FUSSBALL: Mobulu soll für Konkurrenz sorgen – Zoff mit Renggli dauert an

Konkurrenz beim FC Luzern für Adrian Winter: Vom Cup-Überraschungsteam Le Mont kommt Ridge Mobulu (22). Sein Bruder M’Futi spielte früher in der Super League.

Daniel Wyrsch
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Le-Mont-Stürmer Ridge Mobulu (rechts) im November 2013 im 4:1 gewonnenen Cupspiel gegen die Young Boys (links Alexander Gerndt). (Bild: Keystone/Valentin Flauraud)

Le-Mont-Stürmer Ridge Mobulu (rechts) im November 2013 im 4:1 gewonnenen Cupspiel gegen die Young Boys (links Alexander Gerndt). (Bild: Keystone/Valentin Flauraud)

Luzerns Sportchef Alex Frei (34) bestätigt auf Anfrage offiziell die Berichte in verschiedenen Westschweizer Zeitungen: Ridge Mobulu (22) wechselt im Sommer vom FC Le Mont-sur-Lausanne (1. Liga Promotion) zum FC Luzern. Der offensive Rechtsaussen hat zu Sichtungszwecken bereits einige Tage mit den FCL-Profis trainiert. Ausstehend ist lediglich noch der medizinische Test. «Dieser Check erfolgt in den nächsten Tagen», sagt Frei. Gibt Mannschaftsarzt Sascha Käsermann danach grünes Licht, erhält der 1,76 Meter grosse und kräftige Angreifer einen Zweijahresvertrag mit einer Option auf eine weitere Saison.

Regelmässig beobachtet

Mobulu ist seit mehreren Monaten regelmässig vom Super-Ligisten aus der Zentralschweiz beobachtet worden. Die Verantwortlichen dürften dabei ähnlich akribisch vorgegangen sein wie beim Anfang der Rückrunde verpflichteten Ex-Winterthurer Remo Freuler (21). FCL-Chefscout Remo Gaugler (45) hatte den zentralen Mittelfeldspieler in mindestens zehn Partien beobachtet.

Mit der Verpflichtung von Mobulu dürften die Chancen auf einen Wechsel von Claudio Holenstein (23) vom Challenge-Ligisten FC Wil zum FCL etwas gesunken sein. Holenstein hat mit 8 Toren und 10 Assists in 27 Partien der zweithöchsten Klasse recht beeindruckende Zahlen vorzuweisen. Der Aufbauer könnte rechts aussen, aber auch links aussen oder im Zentrum spielen. Frei lässt die Wahrscheinlichkeit eines Transfers von Holenstein offen. «Mal sehen», meint der Sportchef.

Mobulu erzielte 4 Treffer in 18 Partien der dritthöchsten Liga. Dazu kommen 2 Tore im Cup. Unter anderem schoss er das Tor zum 4:1-Schlussresultat für den Cup-«Riesentöter» aus dem Waadtland beim sensationellen Ausscheiden der Berner Young Boys im Achtelfinal.

Ridge Mickael Mobulu ist der zehn Jahre jüngere Bruder von Mobulu M’Futi (32), der derzeit ebenfalls für Le Mont spielt. Der Linksaussen hatte für Neuchâtel Xamax und Sion einst 28 Tore in der Super League erzielt, dazu kommen insgesamt 14 Vorlagen. M’Futi ist wie der neue FCL-Offensivspieler in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, geboren. Anders als M’Futi, der auch den Schweizer Pass besitzt, hat Mobulu einzig die Papiere seines afrikanischen Heimatlandes.

Spieler mit physischer Präsenz

Ausgebildet wurde Mobulu bei Lausanne-Sport (14 Spiele in der Challenge League, 1 Tor), bevor er zu den Vancouver Whitecaps in die nordamerikanische Profiliga NASL (12 Spiele, 1 Tor) wechselte. Nach rund einem Jahr kehrte er in die Schweiz zurück. Via Nyon (Challenge League) und Yverdon (1. Liga Promotion) kam er zu Le Mont.

Beim FCL bekommt der 22-Jährige die Chance, seine Karriere neu zu lancieren. «Mobulu ist unbekümmert und schnell, er verfügt über gute fussballerische Qualitäten und eine physische, körperliche Präsenz», erklärt Frei.

Die Frage, welche Bedeutung die Verpflichtung Mobulus auf den aktuellen rechten Flügelspieler Adrian Winter (27, Vertrag bis 2015) hat, beantwortet Sportchef Frei kurz und prägnant: «Das ist ein sportlicher Konkurrenzkampf.»

Vertragszoff mit Captain Renggli dauert an

14 Tage sind vergangen, seit FCL-Trainer Carlos Bernegger (45) dem Captain Michel Renggli (34) mitgeteilt hat, dass er die nächste Saison ohne ihn plant. Ein normaler Vorgang, wenn da nicht die Vertragsklausel mit dem langjährigen Stammspieler des FC Luzern bestehen würde: Bekanntlich muss Renggli nur noch eine Partie in der Startformation spielen, dann würde sich sein Kontrakt automatisch um eine weitere Saison verlängern.

Nach rechtlichen Grundlagen könnte der Mittelfeldspieler dann auf eine Abfindung pochen, die mit hochgerechneten Prämien eine geschätzte Viertelmillion Franken betragen könnte. Ein Betrag, den der FCL in der aktuell finanziell angespannten Situation nicht ausgeben kann. Sportchef Alex Frei will eine schriftliche Einigung mit Renggli und dessen Berater Josef Jost, womit die Klausel entfallen würde.
Unter dem Vertragszoff zwischen der Klubleitung und Renggli hat vor allem einer zu leiden: Coach Carlos Bernegger. Er war im letzten Sommer massgeblich verantwortlich, dass der zuvor oft verletzte Routinier eine weitere Saison als Profi anhängen konnte. Bernegger, der Renggli schon aus der gemeinsamen Zeit bei den Grasshoppers kannte, schenkte dem Spieler viel Vertrauen, machte ihn zum Captain.

Der Trainer muss nun mit einem Führungsspieler arbeiten, dessen Zögern am Verhandlungstisch dafür verantwortlich ist, dass er nicht vorbehaltlos einsetzbar ist. Wie letzten Sonntag in Bern gegen YB (1:2), als Renggli gar nicht erst mitreiste. Der dreifache Familienvater aus Beckenried müsste wohl auch am Sonntag (13.45 Uhr) beim Heimmatch gegen St. Gallen draussen bleiben, falls er und Berater Jost weiterhin auf der Vertragsklausel beharren.

Frei gibt Trainer die freie Wahl

FCL-Sportdirektor Frei beantwortet die Frage, ob es immer noch keine Einigung mit Renggli gegeben habe, wie vor einer Woche mit positiver Haltung: «Wir sind auf gutem, erfreulichem Weg.» Und auf die Konsequenz angesprochen, dass Renggli gegen St. Gallen voraussichtlich wieder nicht im Aufgebot steht, gibt Frei dem FCL-Coach Bernegger quasi die freie Wahl: «Der Trainer entscheidet, wer spielt oder im Kader steht.»

Doch ist dieses Hin und Her mit Renggli überhaupt noch eine Basis für eine Weiterzusammenarbeit ab Sommer, wenn Renggli als Juniorenprofitrainer der U 15 für den FCL im Einsatz stehen soll? Überraschend ist Freis Reaktion: «Michel hat klar signalisiert, dass er seine Zukunft beim FCL im Nachwuchs sieht.» Das würde eine Absage an Kriens bedeuten. Der SC Kriens sucht bekanntlich einen neuen Trainer für die 1. Mannschaft (1. Liga Promotion). Ex-Kriens-Profi Renggli gehört als Spielertrainer zu den Kandidaten.

Neumayr statt begehrter Zuffi?

Als Nachfolger für Michel Renggli ist beim Fanionteam des FC Luzern von Luca Zuffi (24) die Rede. Thun-Sportchef Andres Gerber hat für Zuffi, dessen Vertrag in Thun bis 2015 läuft, allerdings auch Anfragen von GC, Basel und St. Gallen. Für Luzern soll auch Vaduz-Mittelfeldspieler Markus Neumayr (De, 28) ein Thema sein. 10 Tore und 6 Assists sind selbst in der Challenge League gute Werte. Oder der FCL holt nach Marco Schneuwly auch dessen Bruder Christian (26, Thun-Vertrag bis 2015).