegen Borussia Dortmund. (Bild Philipp Schmidli)

Will Akzente setzen: FCL- Aussenverteidiger Yassin Mikari im Testspiel vom Dienstag gegen Borussia Dortmund. (Bild Philipp Schmidli)

Yassin Mikari getraut sich, seine Ziele offen auszusprechen: «Ich bin hierher gekommen, um jedes Spiel zu gewinnen.» Der 30-Jährige weiss zwar, dass es heute Abend in Aarau «bestimmt keinen einfachen Match» geben wird. Aber er bleibt verbal trotzdem offensiv: «Wir müssen das Zepter in die Hand nehmen, gegen den Aufsteiger muss der FC Luzern als ambitionierter Klub gewinnen.»

Mikari ist ehrgeizig, er will den Erfolg. So wie der Verteidiger spricht, pflegt er auch zu spielen. Da besteht kein Unterschied. Im Testspiel am letzten Dienstag gegen Borussia Dortmund kam er in der zweiten Halbzeit zum Einsatz. Der agile, laufstarke linke Aussenverteidiger fiel sofort auf. Zuerst fuhr er gegen den jungen Erik Durm (21) mit gestrecktem linken Bein dazwischen, so dass BVB-Trainer Jürgen Klopp von der Bank aufsprang. Später schnappte sich Mikari den Ball und schoss einen scharfen Freistoss mitten in Dortmunds Spielermauer – und schliesslich zog der Linksfuss auf der Aussenbahn mehrmals durch, er flankte präzise zur Mitte, wo Philipp Muntwiler eine spektakuläre Direktabnahme zeigte.

«Ein moderner Aussenverteidiger»

«Yassin wird immer auffallen», sagt Carlos Bernegger, angesprochen auf den Neuen aus Sochaux aus der Ligue 1. «Er ist ein moderner Aussenverteidiger, der einen enormen Drang nach vorne hat und konsequent in die Zweikämpfe geht.» Der FCL-Trainer ist allerdings noch unschlüssig, ob er Mikari heute in Aarau gleich von Beginn an einsetzt. Schliesslich hat Luzern das Startspiel gegen Lausanne mit 2:0 gewonnen. Ein erfolgreiches Team ohne Not zu verändern, fällt den meisten Trainern schwer.

«Ich bin ein Compétiteur»

Mikari hat Verständnis. «Ich weiss, ich bin noch nicht 100 Prozent fit, mir fehlt etwas die Spritzigkeit, aber bereit wäre ich trotzdem. Schliesslich bin ich ein Compétiteur, ein Wettkämpfer, der immer spielen will.» Zugleich ist Mikari gelassen. Schliesslich weiss er, «dass der Trainer mit mir plant». Ob er gegen Aarau 90 Minuten spiele, nur zu einem Kurzeinsatz komme oder erst später seinen Liga-Einstand gebe, das sei eigentlich egal. «Ich kann die Mannschaft auch von der Bank aus mitreissen», meint Mikari – und erinnert damit an Gennaro Gattuso, der das Feuer im Vorjahr bei Sion lange entfacht hatte.

Kein Zweifel, der 1,72 Meter kleine Abwehrspieler Mikari will in Luzern Akzente setzen. Für den Konkurrenzkampf sei er bereit. In der Saison 2002/03 war er in der Challenge League schon einmal da, er absolvierte damals über 30 Partien. Einer seiner Nachfolger auf der linken Seite, Claudio Lustenberger (26), könnte bald zu seinem Vorgänger werden. Verdrängt der tunesische Nationalspieler einen Einheimischen aus dem Stammteam? Es deutet vieles darauf hin. Lustenberger soll jedoch die Chance bekommen, in der Innenverteidigung Fuss zu fassen, wo sich Tomislav Puljic um seinen Platz sorgen muss.

Egal wie der «verschärfte Konkurrenzkampf» (Originalton Sportchef Alex Frei) ausgeht, Neuling Mikari muss es nicht kümmern. Ihn haben Frei und Bernegger geholt, weil er die Mannschaft durch seine viereinhalb Profijahre in Sochaux auch in Sachen internationale Erfahrung verstärke. Er hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben, «weil ich in das Projekt Luzern investieren will. Ich bin hierher gekommen, um Titel zu gewinnen». Er denke dabei an einen Cupsieg. «Wenn alle an einem Strang ziehen, ist vieles möglich.» In der Liga visiere er einen Platz an, der zur Qualifikation zur Europa League berechtigt.

Der Familienmensch Mikari

Den Ausschlag, in die Schweiz zurückzukehren, habe neben Trainer Bernegger, den er von früher bei GC kennt, die Familie gegeben. Mit seiner türkischstämmigen Ehefrau Didem (29), die aus Ebikon kommt, hat er die kleine Tochter Aïcha, die am 29. Juli sechs Monate alt wird. «Sie ist das Schönste, das mir passieren konnte», schwärmt Mikari – und wegen ihres Geburtsdatums hat er die Leibchennummer 29 gewählt. Aber damit ist das Familienglück noch nicht abgeschlossen. Der tunesisch-schweizerische Doppelbürger erzählt, dass seine Mutter aus dem Kanton Uri stammt. «Sie heisst Verena Arnold. In meinem Pass steht unter Heimatort Bürglen UR.» Mikari, der tunesische Nationalspieler, der es mit den Nordafrikanern wahrscheinlich als Gruppensieger in die Barrage für die WM in Brasilien schafft, ist mütterlicherseits ein Urner. Kein Wunder besitzt er das Kämpferherz eines Urschweizers.

Alle Verwandte sind FCL-Fans

Übrigens: Seine Schwester sei fast ausgeflippt, als sie erfahren hat, dass der Bruder zum FCL wechselt. Sie ist in Attinghausen verheiratet, hat drei Kinder – und Yassin Mikari ist Götti. «Ich habe sie und ihre Familie schon aus Sochaux regelmässig besucht, sie wohnt neben der Pouletburg, wo wir öfter essen.» Der Schwager, ein Cousin und «überhaupt die Verwandtschaft der Arnolds sind alle FCL-Fans. Ich musste in Luzern unterschreiben», sagt er schmunzelnd.

Angesprochen auf Heinz Moser (46), den letzten Urner beim FCL, der 1989 zur Meistermannschaft gehörte, entgegnet Mikari: «Sein Name sagt mir etwas.» Wohl wäre es ihm aber nicht, wenn er hier als Urner verkauft würde. «Den Dialekt kann ich leider nicht sprechen», weist er auf seine unverkennbare Zürcher Herkunft hin. In der Heimatstadt hält er sich ebenfalls regelmässig auf. Sein tunesischer Vater ist wieder verheiratet, die zweite Frau ist Tunesierin. Nun hat Mikari noch eine kleine Schwester und einen kleinen Bruder, der in Zürich Fussball spielt.

In Tunesiens Nationalmannschaft ist Mikari übrigens nicht «der Schweizer». «Ich bin hervorragend integriert, es gibt mehrere Spieler, die aus Europa kommen und deren Vater Tunesier ist.» Auch mit den Fans gibt es keine Berührungsprobleme. «Ich komme sehr gut an, weil ich auf dem Platz immer alles gebe.»

Dank seiner nie nachlassenden Einsatzbereitschaft wird er auch beim FCL-Publikum punkten, der Tunesier aus Zürich mit Urner Mutter.

Hinweis

Extrazug heute ab Luzern 17.25 mit Halt in Sursee (ab 17.43), Ankunft in Aarau 18.14. Nach Spielende ab Aarau 22.10, Halt in Sursee (an 22.36), Ankunft in Luzern 23.00. Mit Halbtax 22 Franken, ohne Halbtax 44 Franken.